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Posts Tagged ‘Heimreise’

Ich gebe mir Mühe, lange zu schlafen. Gegen 8 bin ich dann trotzdem wach und packe mit meiner Zimmerkollegin, während unter unserem Balkon mal wieder ein Taxi vorfährt.

Es ist ein komisches Gefühl, nicht mehr zu pilgern; ich überlege mir sogar, ob ich überhaupt noch mein Trekkinghemd anziehen soll. Ich plane etwas Sightseeing, Fototour mit meinem neu ausgerüsteten Foto, Souvenir-Shopping und einen letzten Supermarkteinkauf, für ein paar an den Camino erinnernde Alltags-Utensilien, bevor ich um 12 meinen Bus nach Madrid habe.

Im Gegensatz zu gestern ist die Stadt heute komplett ausgestorben. In der ein oder anderen Ecke kehrt ein Straßenkehrer, ansonsten keine Menschenseele. Auch die wenigen Läden machen keine Anstalten zu öffnen, und wenn, sind es nicht die Art von Läden (wie z.B. in Mérida), die mir vorschweben würden. Ein kitschiges Souvenir suche ich schon mal nicht; mir hätte vielleicht noch ein paar Ohrringe oder ein Kettenanhänger gefallen.

Mit einem Programmpunkt weniger mache ich mich also in der frühen Morgensonne auf Fotojagd, wobei auch das irgendwie schwierig ist. Überall um die Stadtmauer herum hat es kleine, schmale Gässchen. Direkt an der Stadtmauer sehen die Bilder dann eben aber auch so aus, wie direkt vor der Stadtmauer gemacht. Mir fehlt ein erschlagendes Panorama aus der Vogelperspektive.

So beschließe ich dann recht früh, schon mal den Supermarkt zu suchen. Es soll einen richtig großen Mercadona haben. Voller Vorfreude schlage ich mich durch die Straßen und durchquere halb Cáceres. Immer, wenn ich denke, irgendwie schon dran vorbei zu sein, winkt mich jemand motiviert lächelnd weiter, doch, doch, direkt um die nächste Ecke. Irgendwie sind das hier komische Spanier, jede nächste Ecke ist nochmal 10 Minuten weg. Und als ich den Supermarkt endlich gefunden habe, bin ich doch etwas desillusioniert. Aus England nehme ich mir z.B. immer gerne Teebeutel mit, damit ich die nächsten Monate noch oft eine Erinnerung an den Urlaub habe. Nicht umsonst ist England für das Teetrinken bekannt und Spanien nicht, so hält sich die spektakuläre Auswahl dann auch sehr in Grenzen. Ich kaufe Proviant für heute und morgen, in dem guten Gewissen, nicht mehr auf Gewicht achten zu müssen.

Gegen halb 11 beschließe ich dann doch sicherheitshalber, mich zum Busbahnhof aufzumachen. Der Supermarkt lag recht weit außerhalb, und zum Busbahnhof war es ja auch eine gewisse Strecke. Einen Plan habe ich nicht, ich hoffe, wie gestern überall die Busschilder zu sehen.

Obwohl ich richtig schnell unterwegs bin, brauche ich über eine halbe Stunde, bis ich überhaupt wieder auf Höhe der Herberge zurück bin. Ich werde fast schon ein bisschen unruhig. Ich halte mich immer links, so müsste ich nach meiner Orientierung eigentlich Richtung Busbahnhof kommen. Leider hat es wenig Schilder, und die Straße läuft auch ziemlich verschlungen nicht wirklich in eine Richtung. Ich stehe irgendwann ziemlich verloren in einem Häuser- und Straßenmeer und muss wieder vorbeieilende Spanier fragen, ob meine Richtung stimmt. Ich bin ziemlich im Stress, und gerade heute kann sich keiner auf „si“ oder „no“ beschränken, sondern redet liebevoll minutenlang alles mögliche, was ich eh nicht verstehe oder mir merken kann. Ich gucke laufend auf die Uhr, und jedesmal sind bereits 10 Minuten vergangen, ohne dass ich wirklich weitergekommen wäre. Es ist schon halb 12, von einem Busbahnhof weit und breit keine Spur. Ich kenne auch die Straßen nicht, die ich hier entlanglaufe. Es ist nicht das, wo ich gestern entlanggelaufen bin. Mich beschleicht das Gefühl, komplett in die falsche Richtung zu rennen. Mittlerweile habe ich wirklich schon fast Laufschritt drauf, ich muss ständig fragen und verzweifle fast, warum mir heute niemand einfach nur sagen kann „ja, Richtung richtig, weiter!“. Einmal frage ich, ob das in 20 Minuten machbar ist; nach ewig langem Überlegen meint die Passantin, nein, eher 25 Minuten. Oder 30? Nein, wenn man schnell ist, vielleicht ja doch 20? Eine andere frage ich, ob ich mit einem Bus dorthin schneller bin. Mit Engelsgeduld fragt sie, was ich für einen Bus möchte, ob Innerstadtbus oder der weiter weg fährt. Sie beginnt mir zu erklären, wo die Busse nach Madrid abfahren. Ich bin heute wohl ziemlich unhöflich und lasse alle mitten im Satz stehen.

