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Posts Tagged ‘Castrojeriz’

Pünktlich mit dem ersten Rascheln wache ich auf, es ist gerade mal 6:30. Bei der langen Dunkelheit morgens noch keine gute Zeit zum Aufstehen. Der Ire neben mir legt einen beeindruckenden Start hin. Nachdem er sich ja nicht umgezogen hat und nichts ausgepackt hat, liegen bei ihm nur wenige Sekunden zwischen Aufwachen und Wegsein. Meine beiden Spanier am anderen Ende des Schlafsaals sind auch schon wach; es verwundert mich langsam nicht mehr, dass sie einfach das Licht einschalten und in völlig normaler Lautstärke vor sich hinplaudern – während etwa 30 Pilger noch im tiefsten Schlaf liegen. Das regt mich schon wieder auf, genauso wie der leuchtende Euro, den der Ire auf seiner Matratze gelassen hat. Dafür, dass er jetzt ausgiebig im Vorraum vom Donativo-Frühstück Gebrauch macht.

Ich bin heute etwas schlecht gelaunt und bin vor allem nicht übermäßig sozialverträglich. Daher beschließe ich, schon mal loszugehen und mein Frühstück auf der Hochebene einzunehmen. Angel sitzt bereits im Vorraum. Er hat einen Platz in meinem Herzen, daher ist der Abschied komisch. Ich wünsche ihm alles Gute; er guckt wie üblich zur Seite, schnaubt verächtlich und sagt „lauf, lauf“. Es ist wohl unsere Form von wenig gefühlsduseligem Abschied.

In mir verbleibt ein trauriges Gefühl, als ich mich im Stockdunklen auf den Weg mache. Der Ortsausgang ist nach wenigen Minuten erreicht, es geht wieder ins Nichts. Mir ist wie üblich mulmig, und wohl zum 87. Mal erinnere ich mich, dass ich eigentlich nicht mehr im Dunkeln laufen wollte. Ich scheine ein klarer Fall für die Bachblüte Chestnut Bud zu sein – ich lerne nicht gerade schnell aus Fehlern.

Mein kleines Taschenlämpchen wirkt ziemlich verloren gegen die Dunkelheit, auch wenn ich wild von links nach rechts leuchte. Ich bleibe oft stehen und schaue hinter mich. Irgendwann taucht das sehr helle Licht einer Stirnlampe weit hinter mir auf, und ich bin etwas beruhigt. Heute ist es unheimlich kalt, trotz gesamter Wärmemontur friere ich ordentlich. Auf einem kleinen Bach, den ich überquere, ist die Oberfläche bereits gefroren gezackt. Ich komme an eine Abzweigung, an der es links einen steilen Weg nach oben geht. Irgendwie ist es mir heute wirklich sehr unheimlich, irgendwie wittere ich Hunde oder andere Tiere um mich herum und leuchte alle paar Meter panisch irgendeinen Busch an, der sich irgendwie lebendig angefühlt hat. Sehnsüchtig schaue ich zurück, wo der andere Pilger mit der Lampe bleibt. Ich sehe ihn gerade an der Abzweigung einen Moment innehalten – bis er zügig nach rechts weiterläuft. Er ist auf dem falschen Weg, aber uns trennt sicher ein halber Kilometer. Ich winke mit meinem Lichtkegel, aber der ist vermutlich viel zu klein. Und nachdem ich meistens im Dunkeln laufe und die Lampe nur nach Bedarf anknipse, weiß der andere Pilger wohl nicht einmal, dass vor ihm jemand läuft.

So laufe ich allein auf die Hochebene Alto de Mostelares; selbst der steile Anstieg macht es nicht viel wärmer. Oben stelle ich erfreut fest, dass in den letzten Jahren eine Art Unterstand gebaut wurde, unter dem ich es mir jetzt sehr schön windgeschützt bequem mache, bis die Sonne aufgeht. Ich mache ein paar erste Fotos, aber mir frieren fast die Finger ab. Ich krame mein leichtes Fleece und mein Schlafshirt heraus, um mich drauf zu setzen, aber es wird kein bisschen wärmer. Wo ich eben noch ein paar Fotos gemacht habe und wo ein paar Mülleimer stehen, rappelt es plötzlich lautstark. Nachdem ich eh schon Hundeangst habe, ist mein erster Gedanke, dass da in dem Mülleimer ein wilder Hund sein Unwesen treibt, der jetzt gleich herausgesprungen kommt. Ich scanne etwas panisch den Unterstand und ob ich mich dort irgendwo kletternderweise in Sicherheit bringen könnte. Ich kauere mich mittlerweile sehr frierend auf der Bank zusammen; mit zunehmendem Licht erkenne ich, dass überall um mich herum eine zentimeterdicke Schicht aus Reif liegt.

Es ist schade um den wirklich beeindruckenden Sonnenaufgang vor wolkenlosem Himmel, aber ich beschließe, mein Unternehmen abzubrechen. Der rappelnde Mülleimer macht mir Angst, und ich bin nah am Erfrieren. Während ich möglichst schnell weiterlaufe, klappern meine Zähne im Rhythmus zu meinen recht einsilbigen Gedanken, die nur noch aus „kalt, kalt, kalt“ bestehen.

Sicher eine Viertelstunde kreisen meine Gedanken nur um die eisige Kälte. Erst, als es wieder ein wenig den Berg hinunter geht und die Sonne hervorkommt, bin ich wieder soweit bei Vernunft, dass ich meine Regenhose auspacken kann und dadurch etwas windgeschützter bin. Plötzlich kommen hinter mir auch haufenweise Pilger. Unter anderem auch Domingo, der couragiert einen neuen Anlauf startet, mit mir zu laufen. Ich lasse mich extra zurückfallen, aber er trödelt recht gekonnt immer in meiner Nähe. Es regt mich auf.

Irgendwann bin ich wieder weitgehend allein auf weiter Flur und kann so richtig den Morgen genießen. Es ist nicht mehr so eisig kalt. Auf den Feldern hat es zwar noch eine zarte Reifschicht, aber von hinten scheint mächtig die Sonne vom mal wieder wolkenlosen Himmel und erfüllt mit Zuversicht. Wie üblich finde ich die Meseta mit ihrer Weite und ihren Kornfeldern atemberaubend schön, es bleibt mir fast keine andere Wahl, als mich glücklich und frei zu fühlen.

Nach Itero de la Vega und dem überaus malerischen Río Pisuerga kann ich dann bereits stoppen, um mich ordentlich mit Sonnenmilch einzureiben, es ist wirklich wunderbar sonnig mittlerweile. Die Neuseeländerin mit dem Minirucksack überholt mich. Ich komme an eine Stelle mit mehreren Markierungen, wo ich recht selbstverständlich den Weg gerade aus nehmen. Ich laufe schon einige Kilometer, ohne weitere Wegzeichen, und immer mehr kommen mir Zweifel, ob es der richtige Weg war. Zwar hatte es einen gelben Pfeil geradeaus, aber die Muschel auf dem Markierungsstein hat eigentlich nach links gezeigt, wenn man es genau nimmt. Außerdem erinnere ich mich an einen zweiten Wegstein auf der linken Seite – warum hätte es den haben sollen, wenn es geradeaus weitergehen würde? Ich kann einige Kilometer vor mir überblicken, es hat keine Menschenseele. So schnell kann die Neuseeländerin doch gar nicht gelaufen sein. Ich bin unsicher und beschließe, sicherheitshalber umzudrehen und mir nochmal den Weg nach links anzuschauen. Es ist ein weiter Weg zurück und ich begegne einem Haufen Pilger, die teils auch verunsichert sind. Domingo beschließt, den Weg geradeaus weiter zu gehen, einige stoppen und warten ab, während ich und der schlurfende Franzose zurück zur Weggabelung gehen. Dort hat es 10 Meter weiter links auf dem abzweigenden Weg wirklich nochmal einen Wegstein, allerdings ohne Muschel. Der Franzose ist irgendwie übermotiviert, er ist immer gleich so euphorisch. „Ah, es hat einen Wegstein, der Weg ist also richtig!“, „oh, aber ohne Markierung, er ist also falsch!“. Ich entdecke das zerschlagene Muschelemblem am Fuß der Markierung. „Ah, dann ist es also doch der Weg“. Mir geht das zu schnell, ich finde es alles komisch. Mein Begleiter ist rastlos, er versteht nicht, warum ich noch überlege. Ich bin mir nicht so recht sicher, laufe aber probehalber mit. Einige hundert Meter später hat es wirklich wieder einen brandneuen Wegstein, diesmal auch mit Muschelemblem. Jean ist hochzufrieden „eben, es ist der Weg. Alle laufen falsch“. Wir laufen eine gute Viertelstunde weiter, es hat weiter Markierungen, aber irgendwas stimmt für mich nicht. Außer uns läuft niemand diesen Weg, der Weg geradeaus scheint jedem viel wahrscheinlicher. Auf dem Weg geradeaus bin ich einem Traktor begegnet. Hätte mir der Fahrer nicht gesagt, wenn der Weg falsch gewesen wäre? Und diese zerschlagene Muschel, vielleicht war das Absicht, damit man diesen Weg nicht gehen soll? Ich kann mich auch überhaupt nicht an die Wegführung erinnern. Ich neige dazu, zurück ins Dorf zu gehen und zu fragen, diese Ungewissheit nervt mich. Selbst Jean wechselt seine Überzeugung mal wieder wie ein Fähnchen im Wind, sodass wir erleichtert sind, als auf dem Feld vor uns ein Traktor auftaucht. Jean schlurft sofort begeistert in dessen Richtung. Der Bauer hält aber nicht ab. Auch ich winke, damit er stehen bleibt. Er fährt eine Runde zu Ende, um dann herunterzuspringen und uns in einer rauchenden Lehmwolke eingehüllt zuzuhören. Er wedelt wild irgendetwas, dass der Weg hier nichts wäre. Wir zeigen ihm die Wegsteine mit dem Muschelzeichen, die wir dann nicht verstehen, aber die kennt er gar nicht. Wir sind uns nicht sicher, ob er überhaupt so richtig versteht, wo wir hinwollen. Da kommt ein Rudel Hunde den Weg entlanggerannt, gefolgt von einem kleinen, weißen Auto. Der Spanier darin kommt entschlossen zu uns herüber und wedelt uns ebenso entschlossen in die andere Richtung. Diese Markierungen wären ein Mist, die wären gebaut worden im Zuge von irgendwelchen neuen Umstrukturierungen, aber da wäre noch nie ein Camino gewesen und sie hätten auch nichts mit dem Camino zu tun. Er schüttelt den Kopf über uns, noch nie hätte sich hier jemand verlaufen. Während Jean schon wieder beharrlich querfeldein Richtung richtigem Weg schlappt, läuft der Mann mit mir mit, um mir zu zeigen, wie ich am besten zurück komme. Zaghaft frage ich, ob das Hunderudel ihm gehört und bin sehr beruhigt, als er bejaht. Es stellt sich heraus, dass er der Besitzer der Herberge im nächsten Ort ist. Die Herberge kenne ich aus Führern und Empfehlungen, sie soll sehr schön sein, und der Spanier hat trotz einer leicht ruppigen Art eine sehr angenehme Aura. Sehr gern würde ich als Dank für seinen Einsatz bei ihm übernachten, aber es liegt zeitlich nicht drin.

