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Posts Tagged ‘Mélide’

Die erkältete Spanierin neben mir schnarcht, dass die Wände wackeln, und als sie morgens im Schlaf auch noch herzhaft ungebremst Nies- und Hustenattacken bekommt, flüchte ich kurz vor 7. Ich warte brav bis 7.30, bevor ich mich auf den Weg mache. Heute ist es klar, kein Nebel, dafür ein bisschen Wind. Die ersten Stunden bleibt es ruhig, ich werde nur sehr vereinzelt von Pilgern überholt. Ich bin in einer komischen Stimmung, eine Mischung aus traurig, niedergeschlagen, resigniert oder ernüchtert. Anke ist weit hinter mir, Joaquin weit vor mir, ich werde sie nicht mehr treffen. Und sonst kenne ich eigentlich niemand. Auch Santiago weckt keine allzugroße Vorfreude in mir. Durch meine Stückelung fühle ich mich ein bisschen wie ein Kurzstreckenpilger, nicht so gewachsen, als wäre ich 3 Wochen lang jeden Meter auf mein Ziel hingelaufen. Und mein letzter Tag wird wohl weniger langsames, besinnliches In-mich-Hineinfühlen, sondern eher eine koordinatorische Meisterleistung, um rechtzeitig auf meinen Flieger zu kommen.

In Mélide mache ich einen feierlichen Großeinkauf in meinem Stammsupermarkt und breite mich ebenfalls an meinem Stammplatz am Ortsausgang vor einer Kirche aus. Zu Schafskäse und edlem Lomo habe ich mir leider versehentlich ein süßes Rosinen-Nuss-Brot gekauft, was das stimmige Gesamtkonzept etwas ins Wanken bringt.

Heute habe ich mal wieder wunderbares Wetter und fühle mich mit Zitronenbäumen und Weinreben sicher nicht wie November. Typisch für Galizien wimmelt es von den Hórreos, den Kornspeichern. Zum ersten Mal stehen einige offen und sind auch wirklich mit corn, mit Mais bestückt.

Heute bin ich ziemlich unschlüssig bezüglich meines Tageszieles. In Ribadiso bin ich viel zu früh, sonst ist noch niemand da, und nach der gestrigen Nacht möchte ich einfach mal wieder einen Haufen Pilger um mich haben und ein bisschen Trubel. Ich setze mich erstmal in den Schatten auf die Brücke und warte ab.

Ein paar nett aussehende Spanier stürmen die Herberge und halten ihre Füße in den kühlen Bach. Ich entscheide mich spontan, auch hierzubleiben. Kaum habe ich eingecheckt, packen sie auch schon wieder zusammen. Sie haben nur mal kurz die Füße erfrischt und laufen nun natürlich noch weiter. Ich bin leicht verzweifelt.

Die Herberge ist eigentlich wirklich wunderschön. Abgesehen von dem tollen Bach faszinieren mich die hellblauen Pferdestalltüren und der verschachtelte, über mehrere Ebene verteilte Schlafsaal. Zum absoluten Wohlgefühl würden einfach ein Supermarkt, eine eingerichtete Küche und nette, bekannte Gesichter fehlen.

Ersteres nehme ich kurzentschlossen mal wieder in Angriff, ich laufe nach Arzúa. Ich fühle mich ausgesprochen leicht und beschwingt, was sicher am fehlenden Rucksack und dem Wissen um die kurze Strecke liegt. Und daran, dass ich langsam die Sorgen um meine Beine und Vorsicht und Schonung abgelegt habe.

Ich kaufe wie üblich viel zu viel, zwei riesige Tüten, es ist schon fast schwer zu tragen (und im Nachhinein weiß ich immer gar nicht mehr, wie ich das alles essen soll). Unter anderem habe ich mir auch eine Tüte Schokobons gegönnt, die ich während meines Rückwegs schon einmal anbreche. Mir kommen die ersten Pilger entgegen, völlig abgekämpft vom Berg, dem langen Tag, der Verzweiflung, wann denn endlich Arzúa auftauchen könnte. Beim Anblick einer Pilgerin mit Supermarkttüten schöpfen sie neue Hoffnung, und es ist schön, ihnen versichern zu können, dass hinter der nächsten Biegung wirklich schon der Ort ist. Ich drücke jedem noch ein Schokobon in die Hand und mache mich noch etwas beschwingter als eh schon auf meinen Weiterweg in Gegenrichtung.

Das mit den Schokobons war eine lustige Idee, und ich beschließe, jeden weiteren Pilger auf seinen letzten Metern damit zu beschenken. Viele kenne ich vom Sehen, manche kenne ich auch gar nicht, aber jede Begegnung ist ein Highlight, innerhalb weniger Sekunden Überraschung, ein paar Worte, Freude und ein Strahlen. Zurück in Ribadiso ist meine Tüte leer, aber ich bin erstaunlich erfüllt und beseelt von meiner kleinen Aktion. Vielleicht weniger vom Schokoladeverteilen an sich, sondern von dem Gefühl, dass man sich gleich besser fühlen kann, wenn man offen auf andere Menschen zugeht bzw. sich nicht um sich, sondern um seine Mitmenschen sorgt. Eigentlich keine neue Erkenntnis, aber es kommt mir vor wie eine kleine Lektion von oben, ein kleiner Reminder.

