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Posts Tagged ‘Burgos’

Anscheinend habe ich Burgos zu einem speziellen Festtag erwischt, was auch die Menschenmengen in den Straßen gestern erklären würde. Jedenfalls herrscht die ganze Nacht über noch eine beeindruckende Geräuschkulisse auf den Straßen, die bis in unseren Schlafsaal unter dem Dach dringt. Probehalber nehme ich immer mal wieder meine unbequemen Ohrstöpsel heraus, um sie dann aber auch schnell wieder einzusetzen.

Gegen 7 beginnt kollektives Aufstehen; ich packe meine Sachen schnell zusammen und verdrücke mich in den Aufenthaltsraum im Erdgeschoss. Von routiniertem Packen keine Spur, ich bin absolut unkoordiniert. Kaum habe ich alles im Rucksack, fällt mir ein, dass die Rucksackhülle ganz zuunterst ist. Kaum habe ich meine Schuhe an, fällt mir ein, dass ich noch nicht Hirschtalg gecremt habe. Das Tübchen findet sich dann natürlich auch ewig nicht, ich muss nochmal alles auspacken. Meine Ohrstöpsel liegen noch auf dem Tisch, die sollten doch eigentlich in den Waschbeutel, den ich aber auch gerade mühsam unter den Crocs und Regensachen verstaut habe. Dann fehlt noch die Taschenlampe, auch wieder irgendwo in den Tiefen des Rucksacks. Oder das Stirnband oder der Foto. Ich kriege schier die Krise. Es dauert sicher eine gute Dreiviertelstunde, bis ich endlich abmarschbereit bin.

Draußen ist es überraschenderweise noch stockdunkel. Ich bin ja auch später im Jahr dran, trotzdem hätte ich intuitiv auf einen Sonnenaufgang spätestens um 8 getippt. Zum Glück kenne ich grob den Weg. Hinter mir kommen einige Pilger von der stressigeren Sorte, die mit ihren Lampen die ganze Zeit wild die Umgebung ableuchten. Ich komme mir ein bisschen vor wie im Flackerlicht einer Disco. An einer Kreuzung fehlen für einen Moment die Pfeile. Ich habe gerade wieder einen gesichtet, zu Beginn des baumbestandenen Parks, aber ein Pärchen hinter mir hat schon blitzschnell einen Passanten gefragt, der die Fahrstraße zeigt. Sie rufen ein „hey!“ und fuchteln wie wild in Richtung der Straße, um dort auch gleich weiterzuhetzen. Mir ist das egal, ich nehme den Park und bin fast ein bisschen froh über meine Ruhe. Gegen die Straße hat sich ebenfalls ein älterer Italiener entschieden. Ich bin fast schon erleichtert, dass er nett und sympathisch auf mich wirkt und ich mich zum ersten Mal wieder ein bisschen zu Hause fühle.

Am Ende des Parks verabschiede ich mich, um einen Fotostopp zu machen. Er hat ein ziemliches Tempo, und ich möchte nicht an allem vorbeirennen. Noch dazu nicht mit meiner frisch aufgeladenen Digitalkamera. Ich probiere neugierig ein bisschen die Möglichkeiten aus und bin positiv überrascht, dass meine Bilder bei Dunkelheit diesmal schon deutlich besser werden.

Während ich weiterlaufe, kommen mir die beiden Stresspilger und der Italiener schon wieder entgegen. In ihrer Eile sind sie an einer Abzweigung vorbeigelaufen. Sie erinnern mich ein bisschen an meine Schulzeit und an meine Art, Matheaufgaben anzugehen. Anstatt etwas zu überlegen, habe ich wild alle Zahlen irgendwie zusammenjongliert, um mich nachher 100 x zu verrechnen und 50 falsche Wege einzuschlagen, am Ende aber dank meiner Schnelligkeit doch noch rechtzeitig das Ergebnis zu haben. Nur war mein Lehrer immer sehr unamused über die vielen Seiten Irrwege, durch die er sich durchkorrigieren musste.

Ich lasse wieder alle passieren und genieße meine Ruhe. Es ist fast schon 9, und noch immer ist es nicht wirklich hell. Das überrascht mich nun doch. Dafür hat es Vollmond. Und eine manierliche Kälte, sodass ich froh bin über mein Stirnband, meine Handschuhe und einen dünnen Mehrzweckschlauch, den ich momentan als Halstuch und Mund- und Wangenschutz nehme.

Als irgendwann endlich die Sonne herauskommt, wird es mit einem Schlag deutlich wärmer und deutlich belebter. Mich überholt ein lustiger Radpilger. Die meistens fahren filigrane Rennräder oder zumindest etwas ansatzweise sportliches, das Gepäck in Satteltaschen verstaut. Dieser Asiat dagegen hat ein rustikales 24-Zoll-Rad, auf dem er mit einem riesigen Fußpilgerrucksack thront. Bzw. der Rucksack thront sauber abgestützt auf dem Gepäckträger. Intuitiv würde nur noch der Sattelüberzug aus Lammfell fehlen.

Ebenfalls überholt mich ein englisch sprechendes Pärchen, der George Clooney-Beau und die überaus strahlende Pilgerin, die mich gestern im Schlafsaal so nett begrüßt hat. Beide sind nicht nur überaus schnell, sondern auch wie aus dem Ei gepellt gekleidet. Während ich unter meinen zahlreichen wärmenden Accessoires eine wild verstrubbelte Frisur an den Tag lege, gegen die Kälte mit diversen Schichten aus Fleece und Regenjacke ankämpfe und mit meinen unförmigen Riesenstiefeln in Größe 45 vor mich hinstolpere, haben beide ein mustergültiges 40-Liter-Rucksäckchen, ein enges Hightechfleece und einen luftig leichten Schritt. Zumindest der deutlich größere Schönling. Vermutlich laufen sie noch nicht sehr lange miteinander, denn die weibliche Komponente muss ganz schön springen, um mitzuhalten.

Unsere Wege kreuzen sich laufend, weil immer wieder jemand für Fotos oder zum Umziehen stoppt. Und jedesmal bin ich ein bisschen mehr frustriert. Die Blonde hat die perfekte Frisur, jedes Strähnchen liegt perfekt an Ort und Stelle, und das makellose Zahnpastalächeln kommt bei jeder Begegnung noch strahlender, herzlicher und perfekter. Der Grauhaarige kann auch absolut perfekt und charming lächeln, allerdings hebt er sich das eher für seine Begleiterin auf. Vermummte Michelinmännchen werden in seiner Wahrnehmung wahrscheinlich gleich herausgefiltert. Für meinen inneren Seelenfrieden lege ich eine längere Pause ein, bis sie außer Sichtweite sind.

In den ersten Dörfern nach Burgos treffe ich auf vereinzelte Pilger, unter anderem winkt mir auch der Italiener strahlend von der Sonnenterrasse eines Cafés zu. Obwohl es Sonntag ist und ich mit geschlossenen Läden rechne (dafür habe ich ja aktuell 11 Cherry-Tomaten und 6 Mandarinen im Gepäck), halte ich mit einem Auge Ausschau nach einem Laden. Und wirklich findet sich eine Bäckerei, die sogar eingefolte Chorizo hat. Voller Vorfreude auf eine gemütliche Pause laufe ich weiter. Ich möchte an der kleinen Kirche stoppen, an der ich vor 2 Jahren José getroffen habe. Aber diese kommt weder in Villabilla de Burgos noch in Tardajos. Dafür komme ich an den ersten herbstgefärbten Bäumen vor strahlend blauem Himmel vorbei und bin komplett begeistert. Ich mache bestimmt 20 Bilder, so unwirklich erscheint mir das nach vielen Wochen grauer Nebelsuppe zu Hause.

Nachdem ich langsam wirklich Hunger habe und auch eine Pause machen könnte, setze ich mich dann eben ohne Kirche auf eine Bank an der Straße. Mich überholt ein sehr schneller Pilger ohne Arme, dem ich vorher bei seiner Pause einen guten Appetit gewünscht habe. Nun habe ich im Gegenzug den Mund voll und kann nur schief grinsen und mit einem halben Baguette winken. Mandarine Nummer 6 entpuppt sich nicht als die ideale Wegzehrung, meine Hände sind gelb-weiß verspritzt, und kein Wasser weit und breit. Kurz packe ich meine Füße aus. Blasen hat es keine, aber irgendwie melden sich die Fußsohlen schmerzhaft.

Irgendwann kommt doch noch die Kirche, vor der ich mich einige Minuten wie einst José in die spärliche Sonne setze und einige Gebete für ihn abschicke. Danach, nach dem letzten Örtchen Rabé de las Calzadas, geht es dann mit einem Schlag in die so geliebte Weite der Meseta. Der leuchtend weiß geschotterte Weg, zur Rechten die karge Landschaft, helles Gras vor dunklen Wolke und einigen großen Vögeln, die ihre Kreise ziehen- ich bin sprachlos und im Minutenabstand am Fotografieren.

