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Archive for April 2009

Epilog April 2008

Bereits während des Caminos musste ich manchmal an eine Stelle aus dem vierten Band Harry Potter denken. Als Harry in einem finalen Showdown seinem Gegner gegenübersteht und unterzugehen droht, bis sich plötzlich aus seinem Zauberstab leuchtende Nebel lösen und die Gestalt von verstorbenen Freunden und Verwandten annehmen. Sie formieren sich hinter ihm, lächeln einfach kraftvoll und unterstützend und geben ihm so die Kraft, seinen Gegner zu besiegen.

Das Gefühl, unterzugehen, hatte ich mehrere Male. Aber seit diesem Camino kann auch ich in meiner Phantasie grünlichblaue Schleier aufsteigen lassen. Von Angelo mit seinem seligen Goldklumpenblick, dem ruhigen Per mit seinem zuversichtlichen und irgendwie allwissenden Lächeln, Jelle, den nie etwas aus der Ruhe bringt, José mit seinen dunklen Augen,  seiner tiefen Stimme und seiner Überzeugung, dass Gott einen immer wieder mit Hoffnung und Kraft und Freude betankt. Die singende Nonne aus Peru, die strahlend ihre Gitarre bearbeitet, ungeachtet des kraftlosen Pilgergrüppchens vor ihr. Der dröhnende Helmut, der mich zum Abschied segnet. Und nicht zuletzt die Erinnerung an den kraftvoll schwingenden Botafumeiro in Santiago.

So viel Kraft in nur 3 Wochen.

Nach zwei Wochen wieder zu Hause überrascht mich eine Mail von Aurélie. Sie gibt drei Termine zur Auswahl, wann wir sie denn besuchen wollen, um mal mit unseren internationalen Treffen zu starten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber einen Monat später verbringen wir wirklich ein wunderschönes Wochenende in ihrem Chalet in den Bergen von Frankreich. Als sie mich abschließend zum Zug bringt, kann ich mir eine Frage bezüglich Angelo nicht verkneifen. Sie lächelt gelassen und meint „of course, we love each other very much“. Aber es ist Caminoliebe, ihr Leben hat andere Pläne für sie. Ich bin bis heute sehr beeindruckt von der Offenheit dieses Satzes und von Aurélie allgemein.

Ein paar Monate später besuchen mich Jelle und Aurélie in der Schweiz, wieder später gibt es eine Mini-Reunion von Jelle und Aurélie in Belgien.

Angelo habe ich nie wieder gesehen. Sein Leben und seine Arbeit sind sehr geschäftig, seine Ruhe hat er nur auf dem Camino gefunden. Ab und zu schreiben wir uns wunderschöne Mails. Sie lassen ihn vermutlich mitten in seinem stressigen Büro den Goldklumpenblick lächeln.

An José musste ich die ersten Wochen noch sehr viel denken. Wie auch bei Angelo verliert sich der Pilger in ihm im stressigen Berufsalltag sehr schnell. Auf dem Camino meinte er einmal, ich könnte seine Seele lesen. Vermutlich brauche ich zumindest seine dunklen Augen oder die Berührung mit ihm, um mit ihm auf unsere einmalige Art kommunizieren zu können.

Jelle ist für mich genau der Freund geblieben, wie er es auf dem Camino war. Wie versprochen hat er meine Muschel in Muxia dem Meer übergeben – und er hat seine dazugebunden, um uns für immer zusammen zu halten.

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Obwohl mein Flieger erst am Nachmittag geht, stehe ich früh zusammen mit meinen liebsten Pilgerfreunden Jelle und Angelo auf. Jelle möchte mit dem Bus nach Finisterre, er hat nur noch 2 Tage. Angelo läuft zu Fuß über Finisterre nach Muxia und fühlt sich erst bei der Rückkehr so richtig angekommen. Das erklärt natürlich auch, warum ihm die gestrige Pilgermesse noch nicht wichtig war.

Er startet ganz früh im Morgengrauen. Der Abschied ist komisch und bewegend. Wir umarmen uns lange, und er schaut mich wieder mit diesem speziellen Goldklumpenblick an, eine Mischung aus sehr zufrieden, unheimlichem Strahlen und Stolz. Ich weiß nicht, was er in mir sieht. Zwar kann ich seine Gedankengänge normalerweise problemlos nachvollziehen, aber der Inbegriff geistiger Höhenflüge bin ich nun wirklich nicht. Wann immer er seine philosophischen Gedankengänge mit mir teilt, scheint ihn eine immense innere Zufriedenheit zu erfassen und er scheint Zugang zu Gott zu finden. Meine Eigenbeteiligung daran ist vermutlich gering.