Passend dazu, wie eine kleine Belohnung, ist Ribadiso bei meiner Rückkehr mit einem Schlag recht belebt und mit Trubel erfüllt. Trotz meiner Lektion in Sachen Offenheit ist mir nicht danach, mich voll ins Kennenlernen zu stürzen. Dafür ist dieser Camino vielleicht schon zu weit fortgeschritten oder diesmal einfach auch mit anderen Lehren und Erfahrungen gefüllt. Ich sitze in der Abendsonne bei lauter Caminodelikatessen wie Artischocken aus der Dose, Crema Catalana, einer Kaki und Schweppes Lemon, plaudere den ein oder anderen kurzen Smalltalk, bin aber eigentlich sehr zufrieden mit meinem freundlichen Trubel um mich herum, ohne voll darin eintauchen zu müssen.

Gegen Abend zieht Nebel auf, sodass ich mich recht bald in den Schlafsack verziehe. Die Südafrikanerin aus Sarria kommt jetzt erst angepilgert. Etwas aufgedreht erzählt sie, dass sie ja die letzten Tage mit diesen „party people“ verbracht hätte, und da hätten sie heute vor lauter Feiern dann die Zeit vergessen. Die party crew hat dann ein Taxi nach Arzúa genommen, aber soweit geht ihre Partybegeisterung dann doch nicht, sie ist doch noch so lange gelaufen, wie sie etwas sehen konnte.

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Mein versprochenes Frühstücksei steht schon auf dem Tisch, ebenso eine Tasse Tee. Sanne und Marco sind schon fertig mit essen und machen sich auf den Weg.

Meine Druckstellen tun heute unglaublich weh. Ich schnüre alle paar Meter um, aber ohne Erfolg. Seit Tagen trage ich zur Polsterung schon meinen Fleecehandschuh im Schuh, aber egal, wie ich ihn schiebe, es tut höllisch weh. In meiner Verzweiflung probiere ich schon Abstandshalter wie Steine, Holzstückchen und Flaschendeckel, aber so richtig besser wird es nicht, und vermutlich habe ich nachher noch zusätzliche Probleme und Druckstellen. Ich beschließe, es zu ignorieren und einfach weiterzulaufen.

Nach 1 1/2 Stunden freue ich mich in Palas de Rei dann auf Einkaufen und ein ausgiebiges zweites Frühstück. Ich komme gerade rechtzeitig zum Öffnen des Supermarktes, aber zuerst statte ich meiner Lieblingsbäckerei einen Besuch ab, kaufe ein Pain au chocolat (wie auch immer das in korrektem Spanisch heißen mag), eine schöne Empanada mit Fleischfüllung und ein Baguette. Alles noch ofenwarm, herrlich. Im Supermarkt meinen ebenfalls liebgewonnenen Tintenfisch in Soße sowie Frühstücksartikel, denn mein heutiges geplantes Etappenziel brilliert schon wieder durch fehlenden Laden. Mit Sanne und Marco bin ich mir einig; nach zwei Tagen in kleinen Herbergen zwischen den großen Etappenzielen möchten wir heute unsere Gruppe wieder einholen. Allen voran Amber, aber selbst Chuck würde ich langsam in Kauf nehmen.

Für mich wird es ab hier zusätzlich spannend; zwei dänische Freunde vom Vorjahr machen zeitgleich den Camino Primitivo, der hier nun auf den Hauptweg einbiegt. Ich habe es nicht mehr genau im Kopf, aber sie sollten um meinen Ankunftstag in Santiago ankommen, wahrscheinlich sind sie jetzt nur ein paar Kilometer von mir entfernt. Ebenfalls spätestens in Santiago treffen werde ich meinen belgischen Pilgerfreund Jelle, der ebenfalls in León, aber einen Tag nach mir gestartet ist. Zwischenzeitlich hatte ich fast Angst, ihn vorher wiederzutreffen, schließlich möchte ich meinen Camino gehen, mit meinen neuen Leuten und meinen neuen Erlebnissen. Aber so langsam bin ich bereit dafür und würde mich sehr über diesen Abschluss freuen. Ich ärgere mich fast ein bisschen, mir nicht genauer notiert zu haben, wann sie ihren Flug ab Santiago haben, aber ich wollte es dem Schicksal überlassen, ob und wann wir uns treffen. Und nachdem ich ihre Emailadressen habe und wir ohnehin regelmäßig in Kontakt sind, ist mir das Treffen auch nicht so übermäßig wichtig.