Wegen mir könnte der Weg ewig so weitergehen, und ich bin extrem dankbar für das wunderbare Wetter und die Entscheidung, diese Strecke in meinen Camino einzubauen. Die Sonne scheint vom mittlerweile wolkenlosen Himmel, dafür geht ein recht heftiger Wind, der meine Haare fliegen und die Hose flattern lässt. Raschelnd und ratternd nähert sich eine Pilgerin aus Estland, die recht lustig zu sein scheint, ihren Erzählungen zu entnehmen, die sie gegen den Wind schreit. Zum einen schüttelt sie sich alle 20 Meter ein Steinchen aus der Sandale heraus. Die schweren Stiefel baumeln am Rucksack; die drücken ihr. Sie trägt sie aber lieber tapfer durch die Gegend, falls es mal regnen sollte. Das hat es bisher erst 2 Tage, erzählt sie. Ganz am Anfang in Frankreich, und seitdem nur strahlender Sonnenschein. Sie erzählt von ihrer Anreise, die beruhigend ähnlich schlecht geplant war wie die meinigen. Über Pamplona ist sie nur bis Roncesvalles gekommen, hätte aber keine Lust gehabt, wie die anderen dann einfach von dort zu starten. Ein Taxi allein war ihr zu teuer, deswegen ist sie einfach zu Fuß im strömenden Regen nach Saint-Jean-Pied-de-Port gelaufen – um einen Tag später im gleichermaßen strömenden Regen und Nebel wieder die Etappe zurück zu laufen. Sie gefällt mir, und ich bin etwas traurig, als Hornillos in Sicht kommt, wo ich stoppen werde. So schnell und gut trainiert wie sie ist, läuft sie natürlich weiter, während ich mir für den Anfang eine ruhige 20km-Etappe verordne.

In Hornillos auf dem zentralen Platz vor der Kirche, Herberge und Bar ist viel los, allerdings stoppen die meisten vermutlich nur für eine Mittagsrast. Ich tappe zur Herberge, wo mich ein Hospitalero einholt und einchecken lässt. Ich bin die erste und fühle mich wie üblich etwas traurig, zu stoppen, während alle weiterlaufen. Im Gegensatz zu vor 2 Jahren hat es plötzlich einen schicken, neuen Waschraum im Untergeschoss, sodass ich schön heiß duschen und waschen kann. In der Kelleretage ist es etwas ungemütlich kalt, aber auch draußen weht so ein eisiger Wind, dass ich lieber schnell wieder in die Herberge zurückgehe. Ich schreibe mein Tagebuch, während es sich dann doch etwas füllt. Weitgehend mit älteren Franzosen- und Italienerpärchen, die sich alle schon untereinander kennen und ein bisschen wie die Heuschrecken einfallen. Ich könnte nicht einmal sagen, woher dieser Eindruck kommt. Vielleicht von der durchweg sehr lauten Art, der stur französischen Sprache, der selbstverständlichen Gewohnheit, alles so umzustellen und in Beschlag zu nehmen, wie es ihnen gefällt – und der recht selbstverständlichen Art, sich über alle etwaigen Missstände blumig auszutauschen. Während sie sich hier sehr zu Hause fühlen und die Herberge im Nu in Klein Frankreich verwandeln, fühle ich mich schon wieder ähnlich unwohl und fehl am Platz wie gestern.

Ich sitze in der Küche mit Blick auf die Neuankömmlinge. Momentan sorgt ein zahnloser, ungepflegter Spanier mit Bierbauch für Aufsehen, der wild vor sich hingrummelt und flucht und schimpft. Anscheinend geht es seinen Füßen nicht besonders gut, dazu kommt, dass er es unmöglich findet, in diesem Zustand ein oberes Stockbett zugeteilt zu bekommen. Ich könnte eigentlich tauschen, aber irgendwie scheint das gar nicht zur Debatte zu stehen, er will einfach poltern. Mir wird ein bisschen Angst und Bange, und ich räume schnell ein bisschen meine Sachen zusammen, die ich wie üblich weitläufig um mein Bett verteilt habe. Und mache dabei die Bekanntschaft eines weiteren älteren Spaniers, der mich mit einer Begeisterung begrüßt, als wäre ich seine verlorene Tochter. Das ist mir schon ein bisschen too much, noch dazu fasst er mich ständig vertrauensvoll an der Schulter und scheint das Gefühl zu haben, mich für den Rest des Tages umsorgen und bespassen zu müssen. Ich lege ein etwas verzweifeltes Mittagsschläfchen ein, um wieder warm zu werden und den geschäftigen Franzosen, dem fluchenden Spanier und dem begeisterten Spanier zu entgehen, der sich effektvoll vor meinem Bett umzuziehen beginnt.

Beim Aufwachen hat es immerhin doch noch zwei jüngere Semester, ein weiteres „Caminopärchen“, welches sich in Englisch unterhält. Die weibliche Komponente ist eine Deutsche aus Schwaben, und so ungern ich meist unter Deutschen glucke, so tut mir im Moment ein Hauch von Heimat gut. Ein ebenfalls deutscher, ebenfalls junger Pilger freut sich mit großem Hallo über ihr Wiedersehen. Der Franzosentrupp bricht unter noch größerem Hallo geschlossen in die Kirche auf. Als ich ein paar Minuten später daran vorbeilaufe, klingen Choräle aus der angelehnten Tür. Neugierig setze ich mich dazu. Zwei der Franzosenpaare singen durchaus virtuos. Anscheinend tun sie das jeden Tag, es scheint eine gewisse Caminotradition für sie zu sein. Und so singend in der Kirche macht sich ihre Lautstärke und ihre Präsenz auch wirklich gut.

Zurück in der Herberge versuche ich, mir etwas Geduld mit mir, meinem Camino und meinen Mitpilgern einzuimpfen. Ich bin nicht mal schlecht, bis mit lautem Geschrei oben der gestrige deutsche Hühnerhaufen Einzug hält. Resigniert ziehe ich mir wieder alles Warme an und gehe doch nochmal nach draußen. Kaum habe ich die Tür hinter mir geschlossen, empfängt mich ein deutsches „kannst Du mal eben ein Foto von mir machen?“. Der Deutsche von vorhin sitzt dekorativ mit den Füßen in einer Wanne auf den Stufen der Kirche. Ich mache sein gewünschtes Bild und setze mich dazu. Ein paar Meter entfernt von der Stelle, wo ich damals mit José eine sehr beeindruckende Begegnung hatte, entspanne ich mich auch jetzt plötzlich wieder mit einem Schlag in der Gesellschaft dieses Pilgers, mit dem sich einfach wunderbar locker reden lässt. Er plaudert von seinem Salzfußbad, das er jeden Tag gegen Blasen an den Füßen macht, erzählt von seiner trampenden Anreise an den Frankfurter Flughafen und dass er deswegen eine manierliche Jeans mitschleppt, weil er da einfach noch  nicht wie ein abgerissener Pilger aussehen wollte. Leider ist er sehr schnell unterwegs, 35 km am Tag, unsere Wege werden sich also schnell wieder trennen. Mich begeistert allerdings die Vorstellung, dass er bei dieser Schnelligkeit fast schon wieder gleichzeitig mit mir in Santiago ankommen könnte (begünstigt durch meinen Bus zwischendurch).

Während er zum Essen in die Bar geht, habe ich noch reichlich Vorräte. Ich bereite den Cherry-Tomaten und den heutigen Einkäufen ein Ende, während am anderen Ende des Tisches einige Deutsche sitzen. Ihren Themen nach zu urteilen erklärt sich für mich einiges. Es scheint sich um Betreuer zu handeln, und deren Hühnerhaufen hat ein zartes Durchschnittsalter von 17, was mich mit einem Schlag versöhnt und beruhigt. In diesem Alter spricht vermutlich nichts gegen das Niveau ihrer Gespräche. Spätestens, als wir ein warmes Kaminfeuer angefacht bekommen und eines der Mädels recht bemüht versucht, den Text im Führer zu lesen (und spätestens am Verständnis desselben weitgehend scheitert), überkommen mich fast Tränen der Rührung, als sie völlig begeistert und mit einem gewissen kindlichen Enthusiasmus entscheidet, unbedingt bei El Resti schlafen zu wollen, weil sie das dortige Handyverbot und die morgendliche Weckmusik toll findet. Erst ein paar Augenblicke später fragt sie dann nachdenklich, was denn El Resti ist und wie viele Tage man für diese 20 km braucht.

Ich greife meine Caminotradition auf und beginne, ein Armbändel für den so herzerfrischenden David zu knoten. Lange muss ich mich nicht allein beschäftigen, denn zwei junge Koreanerinnen und die beiden Spanier machen es sich ebenfalls in der Küche bequem. Der Überschwängliche heißt Domingo, und seinen brummeligen Freund ziert der höchst treffende Name Angel. Sonntag und Engel, hervorragend. Domingo arbeitet als Kellner, und offensichtlich hat es sich als geschäftsfördernd erwiesen, kleine Scherze in möglichst vielen Sprachen einstreuen zu können. Er quasselt wie ein Alleinunterhalter, und die zahlreichen „alles klar?!“ und „schöne Abend!“ ergeben nicht immer fürchterlich viel Sinn. Er lauscht geduldig meinen spanischen Bruchstücken (die vermutlich unabsichtlich noch weniger Sinn ergeben) und entertaint unsere kleine Gruppe, während wir eine geduldige Dolmetscherrunde abgeben. Ich versuche, die Koreanerinnen auf Englisch im Bilde zu halten und das Ergebnis dann Sonntag auf Spanisch zu kommunizieren. Angel versteht seltsamerweise anscheinend nichts davon; manchmal wechselt Domingo noch ein paar erklärende spanische Worte mit ihm bzw. erzählt uns stellvertretend für Angel, dass dieser Probleme mit den Beinen hat, dass er irgendwas mit Hühnern arbeitet, nachdem er vorher in einer Mine gearbeitet hat und einen Unfall hatte. Und dass er bemerkenswert wäre, er würde ohne reden verstehen. Auch wenn er kein Englisch verstehen würde, würde er es mit den Augen oder mit dem Herzen verstehen. Diesen Eindruck habe ich allerdings auch, spätestens, nachdem wir lustiges Alterraten machen (Sonntags Tipp, dass die Asiatinnen sicher unter 20 sind, übersetze ich ihnen lieber nicht) und sich Sonntag als „young boy“ ausgibt. Mein Blick fällt auf Angel, der keine Miene verzieht, aber unmerklich den Kopf schüttelt und ebenso unmerklich auf sich selber zeigt. Nachdem seine 51 Jahre schon abgeklärt sind, vermute ich wenig gekonnt 50 Jahre bei Sonntag, der aus allen Wolken fällt, dass er doch 38 wäre und wie die junge Damenwelt das denn um alles in der Welt nur nicht so sehen kann. Ich tausche ein unmerkliches Lächeln mit Angel und bin seltsam glücklich. Nicht nur, dass ich in dieser Herberge doch noch nette Menschen gefunden habe, sondern es bewahrheitet sich mal wieder, dass man nicht nach dem ersten Eindruck gehen sollte. Dass sich gerade der zahnlose Wüterich als feiner Kommunikationspartner nur über Blicke herausstellt, hätte ich wirklich nicht gedacht.