Kurz vor der Einmündung zurück auf den Weg treffe ich noch auf einen größeren Graben. Ich beschließe einen wagemutigen Sprung. Zwar lande ich auf der anderen Seite, allerdings auf allen Vieren, und ein Finger fängt gleich an, zu bluten. Der Haufen Lehm im Nagelbett macht mich nicht gerade glücklich, sodass ich erstmal ordentlich Betadine darauf balanciere. Schätzungsweise bin ich eine interessante Erscheinung für die Pilger auf dem mittlerweile viel frequentierten Weg. Erst komme ich irgendwo aus dem Nichts über den Berg, um dann elegant eine Bruchlandung hinzulegen, um abschließend einen halben Emergency Room in der Wildnis der Meseta zu etablieren.

Kaum bin ich ein paar Meter gelaufen, erkenne ich mit einem Mal auch schlagartig eine gewisse Baumformation wieder. Ich trage mein Stündchen Umweg mit Fassung – bzw. mit jodgetränktem Pflaster.

Auf dem Schotterweg kommt hinter mir irgendwann das Rudel Hunde angerannt, gefolgt vom Wagen des Hospitaleros. Es scheint seine Form des Gassigehens zu sein. Während 6 Hunde vorne kraftvoll vor sich hinrennen, trottet einer hinter dem Auto her. Das Auto wird langsamer, unter etwas Schlangenlinienfahren wird die Beifahrertür aufgetreten, und nachdem der müde Hund sich mit einem Sprung hineingerettet hat, schließt sich die Tür auch wieder mit Hilfe einer geübten, schwungvollen Schlangenlinie.

Vor mir sehe ich bummelnderweise Domingo entlangschlendern, was mich zu einer spontanen, ausgiebigen Mittagspause im Stoppelfeld veranlasst.

Boadilla del Camino ist ein einladendes Städtchen; irgendwie würde ich gerne dort bleiben, aber es steht ja wirklich nicht zur Debatte, und außerdem ist das Wetter heute herzallerliebst. Ich laufe weiter. Eben noch umgeben von haufenweise Pilgern, bin ich plötzlich völlig allein. Vielleicht haben doch einige Boadilla als Etappenziel genommen. Intuitiv bin ich erleichtert darüber, ich würde mich auf einen Abend ohne die Franzosen, das neu-finnische Rudel und auch ohne Domingo freuen.

Nach dem Ort geht es durch eine wunderschöne Allee; die goldgelbe Herbstfärbung vor strahlend blauem Himmel lässt mich mal wieder ein Foto nach dem anderen schießen.

Bald geht es parallel zum Canal de Castilla ähnlich wunderschön weiter. Ich bin merkwürdig glücklich und frei und genieße sehr diese Ruhe, keinen anderen Pilger weit und breit um mich zu haben. Auf dieser Strecke kommen auch noch mehr als sonst Erinnerungen an meinen früheren Camino und an José hoch. An jedem zweiten Baum habe ich ein Deja-vu und erinnere mich, wie er mir an dieser Stelle von seinen Hobbies erzählt hat, mich mit meiner Trinkflasche bespritzt hat oder gejammert hat, dass nun endlich Frómista kommen könnte. Ein Hauch von Melancholie begleitet diese durchweg schönen Erinnerungen.

Recht bald und erstaunlich mühelos erreiche ich Frómista. Eins weiß ich sicher, ich möchte nicht mehr in die bekannte, städtische Herberge. Ich habe recht ungute Erinnerungen daran, zudem lockt mich heute die Aussicht auf eine schöne Dusche und etwas nettes Ambiente mehr denn je. Mit aller Zeit der Welt recherchiere ich in meinem diversen Führermaterial und finde auch eine sehr luxuriös anmutende Herberge fast am Ortsende. Durch einen gepflegten Minigarten geht es zu einem dunkelrot angestrichenen Bau, wo mein Blick auf 7 Euro fällt; das Ganze wirkt recht paradiesisch. Ich bleibe im Türrahmen stehen und streiche einen Vorhang aus Fäden zur Seite. Eine Familie sitzt etwas entfernt an einem Tisch. Ich grüße freundlich. Sie grüßen moderat freundlich zurück, schauen mich an und kauen weiter. Ich stehe bestimmt eine halbe Minute wie bestellt und nicht abgeholt im Türrahmen, irgendwie weiß ich nicht, ob ich da jetzt so einfach hineinlaufen soll. Intuitiv warte ich wohl darauf, dass einer von ihnen aufsteht und mich fragt, ob ich hier schlafen will. Nachdem nichts dergleichen geschieht, packt mich irgendwann ein Rappel und ich verlasse das Gelände wieder schnurstracks. Ich setze mich auf die nächstbeste Bank und krame wieder meinen Führer heraus, ob es noch etwas anderes gibt. Mittlerweile hat sich offensichtlich doch einer der Inhaber bequemt, nach mir zu schauen, er schaut verwundert die Straße entlang. Aber jetzt bin ich schon beleidigt.

Ich verbringe fast eine Viertelstunde damit, in mich hineinzuhören und im Einklang mit meiner inneren Stimme eine Entscheidung zu treffen. Die innere Stimme sträubt sich komplett gegen die Luxusherberge, sie hat es nicht nötig, sich aufzudrängen. Mein Verstand versucht ihr zu vermitteln, dass die Leute ja immerhin beim Essen waren und ich ja auch einfach hätte hineingehen können oder nochmal nachfragen. Und stellt die Frage, ob es der zweifelhafte Stolz wert ist, nur deswegen in der versifften städtischen Herberge abzusteigen. Etwas anderes mischt sich aus der Tiefe meiner Gefühle zur Entscheidungsfindung – wie sehr möchte ich den Luxus und meine Ruhe? Bin ich nicht extra auf dem Camino, um Menschen um mich zu haben? Möchte ich wirklich einen Tag damit verschwenden, recht allein in einer Herberge zu sitzen, nur weil ich schön duschen wollte? So oft wie ich heute an José gedacht habe, so fällt mir auch jetzt sein lapidarer Kommentar ein, dass er immer in die städtischen Herbergen geht, ganz egal, ob sie gut sind oder nicht. Da würde einfach das ursprüngliche Pilgerleben stattfinden.

So finde ich mich letztendlich beim Einchecken in die städtische Herberge wieder – mit einem letzten kleinen Kampf der inneren Stimmen, als es auch hier 7 Euro kostet. Ich gehe duschen. Wieder fällt mein erster Blick auf die einladenden Pinkelbecken an der Wand, und neben mir keucht und stöhnt mal wieder ein vermutlich südländisches Pilgerexemplar unter der Dusche. Ich nehme es mit einer gewissen Gelassenheit, Schicksalsergebenheit und sogar Belustigung. Ich habe mich ja reiflich genug dafür entschieden.

Ich wasche schnell meine Wäsche mit eiskaltem Wasser im Hof und schreibe mein Tagebuch unter einer kleinen Pergola mit rotem Weinlaub, während die Sonne versöhnlich strahlt. Ich creme meine Füße hingebungsvoll mit Pflegecreme und ertaste meine schmerzenden Stellen am Fuß und an den Beinen und therapiere sie ähnlich liebevoll mit Arnikasalbe. Das Reißen an der Fußsohle von der Pelotte hat nachgelassen, dafür schmerzen nun die Fußknochen und ein Knie. Ich bin unerklärlich zufrieden mit meiner Entscheidung, während sich die Herberge mit bekannten Gesichtern füllt. Allein die Franzosen hört man schon wieder aus mehreren hundert Metern Entfernung, aber ich wollte es ja so.