Genauso unerklärlich wie unsere Freundschaft ist, so unerklärlich zerreißt es mir auch fast das Herz, ihn weggehen zu sehen, zum ersten Mal seit ich ihn kenne ohne das Wissen, ihn am gleichen Abend wiederzusehen. Zum letzten Mal seine strahlenden, ruhenden Augen, sein hellblaues Stirnband, sein 2 Meter hoher Pilgerstab, sein meditativ schwebender Gang. Jelle und ich schauen ihm vom Fenster der Herberge nach, wie er ruhig, monoton und sehr allein Richtung Sonnenaufgang und Richtung Kathedrale davongeht, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Wir frühstücken in der Herberge, dann begleite ich Jelle zum Busbahnhof. Am liebsten würde er noch einen Tag mit mir in Santiago bleiben, aber ich überrede ihn resolut zu Finisterre und einer Wanderung nach Muxia. Auch dieser Abschied fällt schwer, ist allerdings weitaus weniger mystisch behaftet. Wir haben sehr viel miteinander geredet, er kommt mir vor wie ein guter Freund, den ich seit vielen Jahren kenne. Insofern fühlt sich auch der Abschied an wie von einem guten Freund – „schade, aber wir werden uns ja schreiben und in Kontakt bleiben und irgendwann schon auch wieder mal sehen“.

Als ich mich durch die dunklen Katakomben des Busbahnhofes wieder nach draußen wurstele, laufe ich direkt in einen grauhaarigen Herrn. Ich brauche einen Moment, bis ich realisiere, dass es Helmut ist. Wie üblich donnert und wettert er vor sich hin, er hätte sich verlaufen, das wäre hier ja fürchterlich ausgeschildert, er wäre jetzt einfach mal den Rucksäcken nachgelaufen, und wo es denn jetzt hier zur Kathedrale geht. Das Ganze ist etwas unwirklich, allein schon, wie man sich in den Busbahnhof verlaufen kann und in dessen Tiefen die Kathedrale suchen. Und überhaupt, wo kommt Helmut so plötzlich her? Ich wähnte ihn mehrere Tage hinter mir. Ach, schnickschnack, er hätte das Trödeln nicht mehr ausgehalten. Ein cooler (und ziemlich zäher) Kerl mit seinen über 70 Jahren. Er ist sichtlich erleichtert, dass ich ihn jetzt zielsicher an der Kathedrale abliefere.

Bis zur Mittagsmesse habe ich noch etwas Zeit. Ich hole meine Sachen aus der Herberge und mache es mir auf meinem Lieblingsplatz bequem, direkt vor der Kathedrale. Immer wieder tauchen bekannte Gesichter auf, so auch der Deutsche ganz vom Anfang, bei dem ich dachte „nur nicht zu erkennen geben, dass ich auch deutsch bin“. Interessanterweise ist er mir noch genauso unsympathisch wie damals. Er fragt nach der Messe, und als ich ein bisschen von gestern ins Schwärmen komme und vom fliegenden Weihrauchkessel erzähle und meiner Freunde über „jeder bekommt den Empfang, den er verdient“, lächelt er mitleidig und weiß, dass der im Sommer jeden Tag geschwenkt wird. Ich bin mir da nicht so sicher, aber der Gute hat ja schließlich schlaue Bücher gelesen, und dann ist das so, wie ja auch sein ganzer Camino. Ich denke mir meinen Teil.

Auch der sportliche, schlanke Bademeister, den ich in Astorga und Villafranca getroffen habe, sitzt auf dem Mäuerchen. Ich frage nach seinem siamesischen Zwilling, den ich nur immer ächzend, keuchend, schwer atmend, feuerrot und schweißüberströmt in Erinnerung habe. Die Frage entlockt ihm nur ein wütendes Schnauben, sie hätten sich getrennt, der wäre ja nicht mehr ganz dicht. In einer Herberge wäre er ausgerastet und mit einem Messer auf jemanden losgegangen. Ihm wäre alles zu viel geworden. Mir tut das ziemlich leid, eigentlich hat seit Beginn jeder den Kopf über die beiden geschüttelt und ein ungutes Gefühl gehabt. Für seinen Kollegen wären sicher kürzere Etappen in eigenem Tempo geeigneter gewesen.