Der salzfußbadende David kommt mit zwei weiteren jungen Pilgern vom Abendessen zurück. Entweder, er hat ziemlich viel getrunken, oder er reagiert schnell auf Alkohol, auf alle Fälle sieht er leicht rotgesichtig und glasig aus. Die beiden anderen sind Franzosen, die zufällig schon lange zusammen laufen. Einer hat einen kleinen, weißen Hund, der unter der Wäscheleine in einem kleinen Körbchen schlafen darf, nachdem er so lammfromm ist (als ich etwas verzagt meine Wäsche abnehme und ihn leider doch beim Schlafen störe, öffnet er nur mäßig aufgeschreckt und aggressiv ein Auge). Der andere Pilger hat bereits in Frankreich begonnen, er ist schon 2000 km unterwegs. Er möchte mittlerweile möglichst schnell ankommen. Ich bin etwas überrascht, ich persönlich pilgere liebend gern je länger, desto lieber. Er meint, er wäre nicht unbedingt der Pilgertyp, aber seine Freundin hätte ihn gefragt, ob sie nicht langsam ein Haus kaufen und eine Familie gründen wollen, noch dazu wäre er sich mit seinem Beruf gerade nicht so sicher. Zaghaft frage ich, ob der Weg denn schon in irgendeiner Form eine Antwort gebracht hätte. Mit der Freundin ja. Irgendwie geht mich das ja nichts an, daher frage ich noch eine Spur zaghafter, wie denn die Antwort ausgefallen ist. Das „Ja“ ist eines der schönsten und beeindruckendsten Jas, die ich bisher erlebt habe. Ohne die Miene zu verziehen, strahlt er unglaublich von innen heraus.

David möchte wissen, wohin ich morgen gehe. Ich habe das Gefühl, dass er gerne noch mit mir laufen würde, was durchaus auf Gegenseitigkeit beruht. Trotzdem bin ich fast froh, Castrojeriz in 17 km Entfernung sehr klar auf dem Plan zu haben, was für ihn mit seinem 35 km-Plan definitiv zu kurz ist. Im Moment bin ich nahezu süchtig nach Caminofreundschaften und dem Gefühl von Seelenverwandschaften, was im Übermaß aber sicher nicht gut ist. Und zur Selbstfindung, Erdung und zum Auftanken auch nur bedingt förderlich.

Ich gebe ihm mein erstes Caminobändel mit dem Wunsch, dass er sein Mammutpensum gut durchsteht und wir uns vielleicht in Santiago wiedertreffen. Auch für Angel habe ich eins gemacht, er ist allerdings schon schlafen gegangen. Zu Gunsten eines unteren Stockbetts in einem anderen, später aufgeschlossenen Raumes. Seinen Sonntag hat er auch gleich mitgenommen. Sicher zwei Schnarcher weniger.

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Bereits seit dem Frühling und seit der Via de la Plata spukt mir bereits wieder die Idee im Kopf herum, trotz Heiligem Jahr und eventuell vermehrtem Trubel doch noch mal auf den Camino Frances zu gehen. Nachdem es plötzlich auch noch mit 2 Wochen Urlaub klappt, gibt es kein Halten mehr. Mein Plan ist (wie eigentlich schon im Frühling), in Burgos zu starten und einfach völlig ohne Stress und Planung so weit zu laufen, wie ich komme und von da den Bus bis Santiago zu nehmen. Der Gabelflug nach Madrid und zurück via Santiago ist schnell gebucht. Wenige Wochen vorher möchte ich noch die Busverbindungen klar machen und ausdrucken, von welchen Orten vor Santiago man wann abfahren kann. Mein fröhlicher Test auf beispielsweise Triacastela an einem Samstag, einen Tag vor meinem Rückflug, ergibt exakt kein einziges Ergebnis. Auch am Sonntag selber nicht. Optionen wie irgendwo um O Cebreiro morgens um 6 einen Tag vorher mit kompliziertem Umsteigen und dem Verlust eines ganzen Tages machen mich völlig konfus und verwirrt. Wie immer landen meine Gedanken in einer Endlosschleife aus Eventualitäten und Unmöglichkeiten, bis ich fast verzweifle. Der rettende Gedanke kommt in Form der Möglichkeit, doch bis Santiago zu laufen, aber einfach 14 Etappen vorher zu starten. Dafür kann ich mich spontan auch begeistern. Zwar nehme ich so eventuellen Trubel in Kauf und durchlaufe doch wieder eine Woche das mir recht wenig sympathische Galizien, aber dafür bekomme ich doch noch eine Compostela und erlebe Santiago, wie es sich gehört – mit der ehrlichen Erschöpfung eines Pilgers, der es zu Fuß geschafft hat. Rundum versöhnt durchforste ich die Busverbindungen beispielsweise nach Sahagún – an meinem Ankunftstag Samstag ein ähnliches Ding der Unmöglichkeit, allein schon wegen der moderat geeigneten Flugverbindung, die mich erst gegen 16 Uhr in Madrid ausspuckt. Im Stundentakt disponiere ich nun um. Doch Start erst in León, dafür aber Abstecher nach Finisterre. Aber selbst León lässt sich nicht in einem Tag erreichen. Letztlich versöhne ich mich damit, Burgos zu erreichen, dort zu übernachten und am nächsten Tag Richtung León zu fahren.

Wie üblich kommt doch wieder im letzten Moment alles anders. Auf meinem Sofa, das schon berüchtigt ist für spontane Planänderungen, fällt mein Blick plötzlich auf die Etappen der Meseta, ich rechne ganz grob durch und konsultiere meinen mittlerweile ständigen Begleiter, die alsa-Website. Alles fügt sich perfekt zu folgendem Endplan: statt Bus vor Santiago oder Bus ab Burgos nehme ich den Bus zwischendrin. An einem manierlichen Wochentag hat es mittags ab Carrion de los Condes eine Busverbindung nach Astorga. Carrion de los Condes sollte ich mit 4 Wandertagen erreichen, und mit Weiterleitung nach Astorga schaffe ich es nach der groben Etappenplanung meines Wanderführers bis Samstag nach Santiago. Ich bin überaus erleichtert, endlich eine Lösung gefunden zu haben und diese Ungewissheit abschließen zu können.

Wie üblich habe ich Chaos, Trubel und Stress bis zur letzten Minute. Als ich Freitag Abend von der Arbeit nach Hause fahre, kann ich mir schwer vorstellen, am nächsten Tag um diese Zeit bereits peregrina zu sein. Vor allem würde ich am liebsten meine üblichen Packlisten über Bord schmeißen. Die Mitnahme von Sonnenhut und Sonnenmilch erscheint mir lächerlich, umgekehrt der Verzicht auf jegliche Winterjacke fast schon unvernünftig und grob fahrlässig. Der Eindruck verstärkt sich noch, als mich an meinem Abreisemorgen die Geräusche von Eiskratzen zum Bahnhof begleiten. Mein morgendliches Rucksackwiegen hat horrende 9,9 kg ergeben (am Bahnhof gleich noch um ein Kilo Wasserflasche aufgestockt), ich weiß gar nicht, wo das alles her kommt. Bzw. vielleicht doch zum Teil. Ich habe mich gegen Frieren in meinem üblichen 800g-Billigschlafsack entschieden und für einen bereits vorhanden, superwarmen, leider auch superschweren 2 kg – Schlafsack. Zum ersten Mal habe ich eine Digitalkamera dabei (die natürlich ein Ladegerät benötigt), und auch von meinem riesigen 65+20 l Rucksack konnte ich mich wieder nicht trennen. Ich habe keine Ahnung von der Jahreszeit, die mich erwartet, ich habe ein halbes Jahr keinerlei Sport mehr gemacht und trage einen Rucksack, von dem ich jedem abraten würde. Mit dem recht untrüglichen Gefühl, wohlwissend in mein Unglück zu laufen, ist mir recht jämmerlich zumute.