Es wird Viertel vor 12 und 10 vor 12. Immer noch kenne ich die Gegend nicht, von dem eigentlich riesigen Busbahnhofs-Areal keine Spur. Ich laufe immer noch durch hohe Wohnblocks und Einkaufsstraßen. Ich habe seit Ewigkeiten nichts mehr getrunken, bin noch zu warm angezogen, habe weder Sonnenmilch noch Sonnenhut. Mir wird schon ganz komisch, vor allem aber ist mir zum Heulen zumute.

Es ist 5 vor 12, keine Chance. Ich bin komplett verzweifelt; mach doch, dass endlich dieser beschissene Busbahnhof kommt. In diesem Moment biege ich in eine Wohnsiedlung, deren Kinderspielplatz mir seltsam bekannt vorkommt. Ist das etwa…? Und wirklich, direkt dahinter erstrecken sich die Umzäunungen des Busbahnhofs.

Mit Tränen der Erleichterung und auch Berührtheit (es war das dritte, völlig unbewusste Stoßgebet innerhalb von wenigen Tagen, das postwendend erhört wurde), garniert mit verschwitzten Vorboten eines Hitzschlags, stelle ich eine interessante Erscheinung für die Wartenden dar. Mir bleibt sogar noch Zeit, meine Jakobsmuschel liebevoll und bedächtig vom Rucksack abzunehmen und sorgfältig in meinen Waschbeutel einzubetten, bevor er im Bauch des Überlandbusses verschwindet.

Den größten Teil der Fahrt verschlafe ich. Zwischendurch haben wir einen längeren Aufenthalt irgendwo im Nichts, bevor wir um 16.00 in Madrid ankommen. Für einen Moment spiele ich mit dem Gedanken, erstmalig ein paar Schritte in Madrid zu machen, entscheide mich dann aber doch in alter Gewohnheit direkt für den Untergrund zur Metro.

Ich finde die passenden Züge problemlos. Beim Warten fällt mir ein komplett schwarz gekleideter, etwas furchterregender Mann auf, der sich so mitten vor ein Gebläse stellt, dass ihm seine langen, schwarzen Haare vors Gesicht gepustet werden. Ein echter Eyecatcher.

In der Metro sitzt er mir wieder gegenüber, den Kopf diesmal gebeugt, sodass auch ohne Gepuste die Haare alles verdecken. Irgendwann fängt er mit zittrigen, fahrigen Händen an, in seiner satanistisch anmutenden Tasche zu kramen. Er beginnt allen Ernstes, ein Bändel zu knüpfen. (Er hat schon sicher 10 verschiedene am Handgelenk). Die gesamte Insassenschaft schaut entgeistert und wie hypnotisiert. Auch ich bin etwas hypnotisiert; ich folge mal wieder einer völlig verrückten Camino-Intuition, als ich ihn beim Aussteigen anstupse (woraufhin er erstmal einen Kopfhörer unter der Perücke hervorwurstelt und sich die Haare aus dem Gesicht streicht) und ihm mein Bändel hinstrecke. Wider Erwarten hat er ein hübsches Gesicht, eine sanfte Stimme und gepflegte Umgangsformen. Er bedankt sich und bietet mir dafür im Gegenzug sein in Arbeit befindliches Werk an. Zum Glück schließen sich die Türen bereits wieder, und ich muss einen Hechtsprung hinlegen.