Heute stehen 34 km auf dem Programm, deutlich mehr, als ich in den letzten Tagen gelaufen bin. Mein Bummeln in der Hoffnung auf Kristian habe ich nun aufgegeben und möchte lieber wieder die bekannten Gesichter treffen.

Vor Mélide treffe ich schon mal die energetische Spanierin aus La Faba wieder, was mich sehr freut. Im Park mit den Pilgerbäumen mache ich eine gemütliche Mittagspause mit meinen Unmengen an Vorräten. Mein Rucksack sieht schon ganz komisch aus von dem quer reingestopften Baguette.

Die letzten Kilometer ziehen sich ziemlich endlos dahin. Ich bin definitiv etwas verweichlicht in den letzten Tagen.

Die Herberge von Ribadiso liegt friedlich im Sonnenschein am plätschernden Bach, von bekannten Gesichtern allerdings keine Spur. Ich bin etwas enttäuscht, vermutlich gilt auch diese Herberge wieder als „Zwischenetappenziel“, und der große Pulk ist eine Stunde weiter in Arzúa. Meinen ganzen Camino habe ich in den Herbergen immer nur wenige Pilger getroffen, meist maximal 20, dabei wäre ein großer Pilgerschub mit fast 100 Leuten direkt einen Tag vor uns. Ich war immer heilfroh, nicht auf diesen aufzulaufen, habe ich doch das Gefühl, das mein diesjähriger Camino eher in der Einsamkeit und dem Ahnen der Zuckerwattefäden sein Ziel hat. Trotzdem, heute wäre mir nach großem Hallo und Wiedersehen und Leben.

Die Herberge erscheint mir heute noch idyllischer wie eh schon. Ich dusche Ewigkeiten brühendheiß, und meine Wäsche trocknet blitzschnell in der Mischung aus Sonne und Wind. Ich halte meine Füße in den eiskalten Bach, was auch dringend nötig ist. Die Druckstellen erlauben langsam nicht mal mehr den Kontakt mit meinen watteweichen Crocs-Imitaten, und zu allem Überfluss zwickt es mich seit dem Ankommen in der linken Wade und Kniekehle, was ich mir eigentlich nicht erklären kann. Es ist nicht schlimm, aber ich creme für alle Fälle mal mit Arnika.

Auf einem Bänkchen in der Sonne esse ich mein Abendessen, unterhalten von einem recht süßen schwäbischen Pensionär. Meine beiden stillen Engel tauchen mit der Abendsonne auf, aber heute sind ihre Schwingungen füreinander so stark, dass ich mich zurückziehe. Sie strahlen sich so selig und harmonisch an, da passt niemand drittes mehr dazu, erst recht nicht jemand, der nicht so strahlt und leuchtet. Ich bewundere beide für ihre Fähigkeit, auf ihre innere Stimme zu hören. Beide stehen oder sitzen oft still da, lächeln vor sich hin und warten. Ich habe ein etwas gespaltenes Verhältnis zu meiner inneren Stimme. Kleine Blitze von Intuition habe ich auch manchmal, aber das Gefühl ist schwer greifbar, und mein Gehirn schaltet sich sofort ein und versucht eine Analyse. Das kommt dann einem verzweifelten Gedankenstrudel näher als dem seligen Lächeln.

Ein Bauer treibt seine Kuhherde von der benachbarten Weide. Schon in den vergangenen Tagen war ich beeindruckter Zeuge der Art von Kuhhaltung hier. Einmal bin ich einem Bauer mit seiner Kuhherde auf der Straße begegnet, der allen Kühen voran entlanggerannt ist und mit leuchtenden Augen und absoluter Passion rhythmische, antreibende Worte gerufen hat. Running with the cows als Lebenserfüllung. Gestern Abend in Areixe ist ein Bauer ungefähr eine halbe Stunde mit 4 Kühen immer wieder um den Stall und einmal kurz eine Runde durchs Dorf gerannt. Macht das besseres Fleisch und wirkt Verfettung entgegen? Heute wird die kleine Herde an unseren Bach getrieben und getränkt. Einige Kühe gehen ordentlich tief hinein und fühlen sich derart wohl, dass sich Blase und Darm entleeren. Ich ziehe schnell meine Füße aus dem Wasser. Anschließend wird die Herde dann komplett durch den Fluss durchgetrieben; praktisch, saubere Kühe, und sicher auch etwas für die Venen und den Kreislauf getan. Ich muss lachen beim Gedanken an das wunderschöne, kristallklare Wasser, in dem Marco vorher sogar todesmutig gebadet hat. Jetzt ist es ein einziger verdünnter, trüber Kuhfladen. Und bis zum nächsten Nachmittag erfreuen sich die nächsten Pilger an dem klaren Kristall.