Ich erreiche den Flughafen Zürich problemlos und im Zeitplan. Das Aufgeben des Gepäcks lichtet meine Laune, indem der aufzugebende Rucksack nur noch 7,9 kg wiegen soll. In meinem Handgepäck habe ich eigentlich weitgehend nur Fressalien, aber vielleicht habe ich davon ja auch 3 kg eingepackt. Während ich in der Wartehalle schon mal eifrig Gewicht zu dezimieren beginne, könnte ich mich ohrfeigen, dass ich auch mein Tagebuch samt geliebtem, ultraleichten Kuli mit im Handgepäck habe. Mir ist etwas in Erinnerung, dass ein Kuli auch schon potenziell problematisch ist. Beim Durchleuchten meines Handgepäcks stößt der Flughafenmitarbeiter am Kontrollschirm wirklich auch einen sehr erstickten Laut aus und wedelt panisch seine gesamte Kollegenschaft zu sich. Mein Hab und Gut sieht im ersten Moment wirklich recht beeindruckend aus und erinnert mich spontan an die giftigen, grünen Kugelketten aus „The Rock“. Ich versichere, dass es sich dabei um etwa 14 Cherry-Tomaten und 7 Mandarinen handelt. Die Atmung des guten Mitarbeiters normalisiert sich aber erst wieder, als wirklich jemand mit Handschuh meinen Beutel durchwühlt und neben besagten Flüssigkeitsartikeln nur Vollkornbrot, Salamisticks und Schokolade zu Protokoll gibt. Ich bin überaus erleichtert, vor allem über meinen Kuli, während ein altes Ehepaar am Nebenplatz fast in Tränen ausbricht vor einem ausgesonderten Stapel Shampoo, Körperlotion und Diätkonfitüre.

Mein Flieger startet zu spät, aber ich bin durchaus relaxt in dem Wissen, dass nach Burgos fast jede Stunde ein Bus fährt. In Madrid lasse ich es auch gleich langsam angehen, zur Gepäckausgabe zu kommen, kenne ich doch schon die gut einstündigen Wartezeiten. Das Gepäckband befördert noch munter Koffer aus Lima, sagt aber den ersten Koffer aus Zürich schon für in 5 Minuten voraus. Und das erste Gepäckstück ist dann allen Ernstes 5 Minuten später wirklich mein gelb eingetüteter Rucksack. Während ich eine vermutlich peruanische Restspinne von meinem Rucksack schnipse, versuche ich mein Handgepäck irgendwie unterzubringen. Wie üblich habe ich noch zu viele Tupperdosen und sperrige Artikel dabei (und 12 Cherrytomaten und 7 Mandarinen) und bin einfach noch packtechnisch schlecht organisiert.

Schlechte Organisation zeichnet auch meinen Geldbeutel aus, in dem gewichtsparend keine einzige Münze ist. Aber der Ticketautomat nimmt völlig problemlos einen Schein, ich bin ganz hin und weg, wie gut alles klappt. Während ich auf die Metro warte, wühle ich nach meinen Ausdrucken mit den Busabfahrtzeiten. Mit etwas Glück schaffe ich es auf einen völlig unerwarteten 15:30-Bus, ansonsten 16:30. Easy. Bis mein Blick auf das Datum fällt. Ich habe den Ausdruck bereits vor vielen Monaten gemacht, als ich noch dachte, erst Sonntags starten zu können. Statt Samstag halte ich Sonntag in Händen und bin höchst beunruhigt, ob die Busse heute überhaupt ähnlich häufig verkehren. Ich erreiche die Avenida America ganz kurz nach 15:30, aber auf der Anzeigetafel hat es alles mögliche, nur kein Burgos. Mir wird ganz anders. Vielleicht fährt heute überhaupt nichts mehr, oder von der anderen Busstation. Und wie ich die erreiche, hab ich überhaupt keine Ahnung. Und ob das dann noch rechtzeitig geht? Ich kiekse trotzdem für alle Fälle mal zaghaft meinen Ticketwunsch in Richtung Glasfenster – und bekomme völlig selbstverständlich ein Ticket hingeschoben. 16:30, und der Bus nennt sich eben auf der Anzeigetafel „Santander“, kein Wunder, er fährt eben noch weiter. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

Wieder steht mir also eine Stunde Wartezeit in dem tageslichtlosen, wenig einladenden Busbahnhof bevor. Spontan kommt mir die Idee, ja mal die Umgebung auskundschaften zu können. Ich bin fast schockiert, dass es nur 10 Meter und einer Rolltreppe bedarf, bis ich in Madrid oberirdisch bei strahlendem Sonnenschein und 21°C auf einer gemütlichen Bank Platz nehmen kann. Ich bin überaus beeindruckt, wie schnell die Welt doch unterschiedlich aussehen kann, und genieße überglücklich einen weiteren Teil meines essbaren Übergepäcks.

Die Fahrt nach Burgos verschlafe ich weitgehend. Die letzte halbe Stunde bin ich wieder wach und kann direkt in beeindrucktes, überglückliches Staunen überleiten beim Anblick der untergehenden Sonne über den Getreidefeldern. So langsam realisiere ich, dass ich wieder auf dem Camino bin, wieder laufe, den ganzen Tag in der Natur bin. Wahnsinn.

In Burgos wird es gerade dunkel, sodass ich mich schnell auf direktem Weg um eine Herberge kümmere. Die Strassen sind übervoll, während ich mich zu der kleinen Herberge über der Kirche durchwühle. Fast schon ängstlich scanne ich die Tür nach einem „completo“-Schild. Mit der Erleichterung ist es dann aber doch vorbei, als sich der Türgriff nicht drücken lässt und ich ein kleines „cerrado“-Schild erspähe. Nun denn, auf zur öffentlichen Riesenherberge. Obwohl es spät am Abend ist, laufen dort zwei einzelne Pilger vor mir hin, und in der Eingangshalle sind gleich 5 am Einchecken. Mir wird etwas mulmig, und als ich liebevoll den Aufzug in den fünften Stock erklärt bekomme, kippe ich schier aus den Latschen. Die Herberge ist bis unters Dach ausgebucht. Mich überkommt eine helle Panik, wie das dann erst in Zukunft werden soll. Fasst doch diese Herberge 170 Pilger.

Statt der erwarteten (und verhassten) Einzelkajüten spuckt mich der Aufzug in einem typischen Pilgerschlafsaal voller klassischer Stockbetten aus, in dem es werkelt und rumort. Ich fühle mich ausgesprochen unwohl und wie ein Fremdkörper, während ich versuche, irgendwo ein freies Bett auszumachen. Ich bin so verunsichert, dass ich nicht einmal die anderen Pilger wahrnehme, bis mich eine sehr strahlende Pilgerin bewusst grüßt. Ich grüße zaghaft zurück und positioniere noch zaghafter meinen Rucksack an einem noch frei zu scheinenden Bett. Ich weiß überhaupt nicht, was ich machen soll und wäre am liebsten unsichtbar. Ich packe meinen Foto und mache mich nochmal auf nach unten. Eine Pilgermuschel fehlt mir noch, aber die Exemplare in den Souvenirläden haben mir zu wenig Herz. Die Kathedrale hat bereits geschlossen, aber es soll nachher noch eine Messe haben. Ich fotografiere derweil ein bisschen um die Kathedrale herum, bzw. versuche mich mit der Kamera vertraut zu machen, von der ich natürlich auch wieder rein überhaupt keine Ahnung habe. Die Bildqualität ist enttäuschend moderat, dafür blinkt nach 10 Versuchen wild eine rote Batterie in der oberen Ecke. Das kann ja heiter werden.

In der Kathedrale im komplett gefüllten Seitenschiff läuft bereits ein Gottesdienst in der Endphase, und nach kurzem Zögern quetsche ich mich noch an einen halben Stehplatz. Auch hier wimmelt es gefühlt von Pilgern, ich entdecke sicher 10 verdächtige Trekkingjacken und Fleecepullis. Beim Gang nach vorne fällt mein Blick auf einen recht spektakulär aussehenden jungen, aber komplett grauhaarigen Mann, der recht frappierend an George Clooney erinnert. Mein routinierter Blick nimmt mit Freude Flipflops über Trekkingsocken zur Kenntnis. Spätestens anschließend stockt dann auch dem Rest der Gottesdienstbesucher der Atem, als der Beau sich durch eine vollbesetzte Reihe seinen Weg zurück zu seinem Platz bahnt – und bei dem wilden Balanceakt T-Shirt und Hose derart verrutschen, dass es definitiv zu viel Rücken für ein Gotteshaus ist.

Zurück in der Herberge frage ich das Team am Empfang, wieviele Pilger es denn hat. Nur 80. Vermutlich sind einfach nicht alle Stockwerke besetzt. Ich werde informiert, dass es jetzt ja schon sehr viele werden, weil der Papst ja am 06. November nach Santiago kommt. Im ersten Moment rechne ich begeistert, dass das ja eigentlich genau mein Terminplan ist. Bei näherem Hinsehen (und nochmal Nachgooglen und Finden von Zimmerangeboten für 500 Euro) wird mir aber ganz anders. Ich verbiete mir, überhaupt weiter darüber nachzudenken, was das noch für ein Pilgeraufkommen und für Komplikationen nach sich ziehen kann.