Gegen Mittag sammelt sich der verbliebene Pilgerrest in der Messe; ich sitze mit Aurélie und Mutter und Helmut. Es erfüllt mich fast mit einer gewissen Genugtuung, dass das Seil des Botafumeiros heute leer bleibt. Im Gang taucht plötzlich ein bekanntes Gesicht auf – der Kollege des Bademeisters, der gerade erst Santiago erreicht hat. Ich zeige begeistert auf die Reihe vor mir, wo sein Freund aus Kindheitstagen sitzt. Intuitiv denke ich, dass sie sich freuen, sich wiederzusehen, nachdem sie seit den getrennten Wegen keinen Kontakt mehr hatten. Aber er schaut abschätzig und meint, dann will er heute lieber nicht in dieser Messe sitzen und geht wieder. Ohne sie näher zu kennen, macht mich das doch ziemlich betroffen.

Nach der Messe verabschiede ich mich schnell von allen und lege einen atemlosen Sprint zum Busbahnhof hin. Mit wohlgeplantem Timing erwische ich genau den letzten Bus zu meinem Flug nach Hause.

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Heute steht die Erfüllung eines kleinen Traumes auf dem Programm – ich möchte pilgernd nach Santiago kommen, am besten atemlos rennend noch die Pilgermesse um 12 Uhr erwischen und meine Mitpilger voller Freude auf dem Kathedralenplatz umarmen. Freudentaumel pur. Soweit die Theorie.

Um dem Ganzen ein wenig näher zu kommen, liege ich die halbe Nacht wach, einen Wecker oder Handy habe ich nicht. Um 6 Uhr möchte ich loskommen. Prompt schlafe ich dann doch zu dieser Zeit, aber zum Glück weckt mich Jelle (mit Handy) auf und wir schleichen wirklich ganz geräuschlos aus dem Schlafsaal, um draußen im Flur mit Taschenlampenlicht alles ordentlich zu verpacken.

Die Abkürzung, die ich gestern nochmal überprüfen wollte, aber da auch nicht wirklich gefunden habe, sparen wir uns in aller Frühe sicherheitshalber und laufen die paar Hundert Meter zurück. Am letzten Tag nur keine Experimente mehr.

Zum ersten Mal laufen wir komplett von Anfang bis Ende zusammen. Ich hüpfe wie ein Flummi durch die Gegend, sobald ich die bekannten Anzeichen des Flughafens und der Fernsehstationen sehe und Santiago immer näher rücken weiß. Bei Jelle hält sich die überschäumende Begeisterung in Grenzen, aber er bekommt ja heute auch nicht einen kleinen Traum erfüllt.

Beim Ortsschild von Santiago bin ich schon so weit, dass ich ihm vor Begeisterung den halben Rucksack eintrommele. In der ersten Bäckerei genehmige ich mir ein Schokoladencroissant; wir sind so schnell gelaufen, dass wir gut 2 Stunden zu früh ankommen.

Komischerweise kenne ich die Straßen noch wie im Schlaf, jede Ecke kommt mir bekannt vor, gerade, als hätte ich hier mal ein paar Monate studiert. Die Herberge hat noch geschlossen, aber wir (d.h. ich) wollen ja eh direkt zur Messe. Traumwandlerisch finde ich auf Anhieb das Pilgerbüro, wo wir unsere Compostelas bekommen. Kaum habe ich das gute Stück in der Hand, merke ich, dass mein Name falsch geschrieben ist. Ich bin schon halb draußen, als ich dann doch beschließe, zu reklamieren. So ganz oft bekommt man ja doch keine Compostela. Die Dame ist sehr freundlich, entsorgt das erste Exemplar und reicht mir freundlich lächelt die neue Version. Leider stimmt es immer noch nicht, ich muss nochmal über meinen Schatten springen und reklamieren. Sie verbessert es wenig formschön. Nun denn.

Mit viel zu viel Zeit wird es zwar nun nichts mit hektischem glücklichen in die Messe rennen, aber das tut meiner inneren Glückseligkeit keinen Abbruch. Dafür haben wir alle Zeit der Welt, uns den Premiumplatz in der Kirche zu sichern – im Seitenschiff, zweite Reihe, ganz am Gang, linke Seite, wo wir die singende Nonne erwarten. Jelle kauft sich noch schnell einen Rosenkranz im Souvenirshop.