In der Herberge herrscht Partyatmosphäre; eine Gruppe von sieben spanischen Männern in meinem Alter genießt den Camino auf ihre Weise. Wohl weniger meditativ und selbstfinderisch, sondern vor allem auf Spaß angelegt. Sie versuchen mich als weibliche Begleitung für die Bar zu gewinnen, und ich habe im Gegenzug meinen Spaß daran, ihre Kommunikationsversuche zu verfolgen. Der wohl am besten Englischsprechende wird vorangeschickt, um zu fragen, ob ich englisch wäre. Ich verneine, sage „Suiza“, und man kann förmlich die Köpfe rauchen sehen. Sie beratschlagen auf Spanisch, was ich dann wohl spreche bzw. welcher von ihnen dann die Gesprächsführung übernehmen soll. Ich habe meinen Spaß mit verständnislosem, hilflosem Schulterzucken und bin gespannt, was sie sich noch einfallen lassen bzw. was ich bis dahin noch alles belauschen darf. Leider durchschaut mich einer von ihnen dann doch, und so kann ich auf Spanisch dankend ihre Einladung ablehnen. So einer Horde geballter Männlichkeit fühle ich mich heute Abend nicht gewachsen.

Es ist kaum 8, und ich überlege mir, schlafen zu gehen. Sanne und Marco kochen zusammen, sonst kenne ich niemanden. Draußen lacht es auf Englisch, und ich überwinde mich doch nochmal und setze mich dazu. Zwei junge Amerikaner und ein Deutscher haben ordentlich Spaß zusammen. Der Deutsche ist wie ich vor 2 Jahren bis Arzúa weitergelaufen, um einzukaufen, und versorgt jetzt seine neuen amerikanischen Freunde und mich mit seinen Errungenschaften. Er hat einen guten Humor, recht treffend und knapp, und soweit ich es erfassen kann, ist er mir als Pilger sympathisch. Seit 20 Jahren macht er zum ersten Mal Urlaub, und er ist begeistert vom Camino und hat sich schon für das nächste Jahr als Hospitalero verpflichtet. Er läuft recht schnell, und eher zufällig frage ich, ob er dann irgendwo in den letzten Tagen zufällig meinen Norweger gesehen hat. Klar. Waaaaas? Ich falle fast von der Bank. Sie hätten sich in O Cebreiro getroffen, er erinnert sich genau an ihn, und er hätte gewirkt, als ob er schon noch weiterlaufen könne. Ich rechne chaotisch herum, wann das war, leider hat keiner von uns so richtig Zeitgefühl. Auf alle Fälle scheint Kristian demnach aber weitgehend normale Etappen laufen zu können, und etwas sagt mir, dass er es dann auch rechtzeitig für mich nach Santiago schaffen wird. Ich bin überglücklich, warum auch immer. Ich fühle mich wie der Liedtitel „I can reach heaven from here“.

Ich bin Günther unendlich dankbar, ebenfalls warum auch immer. Eben noch wollte ich etwas einsam und verlassen zu früh ins Bett, und nun habe ich mich eine Stunde brillant und lebhaft unterhalten, das Caminogefühl ausgetauscht und geteilt, leckere Cremeschnittchen aufgedrängt bekommen – und mit einem Mal wieder diese unbeschreiblich schönen Bewegungen meines Herzens, das seinen Soulmate wieder spürt.

Ich gebe Günther mit ganz viel Liebe ein Bändel und packe mich in meinen Schlafsack, als er nochmal kurz an mein Bett kommt und mir seine geschlossene Faust hinstreckt. Er sagt so etwas wie, dass es manchmal einfach stimmen und passen würde. Er ist schon wieder weg, als ich sein Geschenk näher betrachten kann – eine wunderschöne kleine Maus aus Metall.

Ich schlafe mal wieder unendlich glücklich und reich ein.

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Die Nacht ist erstaunlich warm, ich friere nicht wie üblich in meinem ultraleichten Ultrabilligschlafsack. Zum Frühstück habe ich gleich noch eine leckere Fleisch-Empanada von gestern (die Vorräte müssen ja mal weg).

Das Wetter ist heute besser, es nieselt nur noch und schüttet nicht mehr. Vielleicht kommt es einfach immer auf den Vergleich an – etwas, was mich schon wieder an Angelos Geschichte gestern denken lässt. Eigentlich ist nie etwas ganz gut oder ganz schlecht, vielleicht ist vieles wirklich nur eine Einstellungsfrage.