Wird Zeit, dass es wieder der Normalität zugeht.

Mit einer zweiten Linie fahre ich Richtung Flughafen, wo ich in Barajas mein Hotel gebucht habe. Leider habe ich wieder keinerlei Ahnung, wo ich dort aussteigen soll, es hat 3 verschiedene Haltestellen. Ich entscheide mich für die mittlere. Nun komme ich doch noch zu meinen Schritten auf freiem Boden in Madrid. Die Passanten hier sind ähnlich hilfsbereit wie auf dem Camino; der erste kennt gleich mein Hotel und winkt weit ausholend „todo recto, todo recto“! Ich trabe frohgemut die Straße entlang und finde das Hotel auch sofort. Ich bekomme ein wunderschönes Zimmer, mit einem riesigen, weiß überzogenen Bett, Parkettboden und einem türkisen Bad voller Glas und Spiegel. Ich esse in Ruhe und verbringe bestimmt eine halbe Stunde im Bad, endlich mal ohne Hektik, mit Unmengen Duschgel und haufenweise duftender, weißer Handtücher.

Ich schreibe noch mein Tagebuch zu Ende und trenne meinen Rucksackinhalt schon einmal in Waschmaschine und Sonstiges. Ein komisches Gefühl.

Der Zwischentag tut gut, es ist ein langsamer Übergang wieder zurück in die normale Welt.

Am nächsten Morgen um 6 geht es wieder zur Metrostation und um 8 mit dem Flieger nach Hause.

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Obwohl mein Flieger erst am Nachmittag geht, stehe ich früh zusammen mit meinen liebsten Pilgerfreunden Jelle und Angelo auf. Jelle möchte mit dem Bus nach Finisterre, er hat nur noch 2 Tage. Angelo läuft zu Fuß über Finisterre nach Muxia und fühlt sich erst bei der Rückkehr so richtig angekommen. Das erklärt natürlich auch, warum ihm die gestrige Pilgermesse noch nicht wichtig war.

Er startet ganz früh im Morgengrauen. Der Abschied ist komisch und bewegend. Wir umarmen uns lange, und er schaut mich wieder mit diesem speziellen Goldklumpenblick an, eine Mischung aus sehr zufrieden, unheimlichem Strahlen und Stolz. Ich weiß nicht, was er in mir sieht. Zwar kann ich seine Gedankengänge normalerweise problemlos nachvollziehen, aber der Inbegriff geistiger Höhenflüge bin ich nun wirklich nicht. Wann immer er seine philosophischen Gedankengänge mit mir teilt, scheint ihn eine immense innere Zufriedenheit zu erfassen und er scheint Zugang zu Gott zu finden. Meine Eigenbeteiligung daran ist vermutlich gering.

Genauso unerklärlich wie unsere Freundschaft ist, so unerklärlich zerreißt es mir auch fast das Herz, ihn weggehen zu sehen, zum ersten Mal seit ich ihn kenne ohne das Wissen, ihn am gleichen Abend wiederzusehen. Zum letzten Mal seine strahlenden, ruhenden Augen, sein hellblaues Stirnband, sein 2 Meter hoher Pilgerstab, sein meditativ schwebender Gang. Jelle und ich schauen ihm vom Fenster der Herberge nach, wie er ruhig, monoton und sehr allein Richtung Sonnenaufgang und Richtung Kathedrale davongeht, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Wir frühstücken in der Herberge, dann begleite ich Jelle zum Busbahnhof. Am liebsten würde er noch einen Tag mit mir in Santiago bleiben, aber ich überrede ihn resolut zu Finisterre und einer Wanderung nach Muxia. Auch dieser Abschied fällt schwer, ist allerdings weitaus weniger mystisch behaftet. Wir haben sehr viel miteinander geredet, er kommt mir vor wie ein guter Freund, den ich seit vielen Jahren kenne. Insofern fühlt sich auch der Abschied an wie von einem guten Freund – „schade, aber wir werden uns ja schreiben und in Kontakt bleiben und irgendwann schon auch wieder mal sehen“.