Ich bin seit meiner Ankunft komplett verunsichert, und das wird auch nicht durch das Sitzen in der großen Halle im Erdgeschoss besser. Ich habe das Gefühl, jeder starrt mich an und sieht, dass ich noch kein Pilger bin. Die Tatsache, dass ich nichts in meinem Rucksack finde und ständig wild am Rumkramen bin, tut sein übriges. Unten fühl ich mich unwohl, genauso aber oben im Schlafsaal. Als ich dorthin zurückkomme, sitzt ein Rudel weiblicher Deutscher in einem Kreis auf dem Boden und diskutiert wild und echauffiert recht banale Themen. Ich könnte im Boden versinken. Ich spreche deutsch und bin weiblich, also sollte ich da jetzt irgendwie dazugehören, freundlich „hallo“ sagen und mich unters Volk mischen. Aber das kriege ich echt nicht hin. Ich habe fast schon Hemmungen, mich bettfertig zu machen. Zum Umziehen springe ich lieber in eine Duschzelle. Für meinen Akku finde ich eine Steckdose. Während ich als erste im Bett liege, dröhnt eine Horde junger Italiener herein, die sprücheklopfend alle um mich herum ihr Bett haben. Ich bin total eingeschüchtert, irgendwie fühle ich mich hier gar nicht zu Hause. Während es auch nach 22.00 noch laut weiblich deutsch plappert (durch meine eigentlich schnarchdichten Ohrstöpsel hindurch) , versuche ich mich zu beruhigen, dass ich mir einfach ein bisschen Zeit geben muss. Es klappt sogar erstaunlich gut. Dafür bin ich um 23.00 schon wieder wach, umgetrieben von dem Gedanken, nochmal lärmmachend auf die Toilette zu können bzw. von der Sorge um mein Akku. Ich habe panische Angst, es morgen zu vergessen. Nach einer halben Stunde Wachliegen kommt die Angst dazu, dass es von den noch einzeln herumtappenden Pilgern geklaut werden könnte. Und wiederum eine halbe Stunde später sorge ich mich, ob es irgendwie überlädt, wenn ich es erst morgen abnehme. Glücklicherweise entschließe ich mich irgendwann sowohl zu WC als auch zu Einsammeln des Akkus und kann endlich beruhigt schlafen.

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Beim ersten Klappern bin ich schon wieder hellwach und kurz darauf auf den Beinen. Wie üblich ist es natürlich auch noch stockdunkel; ich verlaufe mich erstmal und trotte ziemlich ziellos in Atapuerca hin und her, bis sich noch andere Pilger aufmachen und es ein paar überzeugte Ideen mehr hat für eine Richtung, bei der ich mir nicht so ganz sicher bin.

Ich laufe durch unberührten Morgennebel und durch eine noch halb schlafende Kuhherde. Spätestens, nachdem mit mir eine Horde spanischer Radpilger entlang gekommen sind, ist es mit dem Schlaf dann wohl vorbei.

Ebenfalls beeindruckend ist eine längergezogene Ebene, auf der in Spiralform Steine angeordnet sind. Verbunden mit dem dunkel aufziehenden Himmel hat es etwas mystisches und ergreifendes.

Die letzten Kilometer geht es in Burgos durch ein Industriegebiet, das ich aber nicht als allzu schlimm empfinde. Ein Stück weit tut es vielleicht sogar gut, es erleichtert den Übergang von Camino zurück zur Realität. Trotzdem ist es ein komisches Gefühl, diesmal nicht Santiago als Ziel zu haben, keinen krönenden Abschluss. Wenn ich so nachdenke, ist es generell eine lustige Stimmung unter den Pilgern. Die allerwenigsten gehen bis Santiago durch, viele wollen wie ich nur bis Burgos, schnuppern zum ersten Mal ein bisschen Caminoluft und sehen es auch eher als Wandertour. Spirituelle Offenbarungen sind selten, ebensowenig religiöse Motivation. Zum Glück kann ich an mich halten, aber würde ich hier jemandem vorschwärmen, wie wunderbar es ist, in Santiago anzukommen, den Botafumeiro zu bekommen, in der Messe seinen Namen zu hören, „es geschafft zu haben“… ich glaube, die wenigsten würden mich verstehen. Die meisten der Burgos-Stopper finden, dass 2 Wochen zur Erholung ja reichen und es langsam auch reicht mit dem ständigen Laufen, langsam freuen sie sich auch wieder auf ihren Luxus zu Hause. Ich bin ein bisschen wehmütig, wenn ich an Gespräche kurz vor Santiago zurückdenke, mit Pilgern von den SJPDP oder von noch weiter her. Ihr Resümee der letzten Wochen, ihre leuchtenden Augen, ihre ehrliche Erschöpfung, ihre durchlittenen Höhen und Tiefen, ihre vielen Erlebnisse, ihr wirkliches Verlangen, nun endlich ankommen und den Abschluss erleben zu wollen, auf den sie seit Wochen hinarbeiten. Umgekehrt aber auch das Zögern, die Welt des Pilgerns wieder zu verlassen. Zurück in die alte Welt, aber mit all den Veränderungen der vergangenen Wochen. Ich bin wehmütig und fühle mich ein bisschen leer.

In Burgos warten schon einige Pilger am Camino vor einer neuen Großherberge, die ich noch nicht kenne. Sie soll in einer halben Stunde öffnen, und so beschließe ich zu warten. Das Gebäude ist riesig und modern, und während sich manche Pilger begeistert zeigen, ist es mir deutlich zu steril. Architektonisch wertvoll sind die Betten in Kabinen à 4 Betten angeordnet, eine Seite an der Wand, mit Blick auf den nächsten Kabinenblock. An den Seiten pro Block ein Waschbecken und eine Dusche. Ich neble mit meinem heißen Duschen also gleich mal fröhlich den ganzen Schlafsaal ein, aber es geht wohl nicht anders. Zwar bietet die Bettenanordnung größtmögliche Intimität, andererseits bekommt man auch von sonst niemandem etwas mit. Keine Ahnung, wer in den anderen Kajüten versorgt ist. Ich denke sehnsuchtsvoll an Schlafsäle à la Nájera, wo man mit einem Blick die 50 anwesenden Pilger in den unteren Betten und mit einem weiteren Blick den Rest in den oberen Betten überblicken konnte.

So ergreife ich auch recht schnell die Flucht und gehe auf Stadttour. Ich mache ein paar Erinnerungsfotos und durchquere die halbe Stadt auf der Suche nach einem schönen Supermarkt und Vorräte für morgen. Kaum habe ich die in der Herberge abgeladen, tippele ich wieder eigentlich in die gleiche Richtung zum Busbahnhof, um schon mal mein Ticket für morgen zu sichern. Auf dem Platz vor der Kathedrale (der es mir analog zu Santiago wieder angetan hat) treffe ich auf den Rotschopf von gestern mit seinen Kollegen, die sich gerade einen krönenden Kaffee mit Blick auf die Türme schmecken lassen. Cafe-erprobt, wie ich neuerdings bin, setze ich mich dazu.

Den Nachmittag bin ich aus unerfindlichen Gründen auch immer am Rumrennen, ich bin ziemlich unkoordiniert und irgendwann frustriert, dass ich fast mehr rumlaufe als an einem normalen Pilgertag. Irgendein Erinnerungsstück würde ich schon auch noch kaufen, Kitsch fällt allerdings flach. Viel anderes hat nicht geöffnet, es ist wie üblich spanische Siesta. Postkarten finde ich zum Glück (und springe zurück zum Hauptplatz, um sie dort zu schreiben), aber Briefmarken hat es dazu nicht. Ich suche und renne eine halbe Stunde auf der Suche nach einem Tabakwarengeschäft, das dann aber nicht aufmacht. Frustriert suche ich ein anderes, lande aber eine halbe Stunde später unverrichteter Dinge doch wieder bei dem Laden, bei dem dann doch endlich noch jemand gelangweilt die Tür öffnet. In einem kultigen Einrichtungsladen erstehe ich dann wenigstens noch einen kleinen Bilderrahmen, der zwar rein gar nichts mit Burgos oder dem Camino zu tun hat, aber das muss er ja zum Glück eigentlich auch nicht.

Ich möchte zum Abschluss die Messe in der Kathedrale hören, aber dort findet nur etwas in einem kleinen Seitenräumchen statt, was mich nicht wirklich erfüllt. So rase ich noch schnell zur zeitversetzt beginnenden Messe unterhalb meiner alternativen Burgos-Herberge, aber auch dort finde ich nicht die gewohnte Ruhe. Sehr wahrscheinlich liegt es daran, dass ich heute nicht am Pilgern, sondern am Rasen bin.

Recht lauffrustriert, erschöpft und mit dem Gefühl, nun wirklich alles erledigt zu haben, gehe ich endgültig zurück in die Herberge. Im riesigen Saal im Erdgeschoss hat es zwar Tische, leider aber keine Küche, sodass die zahlreichen Pilger alle recht unkoordiniert aus irgendwelchen Tüten essen. Nichts schafft mir so ein heimeliges Gefühl, als mit ein paar anderen Pilgern in einer Küche am werkeln zu sein. Immerhin hat es hier einen Überblick à la Nájera, so sehe ich z.B. die beiden netten Jungspunde von gestern wieder. Ich setze mich in meine Kajüte und mache noch ein letztes Bändel fertig, aber als ich wieder unten bin, sehe ich sie nicht mehr. Ich durchstreife die verschiedenen Stockwerke, aber die Kajüten sind wirklich blickdicht, es sei denn, man marschiert direkt hinein, und dabei habe ich zu so einer verlassenen Zeit dann auch ein eher unwohles, halbkriminelles Gefühl.

Dafür treffe ich zurück im Esssaal den wie immer unglücklich hinkenden Belgier, der mich etwas schief anlächelt. So bekommt er mein vorletztes Bändel. Er ist dermaßen ergriffen und berührt, das mir fast selber die Tränen kommen.

Auf alle Fälle fühle ich mich danach wirklich endlich richtig abgeschlossen und ein Stück weit versöhnt mit mir und meinem Camino September 08.