Ich laufe schon wieder mit Jelle, als wir Mélide erreichen, eine größere und industriellere Stadt als sonst üblich. Hier hoffe ich, meinen Teleskop- Stock repariert zu bekommen. Ein Stück hat sich verklemmt, ich bekomme ihn nicht mehr klein zusammen. Zum einen ist mir das klappernde Stöckeln etwas lästig, zum anderen muss ich ihn ja spätestens für die Heimreise wieder klein in meinen Rucksack bekommen. So steuern wir ein Geschäft an, das sehr nach Handwerkerbedarf aussieht. Trotz zahlreichen Bohrmaschinen hat der Verkäufer aber keine Zange (oder versteht mein Problem nicht) und deutet auf die andere Straßenseite. Dort ist eine Autowerkstatt, die wir etwas zögerlich betreten. Weit und breit kein Mensch, und ich will es fast schon wieder sein lassen, als ein Männchen in der hintersten Ecke extra sein Schweißen unterbricht. Mir ist es etwas unangenehm, aber nachdem wir jetzt schon da sind, schildere ich eben mein Stockproblem. Der Mann ist sofort bei der Sache und zieht und zerrt herum. (Nachdem sowohl ich als auch Jelle und Angelo schon daran herumgezerrt haben, wundert es mich nicht, dass ohne Erfolg). Er greift zu einer Zange, aber auch das ohne Erfolg. Ich möchte sagen „na gut, dann halt nicht, vielen Dank trotzdem!“, aber er läuft schon zu einem Schraubstock. Mir wird ganz anders (vor allem, da er jetzt mit voller Hebelgewalt in die falsche Richtung dreht). Nachdem auch das erfolglos bleibt, kramt er diverse Sprays hervor, um eventuellen Rost zu lösen. Mir tut der ganze Aufwand leid, aber offensichtlich habe ich hier spanischen männlichen Ehrgeiz geweckt, und der ist durch nichts zu bremsen. Zumindest nicht durch eine schlecht spanisch radebrechende Pilgerin. Irgendwann gibt er sich doch geschlagen, entschuldigt sich mehrfach und lehnt Bezahlung rigoros ab. Zwar kein reparierter Stock, aber immerhin haben wir ein weiteres Mal erlebt, welchen Respekt und welche Freundlichkeit Pilger entlang des Weges von der einheimischen Bevölkerung entgegengebracht bekommen.

Passend zum aufklarenden Wetter werden heute auch meine Gedanken deutlich klarer. Die Worte von Angelo sind mir allgegenwärtig, und von Pessimismus, Depression und negativem Denken möchte ich mich für die Zukunft befreien. Wie auch in der Meseta, als ich eine gewisse Beruhigung und Vollendung gefunden habe, indem ich der Engländerin den Muschelanhänger gegeben habe, überkommt mich eine Idee wie eine Eingebung. Ich frage Jelle, ob er mir einen Gefallen tun würde. Ohne zu wissen, um was es geht, sagt er sofort ohne zu zögern ja, und beginnt wild herumzuraten, um was es gehen könnte. Ich bin fast überrascht, auf was er alles kommt, und was er alles für  mich tun würde. Ich unterbreche seine lustigen Gedankengänge und erkläre ihm, worum es mir geht. Ich möchte meine Jakobsmuschel in Muxia im Meer versenkt haben. Normalerweise begleitet mich meine Muschel den ganzen Camino durch Höhen und Tiefen und ist mir wie ein Glücksbringer. Diesen Camino habe ich nicht so richtig Freundschaft mit meiner Muschel geschlossen, ich habe sie recht seelenlos schnell in Burgos gekauft. Dabei denke ich eigentlich, eine Muschel muss einen finden, so wie bei Harry Potter der Zauberstab sich seinen Besitzer aussucht. Ein Stück weit möchte ich diese nicht stimmige Muschel loswerden, und vor allem mit ihr all die Erkenntnisse und Abschiede, die ich auf diesem Camino gesammelt habe. Zu Muxia habe ich ein ganz besonderes Verhältnis, vom Gefühl her ist das genau der passende Ort. Ich kann dieses Mal leider nicht selber bis ans Ende der Welt laufen, aber Jelle wird dorthin gehen. Er fühlt sich sehr geehrt ob dieses Auftrags und möchte seine Muschel dann auch gleich dazubinden, als Zeichen der Bande zwischen uns. Mir ist das eher unrecht, zum einen soll er seinen Glücksbringer mal schön behalten, und zum anderen versenke ich damit doch einen Teil von mir, den ich hinter mir lassen möchte.

In Arzúa bin ich gespannt auf die Herberge, die ich noch nicht kenne. Wir finden die städtische Herberge, und ich bin sehr positiv überrascht. Es gibt einen riesigen Schlafsaal mit schönen Holzbetten, die ganze Herberge ist großzügig und mit viel Holz. Außer uns ist erst ein Deutscher da, sodass wir unsere doch rundum feuchten Sachen weiträumig ausbreiten können. Er ist in den Pyrenäen gestartet, und auf meine Frage, ob er sich denn nun nach so langer Zeit aufs Ankommen freut, bekommt er fast einen Tobsuchtsanfall. Offensichtlich nicht. Auch scheint er noch deutlich mehr unter den Pilgerneulingen zu leiden als ich. Ich finde es in manchen Momenten ein wenig schade für die Stimmung, aber er verwendet derart gesalzene Kraftausdrücke für alles, dass ich mich auch schon etwas verängstigt lieber wieder Jelle zuwende.