Wie im Vorjahr betritt die unscheinbare Nonne eine Viertelstunde vor 12 die Kirche. Sie bittet diszipliniert um Ruhe und studiert mit uns die Lieder ein. Ich fühle mich ganz seltsam, wie kurz vor einem lang ersehnten Ziel, in dem Wissen, dass es noch nicht erreicht ist, aber auch nichts mehr dazwischenkommen kann. Alles läuft in Zeitlupe und wie durch eine Nebel ab, aber es fühlt sich wunderbar an.

Die heute angekommenen Pilger werden verlesen, wir spitzen die Ohren. Letztes Jahr waren mit mir etwa 10 andere deutsche Pilger angekommen, die in Leon gestartet waren. Diesmal gibt es nur eine Alemana, die in Burgos gestartet ist, Wahnsinn. Jelle und ich erwachen gerade noch rechtzeitig aus unserem stillen Freudentaumel, um den einzelnen Belgier aus Ponferrada zu hören. Es ist komisch, was ein kurzer Satz in uns auslösen kann.

Nur noch übertroffen vom Anblick der dunkelrot gekleideten Herren, die den Botafumeiro hereintragen. Wahnsinnwahnsinnwahnsinn, wir bekommen den Botafumeiro. Jeder bekommt den Abschluss, den er verdient. Ein albernes Sprüchlein, aber in diesem Moment das Tüpfelchen auf dem i.

Wild rauchend wird er mit Weihrauch befüllt und dann von 6 Männern mit kräftigen, wohlkoordinierten Bewegungen in Schwung gebracht. Der Riesenkessel rauscht wirklich knapp einen Meter an mir vorbei. Als dann auch noch die Nonne wunderschön dazu singt und die Orgel donnert, komme ich aus dem Schluchzen nicht mehr heraus. Jelle nimmt meine Hand und drückt sie ganz fest. So sitzen wir, bis die Messe fertig ist und sich die Reihen leeren. Durch die Fenster oben fällt ein heller Lichtstrahl direkt auf unsere Bank. Wir sitzen still und vergießen Tränen.

Als ich aufschaue, sehe ich einen Pilger mit gesenktem Kopf den Hauptgang entlanglaufen. Er studiert gedankenverloren einen Zettel. Wir winken wie wild, denn es ist Angelo. Er kommt zu uns herübergeschwebt. Dass er in Santiago ist (und gerade die Messe verpasst hat), hat er noch nicht so recht realisiert. Er sucht jetzt erstmal den Platz, an dem er seine sorgsam aufgeschriebenen Wünsche ablegen will.

Anschließend wollen wir zusammen Angelos Empfehlung folgen und in einer Art Kloster übernachten. Dort war er auf seinem letzten Camino, es wäre sehr schlicht, aber eigentlich genau das, wonach es mir jetzt auch stehen würde. Leider hat es geschlossen, sodass wir doch wieder in das umfunktionierte Priesterseminar ziehen.

Für den Abend haben wir uns alle zusammen zum traditionelle Gratisessen im Parador verabredet. Bis dahin genieße ich eine ewig lange, dekadent heiße  Dusche, wir gehen in den Supermarkt, essen dekadent besondere Sachen wie Salätchen und Empanadas und sitzen in der Sonne auf dem Kathedralenplatz. Aurélie und ihre Mutter kommen am späten Nachmittag. Für freudige Umarmungen bleibt wenig Zeit, denn die Mutter ist müde und möchte jetzt schnell in die Herberge – noch bevor sie kurz in die Kathedrale können. Zum Glück ist Aurélie nicht übermäßig religiös, sodass es ihr nichts auszumachen scheint. Ich finde es recht beeindruckend, sie laufen seit 7 Jahren etappenweise am Jakobsweg ab Frankreich, haben nun endlich ihr großes Ziel erreicht – und gehen als allererstes in die Herberge.

Während meiner eher ziellosen Gänge durch die Gässchen Santiagos treffe ich auf Angelo. Er ist in philosophischer Bestform und erzählt mir von toten und lebendigen Wörter, ähnlich eindringlich wie die Geschichte mit dem Kuchen. So wie ich es verstehe, reden manche Menschen seiner Ansicht nach ohne Seele oder ohne wirkliche Überzeugung, nur Phrasen und Dahergesagtes. Und in anderen Worten lebt eben etwas, im Idealfall lebt dort Gott. Zum Abschluss schaut er mich wieder verträumt an, meint, ich würde lebende Worte reden und klopft mir anerkennend lächelnd auf die Schulter.