Am nächsten Tag geht es mit dem Bus nach Madrid und per Flieger über Genf wieder nach Hause.

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Vor mir liegt eine Woche durch die Meseta, eine als karg beschriebene Hochebene. Ich freue mich sehr darauf, zum einen fehlt sie mir noch in meinen Camino-Etappen, zum anderen reizt mich diese Erfahrung. Ich pilgere ja nicht, um ständig ein Bilderbuchpanorama zu genießen, sondern wegen „Erfahrungen“ und „Begegnungen“ – und wo könnte man die besser finden als in Eintönigkeit und Einsamkeit.

Auch heute scheint schon am frühen Morgen die Sonne, als ich meinen Weg durch Burgos suche. Allerdings bläst auch ein ziemlicher Wind, sodass ich irgendwann mein Halstuch hervorhole und mir ein rasantes Stirnband umbinde, um meine Ohren zu schützen. Leider friert dann dafür der Hals, und ich bereue ein wenig meine knallharte Gewichtskalkulation. So stolz ich war auf ein Halstuch mit nur 17 g Gewicht, so sehr wünsche ich mir jetzt einen vergleichsweise sündig schweren Fleeceschal. Das Halstuch um die Ohren rutscht ständig, und irgendwann ziehe ich kurzerhand die Regenjackenkapuze über, gut festgezurrt. Jetzt sehe ich zwar kaum mehr etwas und höre erst recht nichts, aber wenigstens müssen meine krankheitsbesorgten Gedanken nun nicht mehr um eine Mittelohrentzündung kreisen.

Der Weg ist erwartungsgemäß sehr wenig begangen. Außer mir läuft in ähnlichem Tempo ein Mann mit Hosen in Armee-Tarnfarben, unsere Wege kreuzen sich mehrmals, sobald einer wegen einem Foto oder einer kurzen Rast stoppt. Als ich meine Frühstückspause mache, überholen mich einige Pilger. Einer grüßt mich, als ob er mich kennen würde, und erst hinterher gelingt mir die Zuordnung; es ist der Spanier aus dem Gottesdienst.

Als Burgos hinter mir liegt und die Meseta beginnt, bin ich überwältigt. Überall Wiesen von sattestem Grün, dazu der strahlend blaue Himmel, die strahlende Sonne, der Weg mit weißen Steinen… kein Geräusch von Autos, nicht mal am Horizont eine Stadt zu sehen, kein Mensch weit und breit. Dieses Gefühl müsste man konservieren können, ich habe den Eindruck, dass dieser Ort unendlich starke, positive Energien ausstrahlt.

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Trotz frierender Ohren scheint die Sonne so stark, dass ich zur Sonnenmilch greife. Leider hat auch da der Gewichtspar-Rausch überwogen, und ich frage mich, wie ich mit wenigen Millilitern Sonnenmilch auskommen soll, wenn ich jetzt eine Woche ohne einen einzigen schattenspendenden Baum durch die gleißende Sonne laufe.

An einer einsamen Kirche sitzt ein Pilger an die Wand gelegt und hält seine dampfenden, besockten Füße in den Wind und sein glücklich entspanntes Gesicht in die Sonne. Es ist wieder der kleine Spanier.

Weit vor mir taucht ein Pilger auf, und obwohl ich nur die Silhouette sehe, bin ich fasziniert. Er trägt einen kleinen Rucksack, was ihn von den „Pilgerneulingen“ unterscheidet, die ihren halben Hausrat mitschleppen, aus Angst, sie könnten mal unterwegs Lust auf einen Cappuccino bekommen und aus diesem Grund Pulverpäckchen und Campingkocher mitnehmen. Auch wandert er, aus der Ferne erkennbar, mit nur einem Stab, einem klassischen Pilgerstab, der etwa so lang sein muss wie der Pilger selber. Ich dagegen klappere eher hektisch mit meinen beiden Teleskopstöcken durch die Gegend. Ich versuche, mein Tempo etwas zu steigern, und ich komme nahe genug, um zu erkennen, dass der Pilger lange, lockige Haare hat. Aber faszinierenderweise, während ich am Limit im Sekundentakt stöckele, ich hole ihn nicht ein, und das, obwohl er seinen Stock völlig ruhig nur alle paar Schritte aufsetzt und auch sonst nicht sehr in Bewegung zu sein scheint. Dieses Phänomen habe ich schon häufiger beobachtet. Die routinierten Pilger, die sich von Etappen- und Gepäckplanung und Organisationssorgen lösen können, scheinen in Einklang mit einer höheren Instanz förmlich zu schweben. Diese Erscheinung vor mir erinnert mich recht vehement an meine Vorstellung von Jesus, und ich würde ihn gerne einholen. Aber da bin ich schon in Hornillos del Camino, meinem heutigen Etappenziel. Ich habe die Wahl zwischen 20 km oder dem nächsten Ort, der 30 km bedeuten würde. 20 km ist mir eigentlich zu wenig, ich fühle mich sehr unausgelastet, zumal erst Mittag ist. Ich weiß aber auch aus Erfahrung, dass 30 km am ersten Tag keine sehr weise Entscheidung ist.

So setze ich mich schweren Herzens in dem kleinen Ort vor der Herberge, die erst um 14 Uhr öffnen soll, in die Sonne und warte. Leider wird es mit dem Wind recht schnell recht kalt, aber als ich mich in den Windschutz der Kirche begebe, friere ich erst recht im Schatten. Ich ärgere mich über meine schwachsinnige Planung, wieso habe ich nur gedacht, im April wäre alles wie im September. Hier frieren mir trotz Sonne fast die Hände ab, mein Hintern wird eiskalt, mein Hals friert, und ich habe eh gerade die totale Krise, weil die wenigen Pilger alle fröhlich weitergehen und nur ich Weichei hier Station mache.

Ich mache ein kleines Nickerchen, und als ich die Augen wieder aufmache, kommt gerade wie aus dem Ei gepellt der kleine Spanier aus der Herberge. Er hat schon geduscht und eingecheckt, während ich irgendwie dachte, bis 14 Uhr warten zu müssen. Super. Er geleitet mich zur Bar des Dorfes, wo die Herbergsleiterin arbeitet. Ich habe ein Deja-Vu mit dem Busbahnhofschaltermann, auch hier verstehe ich rein absolut nichts von ihrem wilden Wortschwall. Je verzweifelter ich schaue, desto schneller und mehr redet sie. Irgendwann redet sie dann auf den Spanier ein, und ich bin erleichtert, dass sie wohl ihn instruiert. Er zeigt mir daraufhin die Herberge, er redet wunderbar langsam und lieb und fragt zum Abschluss sogar, ob es okay ist, wenn er jetzt kurz in die Bar was essen geht, während ich dusche.

Ich dusche, wasche meine erste Wäsche im kleinen Gärtchen der Herberge und beziehe ein Bett im malerischen Kellergewölbe. Da steht auch schon ein wohlbekanntes Gesicht (wenn auch ohne die charakteristische Lesebrille) im Türrahmen, und ich habe deutsch anmutende Gesellschaft. Ich weiß gar nicht, ob ich mich darüber freue oder nicht. Doppelt so alt wie ich, nimmt sie jegliche Planung in die Hand und entscheidet sich für ein gemeinsames Kochen mit mir am Abend. Den Tag fand sie bisher anstrengend, alles tut ihr weh, und ich traue mich kaum, etwas anderes zu empfinden. Eher frustriert strecke ich mich auf meinem Bett aus und schlafe ein.

Geweckt werde ich von der wild schimpfenden und gestikulierenden Herbergsmama, die offensichtlich nicht einverstanden ist, dass wir und ein paar weiter dazugekommene Pilger uns im Kellergewölbe breit gemacht haben, solange der kleine Raum im Erdgeschoss noch nicht voll belegt ist. Mir ist das sowas von wurst, mich nervt nur ihre Art, und so packe ich dann halt meine Sachen und ziehe nach oben, wo leider alle guten Betten schon belegt sind und mir der mittlere Platz in einem oberen Dreierstockbett bleibt. In dem Raum logiert auch der kleine Spanier, und kaum habe ich alles glücklich transferiert, nimmt er mich am Arm und schiebt mich wieder die Treppe runter. Er hätte mit der Dame gesprochen, dass es ja nicht gut wäre, wenn ich als einzige Frau da unter lauter Männern schlafe, und jetzt dürfte ich natürlich im Keller schlafen. Arg. Immerhin wechseln wir noch ein paar Worte in dem dunklen Keller, er lacht viel (wahrscheinlich wieder über mein komisches Spanisch), und inmitten der kurzen-Etappen-Frustration, der mürrischen Deutschen, der hektischen Herbergsleiterin und dem etwas verlorenen Gefühl funkeln seine strahlenden dunklen Augen ganz wunderbar warm und beruhigend.

Der Nachmittag ist lang und untätig, im Keller ist es kalt, draußen dank dem Wind leider auch. In der Küche hat sich eine Horde kartenspielender Spanier niedergelassen, die laut brüllen und lachen und mir irgendwie Angst machen. Draußen haben sich zwei Deutsche gefunden, ein junger und ein doppelt so alter, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Vermutlich hat er Paulo Coelho gelesen und weiß jetzt alles. Sie fachsimpeln über ihr angelesenes Wissen, als hätten sie es selber erlebt, und ich kriege die Krise bzw. denke „lass sie nur ja nicht merken, dass Du auch deutsch bist“. Ich schippere recht deutlich auf eine fatale Stimmung zu und werfe allen Stolz über Bord und beschließe, den Spanier zu suchen und mich an seinem Lachen und seinen dunklen Augen aufzutanken. Aber er schläft. Und einen Wildfremden wachrütteln und sagen „heh, bespass mich!“, dass kann ich nun wirklich nicht.