Heute sprechen wir ausnahmsweise eher über ihn. Wir sind schon sehr grundlegend verschieden. Während meine Gedanken die meiste Zeit wild Karussel fahren, ich alles durchdenke und mich wegen allem sorge und ängstige, findet er Sorgen und Ängste nicht sinnvoll. Wenn sich irgendein Zweifel in ihm regt, dann verbannt er ihn einfach willentlich, und schon ist da kein Zweifel mehr. Ich bin recht erschlagen von dieser Lebensphilosophie.

Ich nehme mir ein bisschen Zeit für mich, höre in mich hinein und schreibe drei wesentliche Ziele für mich nieder, die als positive Richtungsweisung mit in das Meer sollen. Dann übergebe ich die Muschel Jelle, es ist ein richtig feierlicher Moment, und er knotet sie mit einer Behutsamkeit an seinen Rucksack und zu seiner Muschel, als wären es die englischen Kronjuwelen.

Wir gehen in den schon bekannten tollen Supermarkt und essen im Foyer der Herberge an den dafür vorgesehenen Tischen. Auch hier gibt es wieder eine moderne, schicke Tür zur Küche – nur eine Küche selber natürlich nicht.

Ein junges Pärchen kommt an die Rezeption und beäugt erst einmal kritisch die Herberge. Die weibliche Komponente verzieht das Gesicht, sodass sie weiterziehen. Nach einer Stunde sind sie dann doch wieder da und checken ein. Ich komme mit dem jungen Mann ins Gespräch, es sind Studenten aus Deutschland. Ich habe sehr wenige junge Paare hier getroffen, ich stelle es mir aus eigener Erfahrung auch ungleich schwieriger vor. Das Kerlchen ist offensichtlich mit einer Lebenseinstellung wie Jelle ausgestattet, ihn kümmert und besorgt nichts. Weder die Tatsache, dass seine Freundin die Krise bei der Herberge hier kriegt, noch, dass die Freundin kaum mehr einen Schritt laufen kann. Sie kommt mitleidserregend die Treppe herunter, lässt sich auf eine Bank fallen und bleibt dort lethargisch sitzen. Ihr eines Bein ist vom Knie abwärts doppelt so dick, dem fröhlichen Geplapper ihrer besseren Hälfte nach tut es höllisch weh, sodass sie jetzt mal nach einer Apotheke schauen wollen. Die Arme schläft derweil vor Erschöpfung ein.

Eine halbe Stunde später steht er strahlend wieder im Foyer, die Freundin schleppt sich Minuten später hinterher. Ich gebe zu bedenken, dass sie zu einem Arzt sollte und dass sie nun wohl erstmal pausieren müssen. Er guckt mich an wie von allen guten Geistern verlassen, nein, morgen geht es weiter, 25 km, das ist ja wenig, da kann sie sich ja dabei erholen. Sie hängt derweil wieder mit dem Kopf auf der Tischplatte, und ich bin irgendwie geschockt von dieser Gesamtperformance.

Zum Abend hin trudeln auch noch Angelo und Aurélie samt Mutter ein. Sie versinken mit Jelle wieder in der Planung und Koordination des gemeinsamen Abendessengehens. Ich will zum Glück ohnehin in den Gottesdienst und bin froh, eine plausible Ausrede zu haben.

Ich esse noch schnell einen netten Thunfischsalat mit Mais und Oliven, bevor ich mir ein frühes Zubettgehen gönne.

Heute habe ich das Gefühl, einen großen Schritt weitergekommen zu sein.

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Erst am Morgen entdecke ich, dass die Herberge sogar über einen großen Aufenthaltsraum verfügt. Ich hätte also gar nicht den ganzen Tag frustriert auf meinem Bett hocken müssen.

Heute bin ich sehr geläutert und freue mich vor allem ganz unheimlich auf meine deutschen Freunde. Ich laufe schnell, weil ich sie einen Ort vor mir weiß und einzuholen hoffe. Ich laufe auch wieder im Dunkeln los, aber im Gegensatz zu gestern ist es heute deutlich angenehmer. Kein Gewitter, kein Nebel, und nachdem sich zwei andere Pilger, glücklich über meine Lampe, in meinen Windschatten gehängt haben und mein strammes Tempo mitgehen, bin ich nicht allein und mache mir auch bei unheimlichen Geräuschen keine Sorgen.

Das Wetter ist noch nicht sehr stabil, kurz vor Mélide wird es auf einmal windig, im Hintergrund donnert es wieder, und als ich mich nach hinten umdrehe, sehe ich eine dunkelgraue Wolkenfront aufziehen. Nach ein paar Minuten brauche ich mich nicht mal mehr umzudrehen, um das Schlamassel zu sehen. Auch rechts und links von mir ist es überaus schwarz. Und passend zu meiner Angst vor Gewittern und zu meiner blühenden Phantasie befinde ich mich natürlich auch jetzt wieder auf freiem Feld, weit und breit keine anderen Opfer für ziellose Blitze, und Mélide ist zwar in Sicht, aber noch viel zu weit weg. Im Hintergrund setzt ein Platzregen ein, es donnert und windet. Ich schaue mich nicht einmal mehr um, sondern laufe so schnell wie es geht, bevor mich das Gewitter einholt.