Um 5 erkunde ich den örtlichen Supermarkt und bin hellauf begeistert von meinem opulenten Abendessen, das ich mit Blick auf die Kirche von Frómista im leicht kühlen Wind einnehme.

In der Herberge hat etwas Englischsprachiges im Bett über mir eingecheckt. Der Mann mittleren Alters sitzt bereits mit seiner deutlich jüngeren Begleiterin im Hof; duschen und waschen scheint nicht so das seinige zu sein. Statt dessen hat er sein verschwitztes T-Shirt, das bereits Ränder in allen Schattierungen zwischen gelb und hellbraun aufweist, sorgfältig auf seinem Bett ausgebreitet. Das Ding stinkt absolut atemberaubend nach Buttersäure, ganz, ganz schlimm. Ich halte es kaum mehr in dem Zimmer aus. Kurz spreche ich mit einer Koreanerin, die etwas verloren auf ihrem Hochbett sitzt und sorgenvoll ihre Füße studiert. Sie spricht sehr schlecht Englisch, wiederholt meine Sätze einfach fragend mehrere Male, scheint aber auch dadurch nicht weiter zu kommen. Ich entlocke ihr, dass sie erst vor 2 Tagen in Burgos gestartet ist, es wohl recht ambitioniert angeht, sie an beiden Fersen Riesenblasen hat und kaum mehr laufen kann (was sie aber nicht weiter zu stören scheint). Der einzige Satz, den ich lückenlos verstehe, ist, dass ihr in der Metro in Barcelona ihr Handy im Wert von 500 Euro gestohlen wurde. Sie trägt das Ganze mit einer gewissen asiatischen Gelassenheit und Freundlichkeit.

Bevor ich mich zur Messe aufmache, treffe ich noch eine Spanierin, die gerade liebevoll ihr Fahrrad mit einem Bürstchen vom festgetrockneten Lehm befreit. Radpilger hat es hier bisher wenige. Sie weiß zu berichten, dass es in Burgos heute morgen -3°C hatte. Es erklärt ein wenig mein frühmorgendliches Zähneklapperkonzert.

In der Kirche treffe ich auf die italienische Pilgerin der vergangenen Abende. Ohne sie näher zu kennen, ist es schön, den Gottesdienst mit einer Pilgerin neben mir zu erleben. Nach der Kirche ist es bereits dunkel, vor allem aber auch schon wieder eisig kalt, sodass ich in der Herberge recht direkt ins Bett und in meinen wunderbar warmen Schlafsack krieche. Hier ist niemand, den ich über alle Maßen gern habe, und nachdem ich morgen eh den Bus nehme und niemanden mehr wiedersehe, muss ich mich jetzt auch mit niemandem mehr anfreunden.

Heute ist diese Einsamkeit irgendwie in Ordnung und befreiend.

Was allerdings nicht in Ordnung ist, ist dieses unglaublich stinkende T-Shirt über mir. Ich habe die reinsten Aggressionen, warum man nicht wenigstens seine Wäsche waschen oder eine Waschmaschine benützen kann, wenn man denn schon solche Ausdünstungen aussendet. Wie es die junge Frau mit ihm aushält, ist mir rätselhaft. Ich bin total verzweifelt mit diesem Geruch und überlege, ob ich meine Matratze irgendwo in den Flur verlegen soll. Oder dieses Ding abflammen oder zum Fenster rausschmeißen. Ich buddele mich in die Tiefen meines Schlafsacks ein und atme nur noch Schlafsackinhalt, der mich zum Glück nicht derart aggressiv macht. Während ich noch überlege, ob ich damit bis morgen erstickt bin, schlafe ich auch schon ein.

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Ich werde davon wach, wie der kleine Franzose durch unseren Schlafsaal tappt und seinen Hund von der Terrasse einsammelt. Danach sitzt er lesend in der Küche. Es ist gegen 6:30, noch ein bisschen früh zum Starten, aber schlafen kann ich auch nicht mehr. Ich verlege mein Hab und Gut in die Küche, wo bald auch schon der andere Franzose am Packen ist. Der Pilger mit Hund entscheidet sich im letzten Moment und recht überraschend dafür, heute doch nicht weiterzulaufen. Sein Bein tut einen Hauch von weh, und er möchte nichts riskieren bzw. er möchte lernen, auf seinen Körper zu hören. Ich bin recht beeindruckt. Somit trennen sich heute die mehrwöchigen Pilgerfreunde, vermutlich auch bei weniger emotionalen Männern ein gewisser Einschnitt.

Nachdem es wirklich noch absolut dunkel ist, frühstücke ich noch weitere Reste (und Mandarinen) aus meinem Vorratsbeutel. Das Baguette schmeckt mit Mini-Milkyway und Prinzenrollekeksen etwas trocken, es wird Zeit für einen spanischen Supermarkt.

Mein Packen dauert immer noch ewig, ist aber schon einen Hauch strukturierter als gestern. Während sich die Küche mit packenden Pilgern füllt, steigt mein Drang, wieder loszulaufen, Dunkelheit hin oder her. Ich bin froh, als ich Domingo auf der Treppe treffe. Ich frage, ob Angel schon wach ist. Ist er zum Glück, und ich werde gleich in den Schlafraum geleitet. Seine Beine sehen wirklich nicht gut aus, feuerrot und geschwollen an den Schienbeinen, seine Laune ist also moderat optimistisch. Ich übergebe ihm mein Bändel, woraufhin er wegschaut und etwas grummelt. Er streckt mir seinen Arm hin, und das umständliche Zusammenknoten am lebenden Objekt ist mal wieder ein seltsam emotionaler Moment. Er schaut mich zum Abschied an, schüttelt den Kopf und wirft mir eine Kusshand zu.

Dann bin ich fast froh, schnell die Herberge verlassen zu können und loszulaufen. An der ersten Ecken begrüßt mich begeistert der kleine Hund, der recht verwirrt davon zu sein scheint, dass es heute gar nicht losgeht. Ich biege auf die Hauptstraße ein, auf der mir ein eisig kalter Wind entgegen weht. Mit meiner Taschenlampe ums Handgelenk nehme ich letzte Korrekturen am Kälteschutz in Angriff; Stoffschlauch über das Gesicht hoch bin an die Augen, dazu setze ich meinen Fleecewärmer über die Ohren auf. Dabei baumelt mir leider die Taschenlampe mit voller Wucht ins Auge. Mein erster Gedanke gilt meiner Kontaktlinse, und noch bevor ich den Test mache, wie es sich mit zusammengekniffenem linken Auge noch sehen lässt, weiß ich eigentlich schon, dass ich nur Umrisse sehen werde. Vor meinem rechten Auge mit schlappen fast 8 Dioptrien ist definitiv keine Kontaktlinse mehr. Routiniert rühre ich mich nicht vom Fleck und leuchte zentimeterweise die Umgebung ab. Ich taste die Wimpern und das Gesicht ab, leuchte vorsichtig an meiner Kleidung herunter, kontrolliere die Schuhe. Nirgends haftet eine Kontaktlinse. Ich markiere meinen Standpunkt mit meinen zusammengerollten Handschuhen und mache einen großen Schritt zur Seite, um nochmal die Umgebung abzuleuchten. Es windet wie verrückt, im Nu weht es meine Handschuhe weg. Rein logisch kann die Kontaktlinse ja nicht weg sein, aber nach einer Viertelstunde vergeblicher Suche gebe ich auf. Zu Hause im Nachthemd, bei Licht und ohne Wind finde ich heruntergefallene Linsen, aber hier im Dunkeln, mit etwas Straßenlaterne und LED-Lämpchen, tausend Schlupfwinkeln an der Kleidung und noch dazu einem Wind sondergleichen, keine Chance. Vermutlich hat sie ursprünglich irgendwo an meiner Jacke geklebt, aber mittlerweile bin ich so viel herumgelaufen, dass ich keine Hoffnung mehr habe. Resigniert laufe ich zurück zur Herberge, wo mich der Hund schon wieder schier auffrisst. Die Tür lässt sich von außen nicht öffnen, aber nach mehrmaligem Klopfen öffnet mir zum Glück eines der jungen Girlies. Ich bin ziemlich verzweifelt, als ich meinen Rucksack gerade wieder hinknalle. Meine letzte Hoffnung ist, die Linse noch irgendwo im Auge zu haben, was sich nach einem Blick in den Spiegel aber auch erübrigt. Ich dose meine verbleibende Linse ein und setze meine Brille auf, um mich dann wieder auf den Weg zu machen. Ich bettele, dass das Ganze doch noch irgendwie gut ausgeht und ich sie zum Beispiel vielleicht doch noch heute Abend in meinen Stiefeln wiederfinde. Vielleicht sollte ich lieber beten, mir auf den Stufen vor der Herberge nicht den Hals zu brechen, mein Stolperer im Dunkeln ist schon grenzwertig.

Zurück auf der Straße überkommt mich dann plötzlich eine gewisse Ruhe. Der Verlust meiner wertvollen Dauerlinse kostet mich zwar vermutlich mehr als mein gesamter Camino, ich habe keine kompatible Sonnenbrille und mein angeknackstes Selbstwertgefühl bekommt als dick verglaste Brillenschlange erst recht den Todesstoß, aber gleichzeitig kommt mir in den Sinn, dass ja heute bereits Montag ist. Wenn ich nachher gleich eine SMS nach Hause schreibe, kann mir meine Mutter eine Ersatzlinse bestellen, sodass ich dann zurück zu Hause vielleicht schon wieder „normal“ durch die Gegend laufen kann. Imponieren muss ich hier eh niemanden, und das bisschen Sonne werde ich auch ohne getönte Gläser verkraften. Vielleicht hat es irgendeinen Sinn.

