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Archive for September 2010

Epilog 04/10

Im Vorfeld wurde mir die Via de la Plata als wunderschöne Wegalternative für Pilger, die Einsamkeit und Ruhe vom Pilgertourismus suchen, beschrieben. Das hat es voll getroffen.

Landschaftlich wunderschön, die blühenden Mohnfelder, die duftenden Orangenblüten und mein Favorit, die Dehesas mit den würdevollen Rindern, den Korkeichen, den Steinmäuerchen und der wunderbar ruhigen Atmosphäre. Dazu die Herbergen in wunderschönen Gebäuden, mit neuen Matratzen und frisch bezogener Bettwäsche. Moderate Etappen, keinerlei körperliche Probleme.

Es war ein wunderschöner Fernwanderweg, hatte aber für mich nicht diese Magie, die ich mit dem Camino Frances verbinde.

Die Via hat erst recht meine Sehnsucht danach neu entfacht. Nach dem Gefühl, in einer wildfremden Kirche und Gemeinde jeden Abend auf’s Neue eine wunderbare Geborgenheit zu spüren. Nach Entbehrung, Verzweiflung und Erschöpfung; Gefühle, mit denen ich mich den Pilgern Jahrhunderte vor mir verbundener gefühlt habe als den Touristen heute. Vor allem aber auch nach den Mitpilgern, den Suchenden, Verunsicherten, Unschlüssigen; nach der Offenheit, mit der man sich gegenseitig seine Sorgen und Zweifel offenbart hat. Und damit dem tröstlichen Gefühl, nie allein zu sein. Nach den magischen Begegnungen, in denen mir jemand Trost, Kraft, Fröhlichkeit und Glauben spenden konnte – und denen, in denen ich die Hand damit gefüllt bekam und selber zu so einem Spender werden konnte.

Wahrscheinlich hat mir vor allem Gott  gefehlt. Sicher kann man ihn auf der Via genauso finden, vielleicht hätte ich ihn zu einem anderen Zeitpunkt im Leben oder mit einer anderen Wahrnehmung auch dort genauso magisch gespürt. Vielleicht war dieser Camino für eine Erkenntnis gut, die weniger offensichtlich war wie die Magie.

„Der Camino/Gott gibt Dir nicht, was Du willst, sondern was gut für Dich ist“

Die Intuition, die mich im April auf die Via de la Plata geschickt hat, schickt mich nun nächsten Monat wieder auf den Hauptweg. Ich bin gespannt, was er diesmal für mich bereit hält.

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