Es geht durch den „Wald der Pilger“, wie ich im Vorbeilaufen sehe. Der Weg geht schnurgerade, ist parkähnlich angelegt und wird von kleinen, liebevoll gepflanzten Bäumchen eingerahmt. Auf Tafeln stehen Namen; ich vermute, hier geht es um verdiente Pilger.

Faszinierenderweise tobt um mich herum das schlechte Wetter, rechts und links von mir höre ich den Regen herunterprasseln. Aber mein Weg durch den Pilgerwald bleibt von Anfang bis Ende sonnendurchflutet und trocken. Nachdem meine Stimmung die letzten Tage moderat war und ich mich zwischenzeitlich ein wenig allein gelassen gefühlt habe, ist der Effekt jetzt unglaublich. Ich fühle mich, als würde jemand seine große Hand genau über mich halten, gerade die Regenwolke über mir ein bißchen zur Seite schieben und mich mal wieder daran erinnern, dass ich doch jederzeit Beistand bekomme, wenn ich allein nicht mehr weiter will oder kann. Dieser Jemand schickt mir dann auch noch einen gewaltigen Regenbogen vor dem dunklen Himmel, und wenn ich nicht meinen Foto gezückt hätte, würde ich mir dieses Erlebnis heute selber nicht mehr glauben.

Ich bin also wieder mit mir und der Welt im Reinen, als ich gutgelaunt zwei Kurzstreckenpilger überhole, die fein herausgeputzt und in Turnschuhen den Weg entlangstaksen. Als diese mich mit Namen begrüßen, stehe ich erst gehörig auf dem Schlauch, bevor ich die zwei Italienerinnen aus Molinaseca wiedererkenne. Ich hätte sie hinter mir vermutet und bin beeindruckt, dass man ein ordentliches Pensum laufen und dabei noch wie aus dem Ei gepellt aussehen kann (was ich von mir definitiv nicht behaupten kann).

Sie haben die Nacht in Casanova verbracht, dem Örtchen, wo auch Andi hinwollte. Als ich seine Beschreibung durchgebe und nachfrage, bestätigt mir die englischsprachige Italienerin begeistert seine Anwesenheit. Und die andere Italienerin gibt eifrig zu übersetzen, dass da auch noch zwei andere Deutsche gewesen wären. Bei mir überschlägt sich alles, und ja, es sind meine beiden anderen Caminofreundinnen gewesen. Und wie auch die Italienerinnen (und ich) wollen sie heute alle bis Ribadixo. Ich bin wieder wunschlos glücklich und stürme voller Vorfreude weiter.

Die Herberge in Ribadixo ist noch geschlossen, vor dem Eingang hat sich aber schon eine Pilgerschlange gebildet. Zu meiner Überraschung ist zwar schon die kochende, französische Frühaufstehertruppe da, meine Herrschaften fehlen aber noch. Ich habe sie wohl, ohne es zu merken, auf dem Weg überholt. Andi nennen wir nicht umsonst „Bocadillo-Andi“, er kann an keiner Bar vorbeigehen und gerät richtig in Verzückung, wenn er von seinen Bocadillos schwärmt.

Während ich auf die Öffnung der Herberge warte, halte ich in freudiger Erwartung den Camino im Auge. Aber niemand kommt, sodaß ich erstmal einchecke, dusche und wasche. Weiterhin in freudiger Erwartung setze ich mich auf eine Bank mit Blick auf den Weg, aber zwar kommen haufenweise Pilger, nur meine nicht. Die Italienerinnen treffen ein sowie zwei hinkende Schwedinnen. Sie sprechen mich an und danken mir für das Licht heute morgen. Ich kombiniere, dass das wohl die beiden fixen Gestalten heute morgen waren. Mir tut es leid, dass ich so schnell gegangen bin. Offensichtlich haben sich die beiden bei dem Tempo gründlich übernommen, aber zu sehr Angst vor der Dunkelheit ohne Lampe gehabt, als den Kontakt verlieren zu wollen. Hätten sie doch etwas gesagt!

Noch immer behalte ich den Camino im Auge, aber nach nunmehr mehr als 2 Stunden ist von freudiger Erwartung nicht mehr viel geblieben. Es dämmert selbst mir so langsam, dass selbst Andi nicht so viel Zeit mit Bocadillos vertrödeln kann, und dass ich sie endgültig verloren habe.

Immerhin taucht jetzt am Horizont inmitten der deutlich langsameren Pilger eine mir bekannte Silhouette auf. Niemand sonst trägt zu seinem Rucksack noch einen zweiten kleinen Rucksack auf der Brust als meine koreanische Sun. Dieser Bauchsack kombiniert mit ihrem spanischen Touristensonnenhut, der ihr bis auf die Nase reicht, vervollständigen den Wiedererkennungseffekt. Die Gute sieht nämlich überhaupt nichts, folglich tastet sie sich stolpernd vorwärts und legt alle 20 Schritte den Kopf weit in den Nacken (natürlich schräg, wie es ihre Art ist), um unter dem Hut hervorzulinsen und die nächsten Meter abzuchecken.