Am Abend warte ich schon eine Stunde zu früh als erste mit meiner Kopie vor dem Parador-Garageneingang. Auch Jelle und Angelo kommen wie besprochen kurz darauf, ebenfalls mit Kopie. Die beiden Französinnen dagegen lassen sich Zeit, erscheinen zeitgleich 10 Minuten zu früh mit einem Angestellten, der schon mal durchzählt und darauf hinweist, dass die Originalcompostela nicht geht und man eben eine Kopie braucht. Und die haben die beiden unbekümmerten Damen natürlich nicht. Ich renne mit ihren Originalen los, den gleichen Spaß hatten wir ja schon im Vorjahr, nur ist da Andi gerannt. Ich erwische eine Seitenstraße in Universitätsnähe, frage mich hektisch mit den Compostelas wedelnd nach einem Kopierer durch, sprinte mit meinen Flipflops wieder zurück und habe zumindest das theatralisch Dramatische, was heute morgen noch ein bisschen gefehlt hat, en perfection. Punkt 19.00 erscheint der Bedienstete und sammelt die entgegengereckten Kopien ein, wie eine Staffelholzübergabe drücke ich schnell noch die beiden französischen dazwischen und bin überglücklich. So auch der Rest der Gruppe, bis Aurélie bemerkt, dass ich jetzt ja gar nicht mehr drin bin, die 10 sind voll, und ich habe ja nicht angestanden. Das war mir schon auch klar und tut der Freude ja keinerlei Abbruch. Ich freue mich, meinen liebsten Mitpilgern den Abschluss im Parador ermöglicht zu haben und möchte mich gern nochmal ein wenig vor die Kathedrale setzen. Angelo findet das jetzt annähernd ähnlich kompliziert wie Einkaufen, dass ich da jetzt nicht mitkomme. Für mich ist alles fein, aber die Gruppe macht Kindergeburtstag und diskutiert (vor dem sichtlich genervten Angestellten und den restlichen Abendessenpilgern) so lange herum, bis sie beschließen, dann eben gar nicht zu gehen. Ich kann das nicht glauben und rege mich furchtbar auf. Zum einen, warum die da jetzt nicht einfach friedlich zu viert essen gehen können, zum zweiten, warum niemand akzeptieren kann, wenn ich sage, dass etwas gut so ist, und zum dritten, statt dessen gehen wir jetzt in glückseliger Großgruppe alle zusammen irgendwo feiern. Das ist ja so etwa genau das, was ich mir für meinen letzten Abend gewünscht habe. Arg. Ich bin konsequenter Selbstversorger, das ist eine Art persönliche Pilgerregel. Aber was ich will, zählt ja eh nicht, wie schön.

Wir suchen stundenlang nach einer passenden Essgelegenheit, natürlich gibt es bei fünf Leuten fünf Geschmäcker, und wenn einer davon noch Angelo heißt und mal wieder eine Formel aufstellt, wie das perfekte Restaurant sein soll, dann ergibt das genau das, was ich mir unter unkomplizierter Freiheit und Selbstbestimmtheit vorstelle. Ich bin denkbar schlecht gelaunt.

Wir finden eine urige, non-tourist Tapas Bar, nachdem Angelo beschlossen hat, dass es sowas sein soll und man, um diese zu finden, am besten schwangere Mütter mit Kinderwagen fragt. Nach einer repräsentativen Umfrage an ungefähr 10 Testpersonen gibt es zum Glück eine Häufung für eine Bar in der Nähe.

Wir probieren diverse Tapas durch, und ich muss sagen, so richtig viel ist mir Selbstversorger nicht entgangen. Muscheln in diversen Varianten sind sehr lecker, aber ansonsten überwiegt mein Groll, dass ich hier in ein Restaurant geschleppt wurde. Die glückliche Runde plant derweil heiter, dass man sich doch hinterher mal treffen könnte (oh ja, wir wohnen ja auch nur in Belgien, Frankreich, Italien und der Schweiz verstreut. Sehr realistisch). Ich grummele und grolle vor mich hin, wozu soll ich überhaupt noch was sagen.

Anschließend sitzen wir noch in der Herberge an einer Santiago-Torte, Aurélie hat nämlich Geburtstag, wie wir erst jetzt erfahren. Meine Grummelgrollstimmung verschwindet mit einem Schlag und macht einem eher schlechten Gewissen Platz, wie ich zu so einer missgünstigen Stimmung komme. Haben doch die vier auf ihr Parador-Essen verzichtet, weil ihnen unter anderem auch ich wichtig bin.