Mitten auf dem Weg bleibe ich plötzlich stehen. Irgendetwas lässt mich meine Taschenlampe zücken, in die Knie gehen und den Boden beleuchten. Vor mir schimmert etwas in ganz zartem Hellblau. Ich strecke meinen befeuchteten Finger aus, und was daran haften bleibt, ist definitiv eine Kontaktlinse. Gut 20 Meter in Windrichtung von meiner Verluststelle entfernt. Hektisch laufe ich zur nächsten, einigermaßen windgeschützten Straßenecke, haue meinen Rucksack auf den Boden und zittere die Linse ins Auge, aus unerfindlichen Gründen in der ängstlichen Ahnung, es könnte irgendeine andere Linse sein. Der kontrollierende Blick mit zusammengekniffenem Auge ergibt definitiv Verbesserung um 8 Dioptrien. Ich wurstele schnell die Brille zurück in den Rucksack und die andere Linse ins Auge, um mich dann ziemlich zittrig wieder auf den Weg zu machen. Das Ganze ist mir mal wieder nicht so ganz geheuer, und ich muss auch prompt wieder ergriffen heulen. (Diesmal ausnahmsweise ein segensreicher Mechanismus mit reinigender Durchspülungswirkung. Vor lauter Aufregung habe ich den Findling ohne jegliche Reinigung direkt von der Straße ins Auge gepappt).

Hornillos mit seinen Lichtern ist schnell verlassen, es geht in die (bis auf den temporär hinter Wolken versteckten Mond) stockdunkle Strecke in die Meseta hinaus. Ich bin noch so zittrig, dass ich einfach stehenbleibe und abwarte, bis es heller wird. Wenige Minuten später kommt schon der erste Pilger. Es ist einer der Franzosen, ein Älterer, der vermutlich einen leichten Schlaganfall hinter sich hat. Seine Sprache ist etwas undeutlich, und die Füße bekommt er kaum angehoben. Während mir gestern in der Herberge oft der Atem gestockt hat, wenn er schier über jede Schwelle gestolpert ist, scheint der Camino sein Revier zu sein. Zwar schlurft er auch hier, ohne die Füße merklich vom Boden abzuheben, aber in einem Wahnsinnstempo und mit einer selbstverständlichen Sicherheit und Entschlossenheit, dass ich beeindruckt bin.

Die Wolken verschwinden, im Mondlicht wird es deutlich heller. Ich bin immer noch nicht richtig in Lauflaune, ich trödele meterweise, um den Sonnenaufgang im Rücken mitzubekommen. Irgendwie ist mir heute danach, und irgendwie warte ich auch ein bisschen auf David.

Dieser taucht auch wirklich recht zeitgleich mit der Sonne auf. Normalerweise bin ich Meister der Unsicherheit, wenn ich auf dem Weg jemandem begegne, der ähnlich schnell ist, will ich doch niemandem meine Gesellschaft und ein Gespräch aufzwingen. Bei David habe ich glücklicherweise das Gefühl, dass wir vermutlich zusammen nach Castrojeriz gehen werden und das gut so ist.

Ich bin total high von dem wunderschönen Sonnenaufgang über den abgeernteten Feldern, erst recht, als die Sonne dann so richtig wärmend von hinten gegen den immer noch recht strengen Wind anscheint. Der Wind treibt riesige Gewitterwolken durch die Ebene, und ähnlich eines Gewitters hagelt es nur so wechselnde Farbenspiele und Regenbogen, wohin wir auch schauen. Ich stoppe alle zwei Meter für ein unglaubliches Foto und habe fast schon wieder meinen Aufdringlichkeitskomplex, nachdem der arme David nur halb so begeistert ist, vermutlich gerne schnell läuft und sich wahrscheinlich an den Kopf langt, auf was er sich da eingelassen hat. Er findet die Landschaft auch toll, schiebt es bei mir aber auf die Tatsache, dass ich eben neu hier bin und er das ja schon seit 2 Wochen kennt. Kann ich mir nicht vorstellen. Die Meseta ist doch ungleich begeisternder als dieses halbliebliche, ewige Geweinberge vor Burgos.

Wie nicht anders zu erwarten, bestätigt sich mein Eindruck, dass David ein rundum sympathisches Kerlchen ist. Er erzählt von seinem Kombi, mit dem er einfach mal irgendwo hin fährt und im Auto übernachtet, davon, dass er immer eine gut gefüllte Obstschale braucht, von seinen Zukunftsplänen und seinem Ehrgeiz, seinen Rucksack (samt Anreise-Jeans und stolzen über 16 kg) ohne Nutzung der spanischen Paketpost bist Santiago zu tragen. Dass er etwas ungesund aussehend nach vorne gebeugt läuft, verstehe ich spätestens, als wir zwecks leichter Regenkleidung stoppen und ich mal spaßeshalber versuche, seinen Rucksack hochzuheben.

Ein bisschen geknickt bin ich doch angesichts der ersten kleinen Regentropfen und der endgültig hinter dicken Wolken verschwindenden Sonne. Glücklicherweise setzt sich der Regen nicht fort, aber den strahlend blauen Himmel an meinem ultimativen Lieblingsplatz, der Ruine von San Antón, kann ich mir leider auch aus dem Kopf schlagen. So oder so strahlt der Ort wieder eine faszinierende Stimmung aus, nicht zuletzt wegen eines großen Taubenschwarmes, der in irgendwie geheimnisvollen Linien um die Steinmauern fliegt. Zwischen wieder unzähligen Fotos bin ich ehrfürchtig erschlagen, und wäre da nicht der recht wenig ergriffene David neben mir, würde ich wahrscheinlich meinen Schlafsack auspacken und die nächsten Stunden vor dieser Ruine biwakieren.

Kaum haben wir San Antón hinter uns gelassen, kommt schon wieder Sonne heraus, und ich würde am liebsten nochmal umdrehen. Statt dessen laufen wir die beeindruckende, schnurgerade Allee Richtung Castrojeriz entlang, das auch schon bald in Sicht kommt. Für mich ein spezieller, wunderschöner Ort, unendlich langgezogen, am Fuße eines Hügels mit beeindruckender Festungsruine und pittoresken Kirchen.

David hat wirklich Glück, dass ich die Kirche schon im Frühling mit Mandelblüte ausreichend fotografiert habe, sodass es ausnahmsweise mal zügig weiter geht. Er kippt schier aus den Latschen vor Hunger, sodass er sich noch mit mir auf die Suche nach einer Einkaufsmöglichkeit macht. Die beiden bekannten Tante-Emma-Läden bestechen durch geringe Auswahl und verschimmeltes Gemüse. Außer einem Brot kann ich mich zu nichts durchringen und möchte lieber doch noch den Supermarkt suchen, den ich schon früher nicht gefunden habe. Anstatt sich endlich eine Bar zu suchen oder weiterzugehen (schließlich hat er noch gut 20 km vor sich), schließt sich David mir an. Er hat sich schon mal zwei Bananen und eine Salami gekauft. Bevor ich überhaupt merke, dass er kaut, hat er schon den Rest der zweiten Banane intus. Ich kann ihm gerade noch ein Stück Brot zu seiner Salami anbieten, bevor diese ein ähnlich jähes Ende findet. Er scheint wirklich sehr hungrig zu sein. Ich bin richtig erleichtert, als wir unten an der Hauptstraße dann wirklich einen herkömmlichen Supermarkt finden. Wir laufen wieder zusammen hoch an den Camino. Irgendwie ist es sehr komisch, sich jetzt so für alle Ewigkeit zu verabschieden. Aber davon, jetzt noch einen Kaffee trinken zu gehen, wird es auch nicht besser. Ich bekomme seine Email, wir nehmen uns kurz in den Arm und gehen getrennte Wege. Trotz der wenigen Stunden, die wir zusammen verbracht haben, fühlt es sich außerordentlich beschissen an.

Es ist erst gegen 12, und meine Herberge (auch ich möchte zu El Resti, zumal meine nette Vorjahresherberge heute geschlossen hat) macht erst um 15.00 auf. Mit meinen reichhaltigen Mittagessenszutaten mache ich es mir auf einer kleinen Bank so richtig bequem. Bzw. der Wunsch ist Vater des Gedanken. So richtig bequem ist es auf der Metallbank nicht, die Bank ist kalt und bleibt es selbst mit meinen untergelegten diversen Fleece-Artikeln aus dem Rucksack. Es windet recht ungastlich, und mein Döschen Muscheln, auf das ich mich so gefreut habe, schmeckt einfach recht eintönig, leicht matschig und nicht wirklich lecker. Ich befreie meine Füße von den Wanderstiefeln; im Schuhe spüre ich eigentlich nie irgendeinen Schmerz, aber jetzt so bei genauerer Betrachtung tun mir die Sohlen wirklich sehr intensiv weh. Die Pelotte meiner Einlegesohlen erscheint mir viel zu hoch, es gibt bei jedem Schritt einen reißenden Schmerz. 3 Stunden in der Kälte auf der Bank scheinen mir nicht sehr vernünftig, eigentlich würde ich in der Zwischenzeit gern auf den Berg mit dem Castillo. Mit momentan übervollem Essensrucksack und den schmerzenden Füssen ist das aber keine besonders gute Idee. Ich bin einerseits frustriert, dass ich hier so tatenlos nutzlos rumsitzen muss, andererseits aber noch frustrierter davon, dass ich so Hummeln im Hintern habe und nicht einfach mal relaxen und abschalten kann.