Begeistert sprinte ich halsbrecherisch in meinen Flipflops das Kopfsteinpflaster hinunter, um sie willkommen zu heißen. Sie guckt mich an, als käme ich vom Mond. Sie ist knallrot, dem Hitzschlag nah und auch mit Kopf im Nacken nicht mehr ganz klar. Sie radebrecht, dass sie noch eine Station weiter will. Es ist wohl nicht mal Egoismus, als ich ihr klarmache, dass sie da auf keinen Fall weitergeht. Und sie ist auch recht fix zu einem schiefgelegten „maybe stay here“ zu bewegen.

Ich bin überglücklich über die Gesellschaft einer liebgewonnenen Freundin und kann endlich die schöne Herberge aus vollem Herzen genießen. Sie liegt in einem Tal an einem kleinen, idyllischen Fluss. Die Sonne scheint und man kann die heißen Füße von einem Mäuerchen direkt in das wunderbar kühle Nass hängen.

Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings, das Örtchen ist so einsam, dass es keinen Supermarkt gibt. Zwar habe ich noch einiges an „emergency food“, haufenweise Zeugs gegen plötzliche Verhungerungsanfälle, aber mein Wasser wird knapp, und auf 7 Müsliriegel zum Abendessen habe ich auch nicht so richtig Lust. Der nächste Ort ist 3 1/2 km entfernt, und der Gedanke an den dortigen Supermarkt läßt mich einfach nicht los. Nachdem Sun auch ein Selbstversorger ist und sie so fertig ist und bestimmt die Krise kriegt, dass es hier nichts gibt, schrecke ich sie aus ihrer üblichen meditativen Gesichtspflege, um ihre Wunschliste aufzunehmen. Beim Wort „supermercado“ erwachen ihre Lebensgeister und sie produziert ein „maybe I come with you“. Und trotz deutlicher Schilderung der Lage ist sie davon nicht abzubringen. Und während sich die letzten Pilger völlig fertig und schweißüberströmt in die Herberge schleppen, machen sich zwei verrückte Pilgerinnen auf, 7 km nur wegen eines Einkaufes dranzuhängen.

Sun trägt Flipflops, und als ich sie drauf anspreche, dass ich das toll finde, dass Asiaten damit so gut laufen können auch im Alltag (ich stolpere damit ja schon schier beim nur Duschen), ist sie überrascht und meint, nein, sie würde damit eigentlich sonst nie laufen. Halleluja, wir rennen gerade einen Berg hoch, mit mir eine völlig kaputte Koreanerin, die statt Wanderschuhen ihre Duschausstattung trägt.

Wir erreichen wirklich den Ort und brechen förmlich in Jubel aus, als auf der anderen Straßenseite das Logo unseres gemeinsamen Lieblingssupermarktes auftaucht. Und an der Tür, mir verschlägt es den Atem, stoßen wir förmlich mit zwei Pilgern zusammen. Und es sind Bärbel und Andi. Wahnsinn. Sie sind in dem Ort untergekommen, wollten wohl nie wirklich nach Ribadixo, und Bärbel meint etwas verschnupft, dass sie nach meiner Ansage in Portomarin dann auch dachte, es wäre besser, mich nicht zu stören. Ich verstehe nicht so wirklich. So langsam bekomme ich aus ihr heraus, dass ich offensichtlich gesagt habe, dass sie mir auf den Geist geht. Ich erinnere mich absolut nicht daran. Wohl wahr, dass ich die vergangenen Tage ab und zu gedacht habe, dass es mir zu deutsch und zu eng ist, aber gesagt habe ich es meines Wissens nie, und zudem auch sicher nicht, dass Bärbel an sich mir auf den Geist geht. Das Ganze tut mir ganz furchtbar leid, aber immerhin wollen alle morgen nach Pedrouzo, und da treffen wir uns dann wirklich wieder. Ich bin ganz unglücklich, die beiden wieder so schnell ziehen zu lassen, zumal es mich schwer beschäftigt, dass Bärbel nun zwei Tage so einen Müll von mir gedacht hat und sich wahrscheinlich schlecht gefühlt hat.

Der Siegeszug heim mit Sun heitert aber wieder auf. Wir tragen jeder 3 Beutel, das Gewicht dürfte mehr sein, als wir sonst im Rucksack haben. Wir sind euphorisch ausgelassen über unseren Einkauf und über unsere Verrücktheit, es verbindet enorm. Immer noch taumeln einige Pilger den Berg hoch, während wir beschwingt in die andere Richtung kichern. Einige schauen uns an wie nicht mehr ganz dicht (womit sie recht haben können).

Wir genießen ausgiebig unser Abendessen, und endlich schlafe ich mal wieder rundum versöhnt ein.

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