Ich setze mich recht verzweifelt auf die Bank vor der Kirche in die Abendsonne und schicke ein intensives Gebet an die Instanz, die ich auf dem Jakobsweg so präsent weiß. Ich bete um etwas Zuversicht und Halt, und ehrlichgesagt auch um den kleinen Spanier, dass er ihn aufweckt und zu mir kommen lässt.

In dem Moment höre ich die schwergängige Tür der Herberge, und in der hellen Sonne reibt sich ein kleiner Spanier völlig irritiert die verschlafenen Augen. Er blinzelt und kommt lächelnd auf mich und meine Bank zugesteuert. (Sowas kann nur der Camino).

Ich weiß gar nicht, was wir geredet haben, vermutlich etwas Smalltalk, aber ich erinnere mich nicht detailliert. Er heißt jedenfalls José, und er pilgert zum unzähligsten Mal. Er glaubt ganz fest an Gott, und er macht immer wieder diesen Camino, um aufzutanken. Der Camino gibt ihm (und das ist das einzige, woran ich mich erinnere) Hoffnung, Kraft, Glaube, Energie, Glück… er wiederholt es immer wieder auf Spanisch, er hat eine wunderschöne tiefe Stimme und guckt mich eindringlich mit seinen wunderschönen Augen an. Und ich fühle mich, als würde ich gerade eine Infusion an eben diesen Dingen bekommen (und ich habe sie ein wenig bitter nötig). Jose betankt mich ganz unheimlich mit guten Energien, und ich fühle mich so unendlich erleichtert, weil mich hier einer absolut versteht. Er ist ein Pilger mit Leib und Seele, und offensichtlich glaubt er wie ich an die Magie des Caminos und spürt die selben Dinge wie ich.

Ich danke ihm für seinen Einsatz als Herbergseinweiser für mich und frage, wo er denn morgen als Hospitalero arbeitet. Und nachdem er von seinen Kochkünsten erzählt, verpflichte ich ihn zu einem Beweis. Für heute bin ich aber ja schon mit der Lesebrille verabredet, und irgendwie bin ich darüber plötzlich auch ganz froh. Mir dämmert so langsam, dass ich ganz schön aufdringlich gewesen bin und schäme mich in Grund und Boden.

Kurz vor 19 Uhr betritt eine weitere interessante Gestalt den gut zu überblickenden Dorfplatz. Der Pilger mit raspelkurzen Haaren trägt einige riesige Tüten mit Plastikflaschen und fragt auf Spanisch, wie denn die Herberge wäre. Die Antwort scheint ihn nicht zufriedenzustellen, bei näherem Hinsehen handelt es sich sowieso um eine Pilgerin, und sie geht kritisch vor sich hingrummelnd erst einmal in die andere Richtung zu den Müllcontainern, wo sie seelenruhig die Flaschen einsortiert. Ich bin recht beeindruckt davon, wie man so spät am Abend noch an einer Herberge herummosern kann, wenn die nächste Möglichkeit 10 km entfernt ist.

Ich koche mit der Deutschen; sie hat extra noch Gewürze und Öl gekauft, damit in der Herbergsküche mal etwas für die zukünftigen Pilger ist. Ich vermute, dass diese Idee viele haben, aber die rüstige Herbergsmama das jeden Morgen eifrig entsorgt, damit die Pilger lieber in ihrer Bar absteigen.

Pilgerin Raspelkurz hat nun doch eingecheckt und lässt sich (ähnlich euphorisch) zu unseren Spaghetti dazueinladen. Ich beginne ihre Art cool zu finden, sie ist einfach schonungslos direkt und hält nicht viel von Konventionen oder formeller Höflichkeit. Sie ist Engländerin und was sie erzählt, fasziniert und beeindruckt mich enorm. Sie läuft nur so 10 – 15 km am Tag, je nachdem, wie sie Lust hat. Sie setzt sich gern mal stundenlang wohin, sie redet mit den Leuten, spielt mit den Kindern – und sammelt nebenher Müll entlang des Caminos ein. In Herbergen, die keinen Müll trennen, geht sie gleich gar nicht. Die Frau hat Prinzipien, beachtlich. Sie ist neuerdings Gesangslehrerin, Hauptrichtung Gospel, und sie findet, dass eigentlich jeder singen kann; am liebsten singt sie mit Leuten, die denken, sie könnten nicht singen. Da trifft sie bei mir natürlich auf einen wunden Punkt und eine große Sehnsucht zugleich.

Ich, die ich auch bei meinem dritten Camino immer recht fix durch die Gegend klappere, bin beeindruckt davon, dass man sich auch unter jeden schönen Baum setzen könnte. Ich habe noch nie einen Kaffee mit Leuten entlang des Wegs getrunken oder ihnen im Garten geholfen und dafür Proviant mitbekommen. Ich bekomme hier gerade ein tolles Konzept aufgezeigt.

Es wird später und wir sitzen irgendwann allein in der Küche. Der kleine Spanier im Nachtdress winkt mir schüchtern lächelnd eine gute Nacht zu, und die Engländerin erzählt plötzlich von ihren Problemen. Sie erhofft sich von dem Camino, dass sie mit ihren Stimmungen besser umgehen lernt. Sie schweigt und ich weiß erst nicht, ob ich lieber schnell das Thema wechseln soll. Aber nach einer Weile erzählt sie von selber davon. Ich verstehe sie so gut, es berührt mich so, und ich weiß so sicher, dass der Camino ihr dabei helfen wird. Bzw. dass sie so eine starke Person ist, dass sie das in den Griff bekommen wird. Leider kann ich ihr das nicht so recht deutlich machen, und plötzlich gehen die Lichter aus und der Herbergsvater moniert sofortige Nachtruhe. Selbst das Zähneputzen ist ihm zu laut, und wir sind reichlich zerknirscht. Eigentlich bin ich immer pünktlich im Bett und leise, ich habe einfach nicht daran gedacht. (Die Engländerin ist natürlich nicht zerknirscht, sie verschickt nur einen vernichtenden, bösen Blick).

Welch ein Tag. Ich stehe noch völlig unter Strom von all den Erlebnissen. Die wunderschöne Meseta, der schwebende Jesuspilger, mein unglaublich erhörtes Gebet, die Infusion von José und diese faszinierende Engländerin. Der Camino hat mich wieder fest im Griff, juhu!

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Die Idee zu meinem dritten Camino kommt ganz spontan wie eine Eingebung. In meinem normalen Leben fühle ich mich in allen Belangen ein klein wenig entwurzelt.
Statt wie sonst mit monatelanger Vorfreude, Überlegen, Planen, am Gepäck Feilen vergehen diesmal nur 2 Wochen zwischen der Idee, dem Buchen des Flugs und meiner Ankunft in Spanien. Ich habe 3 Wochen vor mir, es sollte so grob reichen, um bis nach Santiago zu kommen. In meinem Rucksack fehlt bestimmt die Hälfte, aber ich war diesmal einfach zu müde, mich mit dem üblichen akribischen Eifer mit diversen vergleichenden Checklisten, einer Küchenwaage und Unmengen von eventuell mitzunehmendem Krempel hinzusetzen.

Ich lande in Bilbao, wo ich mich fast schon ein wenig zu Hause fühle. Immerhin weiß ich, wie der Flughafen aussieht, wo der Bus zum Busbahnhof abfährt und wie man sich dann dort zurechtfindet. Optimistisch möchte ich mein Busticket kaufen, aber der Herr am Schalter redet mir viel zu schnell, undeutlich und vor allem ungeduldig. Etwas anderes als Spanisch will er nicht sprechen, und ich komme leider auch nicht weiter. Zum Glück nähert sich eine Spanierin aus der Warteschlange, die mir dann hilfsbereit das schnelle Spanisch des Herren in langsames Spanisch für Anfänger übersetzt, und so komme ich doch noch zu meinem Ticket. Eigentlich fahren die Busse nach Burgos alle 2 Stunden, aber ich habe ein dummes Mittagsloch erwischt und habe 3 Stunden Wartezeit vor mir, auf einem Busbahnhof, der mir Angst macht und mit einem Spanisch, das offensichtlich doch nicht so gut ist, wie ich dachte.

Ich mache mich auf zu meinem generell stimmungshebenden Lebensmitteleinkauf, aber ich finde erst gar keinen Laden, frage mich von einer Richtung in die andere durch und ende dann mit einem Einkauf von Lidl, in deutscher Sprache beschriftet und moderat spanische Pilgerlebensart ausstrahlend. Ich setze mich auf eine Art Parkbank mitten an der Straße, wo mit mir eher dubiose Gestalten sitzen. Als vermeintlich sichersten Nachbarn habe ich mir einen alten Mann ausgesucht, der es zwar nicht auf meinen Rucksack abgesehen zu haben scheint, dafür aber hustet wie frisch dem Lungensanatorium entsprungen.

Alles in allem fühle ich mich verlassener und hoffnungsloser als noch in Deutschland, zumal mein Kopf hämmert wir verrückt. Eine Woche vorher habe ich mir den Kopf angestoßen, seitdem drückt es ein bisschen, aber dieser momentane Schmerz lässt mich in meiner motivierten Stimmung an eine Hirnblutung denken, und ich sehe mich schon fernab des vertrauten Jakobswegs in einem Krankenhaus von Bilbao oder noch schlimmer hier auf dieser Parkbank enden.