Die geplante Herberge nehme ich in Augenschein, aber irgendwie wirkt sie mir nicht recht einladend (möglicherweise liegt es an meiner momentan etwas negativ gefärbten Weltsicht). Ich entscheide mich spontan um und gehe doch in die städtische Herberge, die in gelben Farben und sonnendurchflutet zugegebenermaßen sehr einladend daliegt.

Der Empfang ist nett und der Schlafsaal beeindruckend. Es gibt einen riesigen Raum mit hoher Decke, an dessen Seiten die Stockbetten stehen. Überall scheint die Sonne herein, irgendwie versöhnlich. Die Ruhe währt nicht lange, nach ein paar Minuten halten die mir bekannten Franzosen Einzug. Ich nehme es als Anlass, das wunderschöne Wetter (und meine Wanderkluft) noch zu nutzen und noch kurz zum Castillo zu laufen. Allerdings in Crocs, nachdem mir der bloße Gedanke an meine Schuhe schon weh tut. Ich brauche ein bisschen, bis ich den richtigen Weg finde. Es ist toll, die kleine Straße hinauf zu laufen und mit jedem Schritt noch mehr Aussicht und noch mehr Höhe zu gewinnen. Ich bin plötzlich wieder sehr ausgeglichen und zufrieden und frei. Wahrscheinlich geht es auch nicht anders bei so einer durch und durch wärmenden Sonne.

Das Castillo selber ist von der Nähe gesehen etwas enttäuschend, zumal man es nicht betreten kann (und mir in der Sonne bei dem trockenen Gestrüpp in meinen Crocs etwas anders wird. Irgendwie wittere ich Schlangen). Dafür ist die Aussicht in die Weite und der strahlend blaue Himmel beeindruckend. In der Ferne sehe ich auch San Antón und bin schon versucht, nachher nochmal kurz hinzulaufen. Ein Blick in den Führer sagt aber 6 km, also 12 km hin und zurück. Das scheint mir dann doch wieder sehr gesponnen und vermessen. Ich versuche mich zu ermahnen, es langsam angehen zu lassen und vor allem dieser inneren Unruhe nicht nachzugeben.

Der Abstieg (für den ich dann statt der Fahrstraße lieber den steilen, direkten kleinen Trampelpfad wähle) knüpft nahtlos an an das Thema „vermessen das Schicksal herausfordern“. Mit meinen Crocs fühle ich mich etwa so gut ausgestattet, als würde ich den Weg in High Heels absolvieren. Aber ich erreiche die Herberge ohne Schlangenbisse oder verstauchte Knöchel.

Ich schaue meine Fotos durch und bin positiv überrascht, wie hübsch meine Werke doch herauskommen, wenn man sie nicht bei blendendem Sonnenschein draußen anschaut. Um mich herum ist reges Pilgertreiben, fast alle Betten sind mittlerweile belegt. Mit der großzügigen Weite des Schlafsaales ist es vorbei, als anschließend Matratzen ausgelegt werden. Etwa 12 Extramatratzen später stellt sich ein eher beengtes Gefühl ein. Direkt vor meinem Bett logiert eine junge Koreanerin, die mit einem kleinen Lautsprecher Musik hört. Wie man auf so eine Idee kommen kann, ist mir schleierhaft, aber sie ist derart ungerührt, den ganze Schlafsaal zu beschallen, dass es mir die Sprache verschlägt. Ähnlich ergeht es mir mit meinem Lieblingsfranzosen, der etwa eine Viertelstunde in sein Handy brüllt, als wäre es ein Joghurtbecher-Schnur-Telefon. Wohlgemerkt an die Wand gelehnt, an der ein hübsches Bild mit einem durchgestrichenen Handy prangt. Ich schiebe es auf eine momentane Übersensibilität meinerseits. Ich gehe duschen, was allerdings keine allzu gute Idee darstellt, da das Warmwasser bereits aufgebraucht ist und das Ganze sich recht fröstelig gestaltet.

Neben den Koreanerinnen von gestern treffen auch die beiden Spanier ein – und es überrascht mich auch nicht weiter, dass zu guter Letzt auch mein heißgeliebter Girlie-Haufen Bravo-Themen wälzend auf den weiteren Extramatratzen um mein Bett Quartier bezieht. Mal wieder fühle ich mich ein klein wenig fehl am Platz und verziehe mich bändelknotend auf eine sonnige Stufe der Herberge, wo ich meine Ruhe habe. Angel setzt sich zu mir. Komischerweise verstehen wir uns wirklich sehr schlecht, er kapiert meine Fragen nicht und ich nicht seine Antworten. Soweit verstehe ich, das mit seinen Beinen wird nicht besser, er bricht ab und nimmt morgen den Bus heim. Auch erfahre ich, dass er nicht erst seit kurzem Frührentner ist, sondern sich sein Grubenunfall im Alter von 32 Jahren ereignet hat. Ich bin betroffen. Wir sitzen sicher eine halbe Stunde weitgehend schweigend nebeneinander in der Sonne, aber es fühlt sich besser an als jedes noch so seelenverwandte Gespräch. Irgendwann packt er seinen Geldbeutel aus und zeigt mir ein Foto von seinem durchaus süßen Enkel (gefolgt von seinem für meinen Geschmack nicht ganz so süßen Sohn). Sein dritter (und größter Stolz) ist ein Foto mit einer Art silbernen Platte, auf der ich kaum etwas erkennen kann. Es wäre die Jungfrau seiner Heimatstadt Murcia. Während ich erfolglos ein Gesicht darauf zu erkennen versuche, kramt Angel schon entschlossen in seinem Geldbeutel und überreicht mir das ausgesprochen abgegriffene und zerfledderte Bildchen. Das solle mir auf meinem Camino Glück bringen. Ich bin total geschockt, ich will doch nicht seinen liebsten Glücksbringer. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, ihm mit einem höflichen Ablehnen keinen Gefallen zu tun. So nehme ich es ehrfürchtig an. Der Camino ist schon verrückt. Da sitze ich mit einem etwas wild anmutenden, älteren Spanier wortlos in der Sonne, er mit einer kindlichen Bastelarbeit um das Handgelenk und ich mit einem Heiligenbild, und Freundschaft könnte sich nicht besser anfühlen.

Während die beiden Spanier Richtung Stadt und Abendessen gehen, packe ich mich warm ein und mache mich auf zur Messe. Dort treffe ich das nette, italienische Ehepaar von gestern wieder, die auch zum Gottesdienst wollen. Die Kirche ist aber abgeschlossen, sodass ich mich etwas geknickt wieder auf den Heimweg mache.

Zurück in der Herberge wird gerade eine weitere Extramatratze zwischen mein Bett und die koreanische Extramatratze geschoben, ein irischer Pilger stürmt herein. Ich beginne einen zaghaften Smalltalk über die tolle Strecke heute. Er läuft jeden Tag so 50 km und fand die Strecke heute auch ganz toll, in der Meseta könnte man so richtig schön viele Kilometer abspulen. Mir rutscht raus, dass das doch nicht der Sinn des Caminos ist. Fast schon aggressiv herrscht er mich an, dass jeder im Camino einen anderen Sinn sieht und findet und dass das sehr wohl der Sinn für ihn ist. Da hat er natürlich recht. Trotzdem reizt mich ein weiteres Gespräch nicht, vermutlich liegen unsere Konzepte zu weit auseinander.

Ich sitze mit den beiden Spaniern und dem Hospitalero zusammen, bzw. ich sitze recht unbeteiligt dabei, während diese sich sehr hitzig aufregen. Es geht um die Problematik des Donativos. Ich bin mittlerweile froh, dass die Herbergen in Galizien einfach einen festen Betrag erheben, denn auch bei mir sorgt es immer wieder für eine kleine Missstimmung, wenn es um die Höhe der Spende geht und was manche Pilger für angemessen halten. Um es mit den Worten des Iren zu sagen, auch da hat natürlich jeder ein Recht auf freie Gestaltung, wegen mir kann auch wirklich jeder so wenig spenden, wie er mag. Weil er geizig oder sparsam ist oder nicht mehr hat. Dass eine „heruntergekommene“ Herberge nur 50 Cent oder einen Euro „verdient“, verhagelt aber auch mir immer die Stimmung. Hier regen sich die Spanier aktuell sehr intensiv über die finnische Gruppe auf, die rein gar nichts gespendet hat, aber bereits die Hälfte des Donativo-Frühstücks von morgen als Abendessen verputzt hat. Ich weiß gar nicht, um welche finnische Gruppe es überhaupt geht. Domingo schnaubt „na, die mit den jungen Mädchen!“. Ich weiß nicht, welche er meint, „na, die auch gestern schon in Hornillos waren, die mit den Betreuern!“. Recht eindeutig scheint er meinen heißgeliebten Hühnerhaufen zu meinen, aber wie um alles in der Welt kommt er nur darauf, dass sie aus Finnland sind? Sie hätten es ihm erzählt, ganz sicher; dass sie über Helsinki geflogen sind und und und. Ich denke noch, dass sie ihn wohl ganz schön verarscht haben, aber registriert sind sie wirklich mit finnischen Credenciales. Einer der Betreuer (der nie ein Wort sagt) trägt wirklich einen sehr finnischen Namen, seine Gattin folglich zumindest einen finnischen Nachnamen. Nun gut, man kann sich also wirklich inbrünstig über die Spendenpraxis der Finnen aufregen.