Als ich mich durch die dunklen Katakomben des Busbahnhofes wieder nach draußen wurstele, laufe ich direkt in einen grauhaarigen Herrn. Ich brauche einen Moment, bis ich realisiere, dass es Helmut ist. Wie üblich donnert und wettert er vor sich hin, er hätte sich verlaufen, das wäre hier ja fürchterlich ausgeschildert, er wäre jetzt einfach mal den Rucksäcken nachgelaufen, und wo es denn jetzt hier zur Kathedrale geht. Das Ganze ist etwas unwirklich, allein schon, wie man sich in den Busbahnhof verlaufen kann und in dessen Tiefen die Kathedrale suchen. Und überhaupt, wo kommt Helmut so plötzlich her? Ich wähnte ihn mehrere Tage hinter mir. Ach, schnickschnack, er hätte das Trödeln nicht mehr ausgehalten. Ein cooler (und ziemlich zäher) Kerl mit seinen über 70 Jahren. Er ist sichtlich erleichtert, dass ich ihn jetzt zielsicher an der Kathedrale abliefere.

Bis zur Mittagsmesse habe ich noch etwas Zeit. Ich hole meine Sachen aus der Herberge und mache es mir auf meinem Lieblingsplatz bequem, direkt vor der Kathedrale. Immer wieder tauchen bekannte Gesichter auf, so auch der Deutsche ganz vom Anfang, bei dem ich dachte „nur nicht zu erkennen geben, dass ich auch deutsch bin“. Interessanterweise ist er mir noch genauso unsympathisch wie damals. Er fragt nach der Messe, und als ich ein bisschen von gestern ins Schwärmen komme und vom fliegenden Weihrauchkessel erzähle und meiner Freunde über „jeder bekommt den Empfang, den er verdient“, lächelt er mitleidig und weiß, dass der im Sommer jeden Tag geschwenkt wird. Ich bin mir da nicht so sicher, aber der Gute hat ja schließlich schlaue Bücher gelesen, und dann ist das so, wie ja auch sein ganzer Camino. Ich denke mir meinen Teil.

Auch der sportliche, schlanke Bademeister, den ich in Astorga und Villafranca getroffen habe, sitzt auf dem Mäuerchen. Ich frage nach seinem siamesischen Zwilling, den ich nur immer ächzend, keuchend, schwer atmend, feuerrot und schweißüberströmt in Erinnerung habe. Die Frage entlockt ihm nur ein wütendes Schnauben, sie hätten sich getrennt, der wäre ja nicht mehr ganz dicht. In einer Herberge wäre er ausgerastet und mit einem Messer auf jemanden losgegangen. Ihm wäre alles zu viel geworden. Mir tut das ziemlich leid, eigentlich hat seit Beginn jeder den Kopf über die beiden geschüttelt und ein ungutes Gefühl gehabt. Für seinen Kollegen wären sicher kürzere Etappen in eigenem Tempo geeigneter gewesen.

Gegen Mittag sammelt sich der verbliebene Pilgerrest in der Messe; ich sitze mit Aurélie und Mutter und Helmut. Es erfüllt mich fast mit einer gewissen Genugtuung, dass das Seil des Botafumeiros heute leer bleibt. Im Gang taucht plötzlich ein bekanntes Gesicht auf – der Kollege des Bademeisters, der gerade erst Santiago erreicht hat. Ich zeige begeistert auf die Reihe vor mir, wo sein Freund aus Kindheitstagen sitzt. Intuitiv denke ich, dass sie sich freuen, sich wiederzusehen, nachdem sie seit den getrennten Wegen keinen Kontakt mehr hatten. Aber er schaut abschätzig und meint, dann will er heute lieber nicht in dieser Messe sitzen und geht wieder. Ohne sie näher zu kennen, macht mich das doch ziemlich betroffen.

Nach der Messe verabschiede ich mich schnell von allen und lege einen atemlosen Sprint zum Busbahnhof hin. Mit wohlgeplantem Timing erwische ich genau den letzten Bus zu meinem Flug nach Hause.