Passend zum Abschluss sind auch wieder die beiden Ungarn mit von der Partie. Irgendwann fällt mir auf, dass Jelle weg ist. Aurélie weiß, dass er noch ein bisschen spazieren gehen wollte. Um 22.00. Ich gehe ihn suchen und finde ihn wie erwartet nicht weit vom Eingang auf der Treppe sitzen. Der sonst so unerschütterliche Fels in der Brandung wirkt heute Abend etwas emotional verwirrt. Während ich mich ein Stück weit die letzten Tage immer mehr auf zu Hause gefreut habe, macht ihm der Abschied von allem sehr zu schaffen. Das Pilgern, wo er zum ersten Mal entspannen konnte, soll bald vorbei sein, zum ersten Mal hat er Freunde gefunden, das soll bald vorbei sein, hier konnte er zum ersten Mal seit Jahrzehnten weinen, hier kann er über Gefühle und Emotionen reden und hier nimmt ihn mal jemand in den Arm, wenn es ihm schlecht geht. Wie sich nun herausstellt, tut seine Frau das trotz „perfect relationship“ nie, und über Gefühle wird auch nicht geredet. Ich bin geschockt. Zugleich ziehe ich aber auch reflexartig meinen tröstenden Arm um die Schulter weg. Mir hat heute die Hand in der Kirche schon zu denken gegeben, die Moralpredigt bezüglich José und dass Hände nur nur nur was für den Partner sind, ist nicht einmal eine Woche her. Und „perfect relationships“ möchte ich gleich gar nicht relativieren.

So klopfe ich ihm dann lieber mal resolut auf die Schulter und überrede ihn, wieder in die Herberge zu kommen. Die erschöpfte Mutter sowie die Ungarn sind mittlerweile schon im Bett, und von Angelo und Aurélie verabschieden wir uns dann auch schnell ins Bett, nachdem sie wohl auch gerade einen schweren Abschied teilen.

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Seit gut einer Woche schälen wir uns morgens in noch etwas klamme Stiefel, legen sämtliche Schichten Fleece und Regenmontur an, laufen 5 Stunden mit gesenktem Kopf durch grauen Nieselregen, ohne Pause, um nicht kalt zu werden. Und finden es jeden Tag aufs Neue einfach wunderbar. Wenn das mal nicht Camino-Magie ist.

Ich bin froh, mittags an der Herberge Jelle zu treffen; wir sind die ersten und bekommen Luxusbetten. Die Herberge ist in kleine Nischen eingeteilt, zum Gang hin rechts und links ein Stockbett, und hinten hinaus zu einem kleinen Erkerfenster zwei Einzelbetten. Diese Einzelbetten haben wir bekommen, und es ist ein ungewohntes und ausgesprochen angenehmes Gefühl, sich gemütlich von Bett zu Bett unterhalten zu können, ohne einen Buckel machen zu müssen oder sich ständig den Kopf anzuschlagen.

Hier hat es neben dem Luxusbadezimmer auch noch eine Luxusküche, sodass ich endlich mal wieder meine geliebte Pilgermahlzeit kochen kann, Pasta mit Tomatensoße, Paprika und Oliven.

Recht früh am Nachmittag taucht auch Angelo auf; offensichtlich ist selbst ihm heute aufgefallen, dass es regnet und kalt ist. Er setzt sich zu uns in die gemütliche Bettenecke. Wir beschließen, heute Abend zusammen zu kochen. Jelle fragt, wann denn Aurélie kommt, und nachdem ich mir ein aussagekräftiges Grinsen nicht verkneifen kann, ist Angelo etwas verschnupft und meint, das wisse er doch nicht. Ach so.

Dafür ist Angelo heute in ungewohnter Plauderlaune. Als Consultant gibt er Jelle zuerst einmal Tipps, wie er seinen Beruf entstressen könnte. Es ist für mich eine interessante Erfahrung, Angelo einmal in einem anderen Licht zu sehen. Für mich ist er eher der verträumte, selig lächelnde Philosoph, und die Facette des erfolgreichen und scharfsinnigen Marketing-Menschen ist beeindruckend.