Ehrlichgesagt regen mich aber auch Donativo-Hospitaleros auf, die jede Spende akribisch beäugen und bejammern, sodass ich froh bin, als die Tür aufgeht und zögerlich eine schmale, ältere Dame mit einem Gesicht wie Pergament und Porzellan hereinschaut. Erleichtert freut sie sich über noch ein freies Bett bzw. eine weitere Extramatratze (und ich bin mal wieder fasziniert, wie man bis 21.00 laufen kann, zumal es momentan recht früh dunkel wird). Später kommen wir ins Gespräch. Sie kommt aus Neuseeland, läuft den Camino zum zweiten Mal, genießt und nutzt den Tag in voller Länge – und schafft dadurch auch täglich 40 km. Jeden Tag stelle ich mir das extrem anstrengend vor. Sie lächelt, nein, es wäre ja nur laufen. Ich meine „na ja, laufen mit einem hübschen Gewicht auf dem Rücken“. Sie sagt, sie hätte eben einen sehr leichten Rucksack, 4 kg. Das finde ich fast noch schwerer vorstellbar als die 40 km. So viel wiegt ja schon mein Rucksack samt Schlafsack. Nachdem sie weiß, dass ich erst in Burgos gestartet bin, hält sie mich für ein komplettes Greenhorn und erklärt mir (mit Blick auf meinen imposanten Riesenrucksack), dass man eben Gewicht sparen müsste. Sie würde nur einen Satz Wechselkleidung mitnehmen, auch nur Waschzeug in Minigrößen… ich bin fast frustriert, denn das mache ich ja eigentlich auch. Und ich bin ein bisschen frustriert, dass man theoretisch auch mit einem Handtäschchen (so sieht ihr Leinenbeutel nämlich aus) fröhlich gelassen seine 40 km abtippeln kann, während ich mich wie eine tonnenschwere, schweratmende Mischung aus Walross und Dampfwalze in Erinnerung habe.

Wir sitzen ein bisschen zusammen im kleinen Vorräumchen, ich habe wieder die ungemütliche Aufgabe, irgendwann klarstellen zu müssen, dass ich nicht zum ersten Mal laufe. Leider beginnt fast jedes Gespräch mit „von wo bist Du gestartet?“, gefolgt von einem gutgemeinten, schwer zu stoppenden Redeschwall und Anfängertipps zu Blasen, Gepäck, Wetter… – beendet von einer betretenen Stille, wenn ich nach ein paar Minuten zaghaft einspreche. Auch das „von Burgos, aber ich bin früher schon den Camino gegangen“ bewährt sich nicht, jeder fragt nach, von wo nach wo genau, und weicht ehrfürchtig erschreckt einen gefühlten Meter zurück. Ein anderer Mensch bin ich dadurch doch auch nicht. Meine misstrauische Ader vermutet, dass sich meine Gegenüber spontan fragen, was mit dieser doch eigentlich ganz harmlos aussehenden Pilgerin schief gelaufen sein mag.

Die Neuseeländerin trägt es zumindest mit Fassung. Sie schaltet um auf „Vertrautes Gespräch zwischen zwei erfahrenen Pilgern“. Sie hat etwas sehr weises an sich, scheint auch viel Ruhe und Balance im Leben gefunden zu haben, obwohl sie Regisseurin ist und einen extrem gefüllten Terminkalender hat, geschäftlich in Europa ist und die 2 Wochen Camino nur ganz geschickt zwischenrein eingeschoben hat. Ihr Alter ist mir durchaus rätselhaft. Bei näherer Betrachtung wirkt sie nicht einmal über 40, auch wenn die Gesichtshaut eine andere Sprache spricht. Wir reden gut eine Stunde, und auch wenn sie grundsätzlich recht reserviert alles im Griff hat und ihr Porzellan-Pokerface trotz aller Freundlichkeit immer ein Rest verschlossen bleibt, tut das Gespräch sehr gut.

Kurz vor 10 füllt sich die Herberge schlagartig, alle kommen vor Torschluss vom Essen zurück. Domingo nimmt mich vertraulich zur Seite und erklärt mir mit flehentlichem Gesichtsausdruck, dass Angel ja morgen heimfährt, und dass dann doch sicher wir zusammen weiterlaufen. Er nickt dazu bereits bittend. Mir tut es leid, ihn so flehentlich zu sehen, aber andererseits ist Pilgern mit Domingo das allerletzte, was ich brauchen kann. Zusammen Laufen ist ja schon schwierig genug, aber mit seinem ständigen Geplapper und Gespasse und „eigentlich passen wir doch ganz prima zusammen“, es geht wirklich nicht. Zum Glück schaffe ich es, ihm das ehrlich zu kommunizieren. Er nickt betroffen und verständig. Er meint, er will jetzt eh nicht mehr alles laufen, er denkt, er nimmt einen Bus, um sich dann vielleicht noch Astorga anzuschauen. Bei mir schrillen schon wieder alle Alarmglocken. Das plötzliche kulturelle Interesse nehme ich ihm nicht ab, dafür hat er auch zu oft detailliert gefragt, ab wo ich den Bus nehme. Meine letzte Hoffnung ist, dass er nicht weiß, wie früh der Bus in Carrión de los Condes abfährt. Ich fühle mich einerseits mies, ich könnte hier sehr leicht jemanden glücklich machen, andererseits sträubt sich aber schon seit jeher alles in mir. Domingos Art tut mir nicht gut, sie ist zu vereinnahmend. Er hat das Gefühl, ich müsste in jedem Moment heiter lachen, dabei will ich nur meine Ruhe und in mich hineinspüren und für mich allein sein. Und heiter zum Lachen hat mich ein David gebracht, oder innerlich zum Strahlen Angel, aber von 10 mal hintereinander „was geht? Alles klar?“ lassen sich meine Mundwinkel nur mühevoll hochziehen.

Der Ire neben meinem Bett stürmt vom Abendessen herein; beeindruckenderweise kickt er seine Schuhe elangeladen in die Ecke und haut sich in voller Montur ohne Schlafsack auf die Matratze, rollt sich ein und schnarcht nach ein paar Minuten.

Während ich noch etwas bedröppelt wegen Domingo bin, mache ich mich bettfertig und liege schon ohne Linsen und mit Ohrstöpseln halb schlafend im Bett, als mich Domingo nochmal wachrüttelt und mir -„alles klar?“- eine gute Nacht wünscht. Es geht wirklich nicht.

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In dieser Nacht wird mir schmerzlich bewusst, dass mein wunderbarer 9-Euro-Schlafsack mit 800g zwar eine ganz tolle Investition für den Camino im Herbst war, es jetzt im April aber deutlich andere Temperaturen hat. So wache ich mitten in der Nacht reichlich verfroren auf. Gut eine halbe Stunde bleibe ich liegen und überlege, ob ich aufstehen und von den anderen leeren Betten eine Decke holen soll. Nachdem mein Bett gewaltig quietscht, bin ich aber versucht, mich erst einmal mit autogenem Training warm zu denken, um den friedlich schnarchenden José nicht aufzuwecken.

Irgendwann siegt die Vernunft, ich springe möglichst mit nur einmal Quietschen aus dem Bett und schnappe mir, wenn schon, denn schon, gleich drei Decken. Mit denen schläft es sich nach einer Weile auch schön warm, auch wenn das Gesäge aus dem Nebenbett eher hinderlich ist.

Gegen 7 Uhr morgens dämmert nicht nur der Tag, sondern auch mir dämmert, dass ich eventuell etwas zu rücksichtsvoll geartet bin. Kaum ist José nämlich wach, gähnt und reckt und streckt er sich lautstark ächzend, um dann (nach 2 Minuten quietschend im Bett Herumwälzen) fluchend nach seinen Schlappen zu suchen. Dass man Füße auch anheben kann, ist wohl noch nicht zu ihm durchgedrungen; er schlurft höchst geräuschvoll zur Tür, um mit brachialer Gewalt den Türgriff herunterzuknallen, die Tür aufzureißen und wieder zuzuknallen und ähnlich in den nebengelegenen Waschräumen zu verfahren. Ich bin nicht nur hellwach, sondern auch komplett wütend.

Ich beginne, meine Sachen ähnlich brachial in den Rucksack zu stopfen, um möglichst schnell hier weg zu kommen. José versteht die Welt nicht mehr, aber das kümmert mich jetzt auch nicht. Ich verabschiede mich kurz und prägnant und schließe dieses Kapitel mit ziemlich viel Wut im Bauch ab. Heute plane ich 40 km, und den rücksichtslosen kleinen Spanier sehe ich nie wieder.

Ich bin als eine der ersten unterwegs, und der Weg ist wieder unheimlich schön. Auch wenn es noch eher kalt ist, scheint die Sonne bereits. Alles ist komplett einsam und still, und die leichte Anhöhe, die vor mir liegt, lässt meine Füße schon freudig zucken. Endlich wieder aufwärts Wandern.

Ein Pilger von gestern überholt mich. Er läuft immer über 40 Kilometer und hat sich gestern abend auch wie immer 2 Schmerztabletten eingeworfen – damit wenn Muskelkater kommt, er ihn nicht spürt. Er plaudert ein wenig hektisch und kramt überall da hektisch seine Kamera aus, wo er mich von weitem ein Foto hat machen sehen. Hektisch freut er sich, dass ich dann ja vielleicht auch sein Mammutpensum laufe, und in zackigem Tempo stürmt er das Berglein hinauf. Mir ist das irgendwie zu blöd. Ich bin hier zum Pilgern, Relaxen und Genießen, und der Knabe hier hat für mich die falschen Schwingungen. So lasse ich ihn dann gerne alleine ziehen und gehe den Hügel in meinem Tempo an.