Glücklicherweise siegt die Automatie, ich greife mechanisch nach einer simplen Kopfschmerztablette in meinem Gepäck und bin nach einer Viertelstunde schon wieder deutlich eher auf der Seite der Lebenden und noch höchstens migränegeplagt.

Ich trödle wieder zurück zum Busbahnhof, wo ich mich trotz der dubiosen Gestalten für ein Schläfchen entscheide – quer über meinen Rucksack gelegt und in allen Schlingen, Gurten und Trägern verhakt.

Als ich wundergeheilt ohne Kopfschmerzen wieder aufwache, sitzt neben mir auf der Bank eine interessante Erscheinung. Wie aus einer Bibliothek eingeblendet, kerzengerade, mit Lesebrille und hochgezogenen Augenbrauen, schmökert dieser Lockenkopf mittleren Alters nicht etwa in gehobener Literatur- sondern in dem roten Reiseführer, den auch ich (wieder nur in gewichtssparende Stücke zerteilt) im Gepäck habe. Auch sie will nach Burgos zum Pilgern, und ich fühle mich wieder wie auf dem Camino.

Nach einer Weile schiebt sich ein junges Kerlchen ins Blickfeld, sehr deutlich auch als Pilger zu erkennen. Er ist erst 17, aus Österreich und eine ganz wunderbare Mischung aus Lebensfreude, Spontaneität – und Verplantheit. Spanisch kann er absolut überhaupt nicht, sodass ich ihm erstmal seinen Busplan erkläre. Er hat sich nämlich den „domingo“ herausgesucht, dabei ist es mitten unter der Woche. Wenn ich schon spontan gebucht habe, dann er noch spontaner. Er hat nämlich auch keine Ahnung, was auf ihn zukommt. Hinsetzen will er sich nicht, er hibbelt lieber vor uns auf und ab vor lauter Vorfreude auf „sind da alle so in meinem Alter?“ (was ihm einen vernichtenden Blick von unter der Lesebrille einbringt) und „ich lauf dann wohl mal so 40 km am Tag?“. Plötzlich kommt ihm eine Eingebung und er durchforstet seinen Rucksack nach einem Cowboyhut. Damit sieht er aus wie Indiana Jones, aber er ist deutlich erleichtert und ruhiger, schließlich denkt er, dass er „damit dann aussieht wie ein richtiger Pilger“. Er fährt nach Pamplona („das hat er sich als Start jetzt irgendwie mal so gedacht, oder ist das nicht gut?“), und als ich ihm einfach nur mitgeben will, dass er sich nicht so einen Kopf machen braucht, sondern einfach mal abwarten und drauf loslaufen soll, wird er ganz nachdenklich, was seine Kondition angeht. Schließlich (und da zieht es mir schier die Schuhe aus) hat er einen Herzfehler und in den letzten Jahren schon zwei Herzinfarkte oder Schlaganfälle gehabt. Und vielleicht ist da zu viel Belastung ja gar nicht gut. Aber schon rückt er sich seinen Hut wieder zurecht und damit die Welt wieder in Ordnung, grinst unsicher hibbelig erwartungsfroh und beschließt, es einfach mal auszuprobieren. Dann geht auch schon sein Bus (den er vor lauter Eifer schier verpasst hätte), und ich bin ganz durcheinander von dieser Begegnung. Beeindruckt von seiner positiven Lebenseinstellung, angesteckt von seiner Freude und Energie, wehmütig, dass sich unsere Wege schon wieder so schnell getrennt haben – und auch ich bin ordentlich zurechtgerückt, was meine selbstmitleidige Grundeinstellung angeht.

Gegen 16.00 kommt dann endlich auch der Bus für mich und die eher kritische Lesebrillenpilgerin. Sie hat eine eher konträre Art zu Indiana Jones. Vielleicht nicht weniger nett, aber ich habe so meine Probleme mit der nordisch-ruppigeren Art, durchweg sarkastischen Kommentaren und Lachanfällen, bei denen ich nicht so recht weiß, ob sie mit oder über mich lacht. Sie missbilligt meine geplanten Etappenlängen und meine für heute geplante Herberge, sodass ich nicht unglücklich bin, dass es sie wo anders hinzieht und wir nicht den Abend zusammen verbringen werden.

Die Einfahrt nach Burgos fühlt sich wunderschön an; die Abendsonne strahlt, der Himmel ist wolkenlos blau, und ich sehe die Türme der majestätisch weißen Kathedrale. Für’s erste verabschieden wir uns, und jeder geht erwartungsfroh seinen Herbergsplänen entgegen.

Um keinen unnötigen Stress zu bekommen, habe ich mich entschieden, zu so später Stunde gleich die Großherberge etwas außerhalb in einem Park anzusteuern, anstatt die sicher bereits seit Mittag ausgebuchten Kleinherbergen in strategisch besserer Lage abzuklappern. Nachdem ich aber keine Ahnung habe, wo diese genau liegt, führt mein Weg die wenigen Meter in die bekannte Herberge, bei der vor 2 Jahren mein erster Camino geendet hat. Irgendwie möchte ich diesen Kreis schließen, dort anknüpfen, wo ich aufgehört habe.

Die Herberge liegt im dritten Stock über einer kleinen Kirche, und voller Erwartung laufe ich die bekannte Wendeltreppe hoch. Aber statt einem Saal voller geschäftiger Pilger und voller Rucksäcke und Stiefel ist der Raum ausgestorben und wohl im Umbau befindlich. Irritiert laufe ich die Treppe wieder hinunter, ob ich eventuell ein Hinweisschild übersehen habe. Aber dort steht ernsthaft, die Herberge sei geöffnet. Ich zweifle ein wenig an meinem Verstand, als ich nochmal die Treppen hochlaufe und in den dunklen Raum spähe – und Tatsache, was ich für Malerwerkzeuge und zusammengerollte Teppiche gehalten habe, sind in Wirklichkeit einige schlafende Pilger. Ich bin reichlich durcheinander, warum alles so leer ist, aber andererseits auch erleichtert. Offensichtlich muss ich hier nicht jemanden suchen, um nach dem Weg zur Großherberge zu fragen, sondern kann direkt hier bleiben.

Irgendwann kommt ein älterer Hospitalero vorbei und stellt mich den langsam wieder erwachenden anwesenden Pilgern vor. Ich bin etwas angestrengt mit der spanischen Sprache, aber es geht doch deutlich besser als mit dem Herr am Busbahnhof. Ein Spanier schält sich gerade wieder in seine Hose und lacht über meine Wortbruchstücke und Sorgen deswegen. Die beiden amüsieren sich auf Spanisch, und ich wechsle ein paar Worte mit zwei Amerikanern in den Nachbarbetten. Beide sind voller Pilgerstimmung, ruhig, freundlich zuhörend, gelassen… es ist eine Wohltat, und nach den ganzen Irrungen und Wirrungen im Vorfeld fühle ich mich zwar sehr erschöpft, aber irgendwie auch endlich daheim.

Eine Stunde später erscheint im Dunkel der Treppe ein weiterer Neuankömmling – es ist der Lockenkopf, der seine Traumherberge verschlossen vorgefunden hat. Wir freuen uns beide irgendwie über etwas Bekanntes.

Offensichtlich ist der Camino um diese Jahreszeit deutlich weniger begangen. Nachdem ich sonst im September unterwegs war und es nicht anders kenne, habe ich unbewusst angenommen, dass es immer recht überlaufen wäre, man zeitig in den Herbergen sein müsste, um einen Platz zu bekommen… die Amerikaner kennen umgekehrt nicht meine Erfahrungen und sind etwas verwundert über meine Überraschung.

So sind wir gegen Abend 7 einsame Pilger in der Herberge von so einer großen Stadt, und während die Gruppe solidarisch ein Restaurant aufsucht, ist es mir zu viel Trubel für heute, ich will heute nur noch meinen Gottesdienst unten in der Kirche und dann schlafen.

Die Kirche ist spärlich besucht, aber glücklicherweise kenne ich im Gegensatz zu vor 2 Jahren schon ein wenig die Abläufe, kann das Vater Unser auf Spanisch, verstehe den Moment des „Friede-sei-mit-euch“-Händeschüttelns und fühle mich nicht mehr so hilflos auf dem Präsentierteller.

Als ich die Kirche verlasse, fällt mir in der hinteren Reihe ein bekanntes Gesicht auf. Es ist der (wie ich jetzt merke) erstaunlich gutaussehende Spanier, dem ich in der Herberge vorgestellt wurde. Er sieht jung aus, und ich bin überrascht, ihn hier im Gottesdienst anzutreffen, anstatt mit den anderen beim fröhlichen Abendessen.

Es ist noch nicht einmal 21 Uhr, da liege ich schon im Bett. Und obwohl ich noch keinen Meter gepilgert bin und heute morgen noch recht verlassen in Deutschland war, fühle ich mich schon wieder genauso, wie ich es als Peregrina kenne. Der Dank für das gemütliche Bett, die Geborgenheit der Herberge, das Wissen um die netten, freundlichen Pilger drumherum, die Nähe Gottes, das Gefühl, nicht viel mehr machen zu können und zu müssen, als früh schlafen zu gehen, um Kräfte für morgen zu tanken…

Die Aussicht, das 3 Wochen lang zu haben, ist wunderschön!

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