Anschließend wird es wieder philosophisch, wie ich ihn kenne. In einem sehr beeindruckenden Gespräch erzählt er von einem Buch über die Geschwister Scholl und ihren gewaltlosen Widerstand. Ihn hat das sehr bewegt und beeindruckt, vor allem, sein Leben für einen höheren Sinn zu geben. Ich verstehe, was er meint. Er erklärt einen Vergleich zu einem Kuchen, bei dem man an der Oberfläche bleiben könnte, oder es gäbe eben Menschen, die wollten tief in den Kuchen, wollen Fragen beantwortet, wollen mehr wissen, müssen Risiken eingehen. Die Situation ist einmalig und irgendwie bewegend. In unserem Eckchen sitzen wir auf unseren Betten, Jelle versteht nicht so furchtbar viel, während Angelo 10 Minuten mit leuchtenden Augen und seinem doch sehr ausgeprägten italienischen Akzent von „peoppel who a in da cake!“ und „peoppel who a not in da cake!“ philosophiert. Ob der Cake letzten Endes ein stimmiges Beispiel ist oder nicht, ich verstehe, was er meint und dass ihm dieses Thema in dieser Lebensphase sehr auf der Seele brennt. Auch mir ist das nicht fremd, und als er schließt, dass wir wohl beide „in da cake“ sind, ist das die schönste Beschreibung unserer Freundschaft überhaupt. Angelo strahlt mich stolz und zufrieden an, als wäre ich ein Goldklumpen, der ihm gerade vor die Füße gefallen ist.

Mit großem Hallo kommen die beiden Ungarn (bzw. nur einer ist laut. Der mit der Bundeswehrhose schweigt eigentlich immer). Auch Aurélie und Mutter treffen patschnass ein, zu Angelos sichtbarer Erleichterung. Wir machen gerade reihum Fotosession auf unseren Betten, auch Aurélie will knipsen. Es gibt tolle Nebelbilder, weil ihr Foto noch beschlägt. Und nachdem sie sich mit patschnasser Hose den beiden Herren auf den Schoss setzt, strahlen die Bilder nachher auch eine sehr ungekünstelte Heiterkeit und Ungezwungenheit aus.

Mit der ist es dann schlagartig vorbei, als Jelle, Angelo und ich losziehen, um für den Abend in großer Runde einzukaufen. Ich möchte am liebsten meine Paella machen und bin leider kein Anhänger der lauten Großveranstaltung. Auch nicht von stundenlangen Überlegungen im Supermarkt. Mein Vorschlag, dass ich doch einfach Paella mache als Vorspeise, und der Rest kann schauen, was er sonst noch machen möchte, ruft bei Angelo eine skeptisch-kritische Stirnfalte hervor. Man müsse doch jetzt erst einmal generell klären, ob die Paella nun erste oder zweite Speise sein soll. Er möchte dann die verwendete Reismenge noch in einem komplizierten Verfahren durch seinen Thunfisch und seine Eimenge multiplizieren, um auf den optimalen Eiweißgehalt verbunden mit der richtigen Kalorienzufuhr zu kommen. Allein schon die zwei verschiedenen Thunfischsorten bewegen ihn dazu, eine Abstimmung durchführen zu wollen, und bei seinen veranschlagten vier Eiern pro Person spar ich mir meinen Einwand dann auch ganz schnell, als er wieder mit der Muskelmasse-Wander-Energie-Logik aufwartet. In einem unbeobachteten Moment fallen Jelle und ich uns in die Arme in einer Mischung aus Verzweiflung und Amusement. Glücklicherweise läuft das bei uns sonst komplikationsloser.

Ich bin etwas genervt am Kochen, nachdem Angelo nun auch Zweifel hat, ob die Qualität meines Werkes zu dem Abend passt. Ich bin geneigt, das superkollegiale Gruppenessen zu verwünschen, es beschränkt  mich schon wieder enorm in meiner Camino-Freiheit.

Der laute Ungar möchte auch etwas zum Essen beitragen, er kocht uns eine typisch ungarische Suppe. Ich sehe, wie Angelo mit gerunzelter Stirn die primero-segundo-Frage durcheinandergewürfelt sieht und bin einem Anfall nahe. Zum Glück wendet er sich aber lieber konzentriert dem Aufschlagen seiner 28 Eier zu.

Meine Paella muss auf die geplante spezielle Würzung verzichten. Ich bin mir zwar sicher, mittags noch ein fast volles Glas Paprikapulver in der Küche gesehen zu haben. Als ich Jelle danach frage, zeigt er grinsend auf den Ungarn. Neben diesem steht tatsächlich das komplett entleerte Glas.