Oben ist es wunderschön, man hat einen weiten Blick über die halbe Meseta und auf Castrojeriz. Ich hole mein Frühstück nach und genieße ganz bewusst meine Ruhe, dass ich mich nicht hetzen muss und mein eigener Chef bin. So inmitten der frühen Sonnenstrahlen überkommt mich auch plötzlich eine Ruhe und Gelassenheit, die mir seit gestern ein wenig gefehlt hat, und meine Wut auf José lässt von Minute zu Minute nach.

Als ich von meinem Ausguck einen einzelnen Pilger die Steigung hochkommen sehe, bin ich so weit, dass ich hoffe, dass es José ist.

Er ist es wirklich, aber er hält nur kurz an, weil er die morgendliche Gunst der Stunde nutzen muss. Da rennt er seine 6 km/h, weil er weiß, dass er gegen Mittag einbricht. Komische Theorie. Ich laufe lieber immer gleichmäßig, manchmal vielleicht etwas bedächtiger, aber eigentlich in einem Tempo, in dem ich ewig weiterlaufen könnte.

Im nächsten Dorf strahlt mir nach zwei Stunden von der Veranda der einzigen Bar mein kleiner Spanier entgegen, der mal wieder ausgiebig frühstückt, seine Füße liebevoll einpudert (den Moment des Lufttrocknens habe ich diesmal wohl schon verpasst) und jetzt aber auch schon wieder aufbruchbereit ist. Man könnte meinen, er hätte auf mich gewartet.

Wie abgesprochen laufen wir von da an wieder zusammen weiter. Meine 40 km habe ich für heute verbannt. Ich denke zwar immer noch, dass ich sie laufen könnte, aber für heute fehlt mir der aggressive Ehrgeiz, mir oder José etwas beweisen zu müssen. Ich freue mich einfach über das Kichern und Gackern mit José. Allein schon das Reden über Musik ist ein Angriff auf die Lachmuskeln, weil er alles Englische so katastrophal falsch ausspricht, dass es langes Rätselraten braucht, bis ich Pruss Pinkstinn oder Dipp Pöppel zuordnen kann.

In Fromista angekommen nehmen wir Platz auf dem Rasen vor der weitbekannten und berühmten Kirche, auf der wie überall Störche nisten und klappern. Die Herberge öffnet erst später, und da Sonntag ist, halten sich auch die Einkaufsmöglichkeiten in Grenzen.

José kramt mal wieder in seiner Schublade der großen dunklen Augen, der tiefen Stimme und den göttlichen Schwingungen, als er mir eine Abhandlung über den Sinn des Pilgerns offenbart. Im Wesentlichen geht es um das Schöne am „compartir“, am Teilen. Und das liegt gerade nahe, nachdem er sich faul in Bars zu ernähren pflegt und ich mit krankhaftem Hamstertrieb immer Vorräte für 2 Tage im Rucksack mitschleppe. Die dezimieren wir jetzt rasant gemeinsam.

Endlich macht die Herberge auf, und außer uns wartet eine stattliche (durchweg männliche) Pilgerschar. Vielleicht fällt mir deswegen diesmal so deutlich auf, welche Vorzüge getrennt geschlechtliche Badezimmer haben. Hier ist dem nicht so, die Pinkelbecken sind plakativ direkt neben den Waschbecken und nicht zu übersehen. Auch der keusche Blick in die andere Richtung bringt dank Spiegel wenig Erleichterung. Der männliche Pilger an sich scheint eng verwandt mit meinem José, auch hier wird ausgiebig geächzt und gestöhnt. Die zwei Duschen sind heiß begehrt, sodass man sich schon vor dem Vorhang wartend auszieht, für die Herren der Schöpfung kein Problem, man ist ja quasi unter sich. Auch wenn ich sonst wenig heikel bin, das trägt nicht zur inneren Ausgeglichenheit bei.

Dazu rächt sich mal wieder, dass ich seit meiner Ankunft in Spanien entgegen meiner sonstigen Prinzipien nur mit einer Person zusammenhänge. Ich kenne keinen Menschen hier, und der gute Spanier widmet sich intensiv seinem Lieblingshobby namens Hospitaleras bespaßen. Ich entdecke untrüglich Eifersucht bei mir, und das geht ja überhaupt nicht.

Die Stimmung hebt sich nicht enorm, nachdem ich auch keinen Supermarkt finde, mich meine leeren Vorräte hibbelig machen, meine Gesprächspartner heute alle irgendwie der Prototyp meines persönlichen Antipilgers sind, es reichlich kalt windet und sich in der Herberge mittlerweile so etwa 40 Männer für meinen Geschmack daneben benehmen.

José trollt sich frohgemut in ein Restaurant zum Abendessen, während ich eine Messe suche. Leider hat eine weitere Kirche zwar offen, aber Messe ist Sonntag Abend definitiv nicht mehr. Dafür entdecke ich eine wunderbare Bäckerei, die wie durch ein Wunder geöffnet hat. Ich bekomme frisches Brot und sogar ein Vanillegebäck für den nächsten Morgen, und auf dem Rückweg erstehe ich noch gebrannte Mandeln auf einem kleinen Jahrmarkt.

Ich bin schon wieder völlig mit der Welt im Lot, als in der Herberge zwei durchaus knackige Radpilger das Bett neben mir bevölkert haben. Sie sind aus Italien, und wie sich nach wenigen Sätzen herausstellt, sind sie unheimlich lustig und unterhaltsam. Einer spricht sehr gutes Englisch, der andere eher ein bisschen weniger, dafür Spanisch, und sie machen sich eine Spaß daraus, mit mir ganz schnell kleine Gemeinheiten über den anderen auszuplaudern und sich gegenseitig auf die Schippe zu nehmen.

Als mein kleiner Spanier vom Essen kommt, wird der in diesem aufgedrehten Stil auch gleich mitbehandelt. Leider denkt der eine Italiener, dass José kein Englisch versteht, José dagegen fühlt sich sicher, auf Spanisch seinen Unmut über diese für seinen Geschmack unangebrachte Gesellschaft zu äußern. Mir ist das völlig wurst, als ich die Parteien aufkläre, dass jeder alles verstanden hat; ich bin einfach völlig entspannt und glücklich, wie gewohnt Kontakte zu knüpfen, Sprachen zu radebrechen und nette Menschen mit strahlenden Gesichtern und voller Energie um mich zu haben.

Und dass die beiden keine allzu verachtenswerten Gigolos sind, sieht selbst José ein, als sie sich mit ihren Digitalkameras zu mir aufs Bett setzen, um mir ihre Familien zu zeigen. Ich bekomme stolzgeschwellt etwa 400 Bilder Francesca gezeigt, und der Papa ist so stolz, dass er selbst Tränen in die Augen bekommt, wenn es sich nur um Francescas Fuß oder Francesca von hinten handelt. Als dann auch noch das Telefon klingelt und der Papa gar nicht merkt, wie er mit voller Wucht gegen das obere Stockbett kracht, sondern gleich weiter in den Gang sprintet, wo er auf und ab läuft und ungefähr 20 x einfach nur vor Freude „Francesca!!!“ in den Hörer brüllt, ist selbst José versöhnt, denn Familie bedeutet ihm alles, und wem es genauso geht, der kann wohl kein schlechter Mensch sein.

Während ich noch die netten Italiener genieße, bevor sie auf ausgedehnte Kneipentour gehen wollen, macht sich José schon bettfertig und legt wortlos einen Packen mit drei Decken an mein Fußende, die er bei den Hospitaleras organisiert hat, weil ich doch so friere. Das finde ich jetzt wieder unheimlich süß, sodass ich die beiden Herren verabschiede und mich noch zu José ans Bett setze. Wir reden über Familie und Charakter und Lebensziele; man kann einfach wunderbar mit ihm reden.

So schlafe ich nach einem reichlich durchwachsenen Tag voller kleiner Wutanfälle und Frustrationen und kleiner Kämpfe mit mir selber noch völlig ausgeglichen und ausgesöhnt ein.

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Zu Sonnenaufgang ist schon wieder reges Hufescharren. Ich will gerade los, da steht Raspelkurz vor mir, lacht entspannt und herzlich und eröffnet mir, dass sie heute gerne mit mir gehen würde. In meinem Gehirn ist Kurzschluss, und leider ist alles, was ich herausbringe ein „nein danke, ich gehe meine Tagesetappen gerne immer allein“. Sie trägt es mit Fassung und marschiert alleine los. Ich habe schon ein etwas schlechtes Gewissen, zumal ich gar nicht weiß, ob ich wirklich lieber alleine gehen will. Wenigstens von José möchte ich mich verabschieden, aber als ich mich durch die lärmende Männermannschaft im oberen Schlafraum durchwühle, ist sein Bett schon sauber gemacht und verlassen.

So laufe ich dann zwar mutterseelenallein, aber in meinen Gedanken schwirren die beiden doch recht vehement herum. Umso ungläubiger und begeisterter bin ich, als ich in einem Dörfchen vor einer Bar José wiedersehe, der selbstgefällig grinst, seine Socken lüftet und es sich gutgehen lässt. Er will heute auch nach Castrojeriz, und das stimmt mich irgendwie glücklich.