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Aus Angst, am Morgen zu verschlafen und Andis Aufbruch zu verpassen, schlafe ich nur sehr leicht. So bin ich natürlich hellwach, als er sich morgens aus dem Schlafsack schält und packt. Glücklicherweise schläft der Grossteil noch, sodass ich um eine große Abschiedsrede herumkomme. Ich flüstere ihm einen guten Flug und ein paar verbindliche Worte zu. Er gibt mir die Hand und ist weg, bevor ich seinen Abschied verinnerlicht habe.

Ich solle meinem Freund ausrichten, dass er ein Glückspilz ist.

Ich denke, das ist eines der schönsten Komplimente, die ich je bekommen habe.  Andi ist nicht nur nett und gutmütig, sondern besitzt wirklich Größe.

Den ganzen Morgen fühle ich mich ziemlich leer und vor allem richtig schlecht. Nach meinen diversen Zickigkeiten und dem gestrigen Abgang hätte ich alles erwartet von Vorwürfen bis hin zu Ignorieren, und vermutlich hätte ich damit besser umgehen können.

Wie immer leert sich die Herberge vor 8, und ich mache mich auf Richtung Busbahnhof. Es ist ein ausgesprochen seltsames Gefühl, mein geliebtes Santiago als nicht mehr Pilger zu verlassen.

Kaum habe ich mein Ticket gekauft, läuft mir die langsamere Schwester des Dreiergespanns vom ersten Tag über den Weg. Lustig, ich habe sie seit bestimmt 2 Wochen nicht mehr getroffen. Sie erzählt, sich jetzt hier mit ihren Schwestern zu treffen, aber sie weiß gar nichts über sie und ihren Camino. Ich kann immerhin erzählen, dass ich sie in Finisterre getroffen habe, und die Gute ist völlig aus dem Häuschen. Sie bleibt in der Wartehalle, und ich mache mich auf zu den Bussen. An der Rolltreppe laufen mir dann die beiden anderen Schwestern entgegen. Als ich ihnen die frohe Nachricht übermitteln kann, dass oben schon jemand auf sie wartet, rennen auch sie schreiend drauflos. So ist der Abreisetag wenigstens für manch andere Pilger ein kleiner Höhepunkt.

Der Flughafen von Santiago ist klein, und mein Flug geht erst in vielen Stunden. Ich stelle mich schon auf die große Langweile ein, als mir plötzlich jemand ins Gesicht strahlt. Es handelt sich um die  floh- oder bettwanzengeplagte Deutsche vom Anfang, die ich seitdem auch nie wieder gesehen hatte. Es sind doch recht lustige Begegnungen so am Schluss. Wir tauschen uns aus über die verschiedenen Herbergen und Hospitaleros, irgendwie haben wir die gleichen Highlights erlebt. Sie war immer einen Tag vor mir, und wir sind uns nie begegnet.

Als sie auf ihren Flug geht, komme ich noch mit einigen anderen Pilgern ins Gespräch. Irgendwie kommen sie mir aber fremd vor und nicht so sympathisch wie meine Weggefährten. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir keine Pilger mehr sind, sondern wieder Normalos. Irgendwie ist schlagartig wieder eine Art Fassade da. Auf dem Camino noch offene Verzweiflung oder Jammern, Herzausschütten an Wildfremde. Hier sitzen wir nun in einem blitzsauberen, hell ausgeleuchteten Wartesaal, und jeder hatte eigentlich nie Probleme, hätte viel weiter laufen können, hat natürlich alles perfekt gepackt und geplant. Jeder hat noch tollere Freunde gefunden, immer die ideale Herberge gewählt, und so bin ich froh, als mein Flug endlich aufgerufen wird und ich mich verabschieden kann.

Kurz vor dem Umsteigen in Barcelona wird mir gnadenlos schlecht, mir wird heiß und kalt im Wechsel, und ich bin froh, dort 2 Stunden Wartezeit zu haben, um mich wieder einigermaßen zu fangen. Nach 2 Wochen in einer anderen Welt fühle ich mich vermutlich einfach komplett entwurzelt und überflutet von Eindrücken, Erinnerungen und den heimischen Tatsachen und Problemen, die ich in dieser Zeit komplett beiseite schieben konnte.

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