Auf diese Irrungen und Wirrungen genehmige ich mir nach dem Dörfchen erstmal einen Snack und wurstele meinen Sonnenhut heraus, nachdem auch heute wieder ordentlich Sonne angesagt ist. Leider habe ich mir gerade zeitsparend eine halbe Banane auf einmal in den Mund geschoben und sehe mit meinem hellblauen Schlapphut ohnehin herzerweichend aus, als José mich schon eingeholt hat und beschließt, jetzt mit mir zu laufen.

Es ist superlustig, ich spreche Spanisch mit ihm, was ich eigentlich nicht kann, und er versucht es im Gegenzug mit Englisch, was er sicher besser kann, nur hat er eine herzallerliebste Aussprache. Vermutlich kommunizieren wir wieder eher über unsere Augen und Energien.

Der Weg ist wunderschön, sonnig, es geht eine endlos lange Allee entlang, die zu einem verfallenen Kloster führt. Ich habe das untrügliche Gefühl, dass wenn ich jemals eine Herberge in Spanien aufmachen würde, dann hier.

Einen Nachteil hat die ungewohnte Gesellschaft allerdings doch, José macht keine Fotos und legt eh ein ziemliches Tempo an den Tag. Gegen Mittag und kurz vor Castrojeriz ist es dann vorbei mit seinem kraftvollen Gang und seiner Contenance, er jammert wie ein Kleinkind, wann wir denn endlich da sind. So verschiebe ich das Traumfoto von Castrojeriz mit Festung und blühenden Apfelbäumen auf nach dem Einchecken. Die geplante Herberge hat geschlossen, und José winselt mittlerweile schon, ob ich nicht seinen Rucksack für ihn tragen möchte.

Zum Glück findet sich bald eine Ersatzherberge mit einem sehr netten, zuvorkommenden Hospitalero, der mich in liebevoll auswendig gelerntem Deutsch fragt, ob er meinen Rucksack aufs Zimmer tragen darf. Ich lehne natürlich dankend ab, José dagegen ist begeistert.

Kaum habe ich mein Bett belegt, schnappe ich mir Foto und Mittagessen und gehe mein Foto machen. Leider ist Castrojeriz das gefühlt längste Dorf am Camino, aber ich erreiche den Ortseingang noch zu besten Lichtverhältnissen.

Gerade esse ich mein Mittagessen, als die Lesebrille auch schon eintrifft. Zwar hebt es ihre Mundwinkel nicht, aber sie scheint erfreut zu sein, mich zu sehen und meint, dann könnten wir ja in der gleichen Herberge absteigen, sofern ich das denn möchte. Was soll ich denn da sagen.

Zurück in der Herberge entdecke ich unscheinbar neben dem Empfangstisch eine kleine Ausstellung an Pilgermuscheln und Anhängern – und sofort verliebe ich mich in einen silbernen Muschelanhänger, der ganz genau das ist, was ich letztes Jahr in Santiago gesucht und nicht gefunden habe. Ich bin überglücklich, verziehe mich auf das obere Stockbett und schreibe mein Tagebuch. Schräg unten hält der erschöpfte José seit Stunden seine Siesta, und es braucht ca. zwei Seiten gelangweilte Papierkügelchen, bevor er sich erwecken lässt.

Die Engländerin liegt mir noch ein wenig im Magen, ich fühle mich schlecht wegen der Ablehnung, und nachdem sie nur so kurze Etappen läuft, werden wir uns wohl nie mehr sehen. Umso mehr brechen wir beide in Freudenschreie aus, als sie plötzlich unsagbar strahlend im Zimmer steht. Sie checkt bei uns im Zimmer ein, und die gute Stimmung kriegt einen kapitalen Knacks, als sie nach meinem Tag fragt und mir herausrutscht, dass ich mit José gelaufen bin. Ich versuche die Situation mit einem gemeinsamen Stadtbummel zu retten, zu dem sie auch einwilligt.

Vor einer Bar sitzt Lesebrille, noch deutlich verdrießlicher als sonst. Sie fragt, ob wir Spaß hätten, und es ist durch und durch vorwurfsvoll. Sie macht sich große Sorgen wegen Problemen zu Hause, mir tut das auch wirklich leid, aber ich kann ihr nicht helfen; egal, was ich versuche, sie schmettert es ironisch ab und ich habe den Eindruck, alles nur noch schlimmer zu machen. Die Engländerin mag sie nicht, wenn, dann lässt sie auf Deutsch schnippische Kommentare ab, sodass ich da jetzt auch beim besten Willen kein Dreiergespann gründen kann.

Der Versuch, einzukaufen, gestaltet sich als schwierig. Alle Läden sind zu, keine Öffnungszeiten, und ab und an trifft man Einheimische, die versichern, dass der und der Laden schon noch aufmacht, aber jeder hat eine andere Version, tippt auf einen andere Laden – und erquicklicherweise soll man einfach irgendwo klingeln, dann würden die den Laden schon aufmachen. Aber nachdem keiner genau weiß, wo, und wir auch nicht einfach an wildfremden Türen klingeln wollen, verläuft das Ganze ziemlich unstrukturiert, chaotisch – und die Konversation erreicht nicht mehr die gestrige Tiefe.

Irgendwann klingeln wir dann doch irgendwo, uns wird auch wirklich ein Laden aufgemacht, und auf dem Rückweg hat sogar ein Metzger offen, dem die Engländerin einen Besuch abstatten will. Ich bin leider schon wieder zerrissen, ich wollte noch mit José in die Messe, das wird zeitlich knapp – und Abendessen mit der Engländerin muss ich leider auch wieder ablehnen, weil ich da ja mit Hospitalero José verabredet bin.

Mit diesem geht es dann im Eilschritt zur Kirche. Wir treffen die weibliche Dorfjugend, und als ich witzele, dass das ja durchaus attraktive Schnittchen für ihn wären, zeigt er nur auf mich und meint „sehr attraktiv, innerlich wie äußerlich“. Trifft mich eher unvorbereitet.

Castrojeriz ist nicht nur ein unheimlich langes Dorf, es hat auch eine unheimlich hohe Kirche, die einem fast etwas Respekt einflößt. Eine Frau mit Blättern geht durch die spärlich besetzten Reihen, und während ich unruhig werde und mich möglichst unsichtbar machen will, wird José ebenfalls unruhig. Er kräht dann durch die halbe Kirche, und die Dame ist hocherfreut und gibt ihm einen der Zettel, den er dann wohl während der Messe vorlesen soll. Ich soll auch gleich einen bekommen, aber gucke wohl erschreckt genug, sodass dieser Kelch nochmal an mir vorbeigeht.

Die Messe beginnt, und während des Eingangsgebets kommt die Dame nochmal und nimmt José nach kurzer Rücksprache sein Blättchen wieder ab.  Aha. Im Laufe der Messe lesen die einzelnen Besucher ihre Blätter mit kurzen Gebeten vor, und dass José ein Upgrade bekommen hat, dämmert mir, als er völlig selbstverständlich irgendwann nach vorne geht und vom Altar einen mehrminütigen Text aus der Bibel verliest. Eigentlich wäre das höchst faszinierend und beeindruckend, wenn mir nur gerade nicht alles etwas zu erdrückend würde. Ich fühle mich ein wenig überfordert mit der Lesebrille und Raspelkurz, jeder will was von mir, ich kann keinem gerecht werden und enttäusche nur. Und José ist irgendwie eine andere Welt, er findet sich in Kirchen blind zurecht, weiß immer, wann aufzustehen und wann was zu beten ist und hat ein göttliches Selbstverständnis (und ein sattes Selbstvertrauen), das das meinige irgendwie völlig überrollt.

Wie eine Eingebung kommt mir die Idee, in der Herberge noch so einen Muschelanhänger zu kaufen und ihn Raspelkurz zu verehren. Diese Idee beruhigt mich irgendwie, und ich bin wieder glücklich sortiert.

Zum Glück gibt es ihn noch, allerdings logiert die Engländerin nicht mehr in unserem Raum. Als ich sie suchen gehe, finde ich sie in einem anderen Stockwerk und schon schlafend, dabei ist es noch nicht mal 20.00. Ich vermute, ich habe sie sehr gekränkt. Ich lege ihr den Anhänger und einen Brief auf ihre Sachen.

Meine Stimmung ist etwas getrübt, und das Kochen mit José macht es auch nicht viel besser. Für mich ist Kochen Spaß und Chaos und Improvisation, Ausprobieren und Spontaneität, José dagegen guckt verbiestert und legt größten Wert auf akkurat gewürfelte Zwiebeln. Er ist offiziell auch nicht verbiestert, sondern nur konzentriert, aber nach einer Stunde konzentriertem an allem Herummeckern bin ich dann auch etwas genervt, zumal er bei so viel Konzentration etwas besser kochen könnte. So verkocht wie seine Pasta ist und so fetttriefend das Gemüse, das hätte ich auch entspannt und mit etwas weniger akribischer Verbissenheit hinbekommen.

Er ist hochzufrieden mit seinem Werk und vor allem mit sich selber, realisiert überhaupt nicht meine leichten Missstimmungen, schwadroniert begeistert, was wir uns dann nach dem Camino täglich für Emails schreiben und weiß auch genau, welche Etappe morgen machbar ist. Mehr als 25 km findet er nicht machbar, nicht für ihn und auch nicht für mich. Letzteres regt mich auf, und ich bin froh, als unser Essen beendet ist und ich mich schnell ins Bett verabschieden kann.

Morgen möchte ich ihn seine 25 km machen lassen und selber 40 km laufen. Ich bin nicht hier, um mir von einem selbstzufriedenen kleinen Weichei sagen zu lassen, was ich kann und machen werde.

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