Wir sind mit Kochen und Tischdecken fertig, als ein älterer Amerikaner in die Küche kommt und sich sehr penetrant in unsere Runde einlädt. Für meinen Geschmack ist er ein bisschen merkwürdig, er möchte hinterher in einer Zeitung schreiben. Er findet es beeindruckend, „part of a historical movement“ zu sein. Irgendwie ist er so begeistert von dem Gesamtkonzept, den Klischees und was ja andere davon denken könnten, dass er ganz vergisst, wirklich darin einzutauchen.

Entgegen meiner leichten Abneigung gegen die auferlegte Großrunde und die gesamtheitlich beschlossene Feierstimmung ist es ein netter Abend. Selbst Angelo zeigt sich überrascht von meiner Paella, ich hätte die ja wirklich gekocht und gewürzt (was dachte der denn?). Zum Nachtisch gibt es Santiago-Mandeltorte von Aurélie.

Im Bett bin ich ein Stück weit erschöpft. Ich freue mich langsam aufs Ankommen sowie auch auf zu Hause, um meine neu gewonnenen Erkenntnisse in die Realität umsetzen zu können. Auch tut heute mein rechter Fuß ein bisschen weh; es passt genau, dass Santiago naht.

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Die Nacht ist erstaunlich warm, ich friere nicht wie üblich in meinem ultraleichten Ultrabilligschlafsack. Zum Frühstück habe ich gleich noch eine leckere Fleisch-Empanada von gestern (die Vorräte müssen ja mal weg).

Das Wetter ist heute besser, es nieselt nur noch und schüttet nicht mehr. Vielleicht kommt es einfach immer auf den Vergleich an – etwas, was mich schon wieder an Angelos Geschichte gestern denken lässt. Eigentlich ist nie etwas ganz gut oder ganz schlecht, vielleicht ist vieles wirklich nur eine Einstellungsfrage.

Ich laufe schon wieder mit Jelle, als wir Mélide erreichen, eine größere und industriellere Stadt als sonst üblich. Hier hoffe ich, meinen Teleskop- Stock repariert zu bekommen. Ein Stück hat sich verklemmt, ich bekomme ihn nicht mehr klein zusammen. Zum einen ist mir das klappernde Stöckeln etwas lästig, zum anderen muss ich ihn ja spätestens für die Heimreise wieder klein in meinen Rucksack bekommen. So steuern wir ein Geschäft an, das sehr nach Handwerkerbedarf aussieht. Trotz zahlreichen Bohrmaschinen hat der Verkäufer aber keine Zange (oder versteht mein Problem nicht) und deutet auf die andere Straßenseite. Dort ist eine Autowerkstatt, die wir etwas zögerlich betreten. Weit und breit kein Mensch, und ich will es fast schon wieder sein lassen, als ein Männchen in der hintersten Ecke extra sein Schweißen unterbricht. Mir ist es etwas unangenehm, aber nachdem wir jetzt schon da sind, schildere ich eben mein Stockproblem. Der Mann ist sofort bei der Sache und zieht und zerrt herum. (Nachdem sowohl ich als auch Jelle und Angelo schon daran herumgezerrt haben, wundert es mich nicht, dass ohne Erfolg). Er greift zu einer Zange, aber auch das ohne Erfolg. Ich möchte sagen „na gut, dann halt nicht, vielen Dank trotzdem!“, aber er läuft schon zu einem Schraubstock. Mir wird ganz anders (vor allem, da er jetzt mit voller Hebelgewalt in die falsche Richtung dreht). Nachdem auch das erfolglos bleibt, kramt er diverse Sprays hervor, um eventuellen Rost zu lösen. Mir tut der ganze Aufwand leid, aber offensichtlich habe ich hier spanischen männlichen Ehrgeiz geweckt, und der ist durch nichts zu bremsen. Zumindest nicht durch eine schlecht spanisch radebrechende Pilgerin. Irgendwann gibt er sich doch geschlagen, entschuldigt sich mehrfach und lehnt Bezahlung rigoros ab. Zwar kein reparierter Stock, aber immerhin haben wir ein weiteres Mal erlebt, welchen Respekt und welche Freundlichkeit Pilger entlang des Weges von der einheimischen Bevölkerung entgegengebracht bekommen.

Passend zum aufklarenden Wetter werden heute auch meine Gedanken deutlich klarer. Die Worte von Angelo sind mir allgegenwärtig, und von Pessimismus, Depression und negativem Denken möchte ich mich für die Zukunft befreien. Wie auch in der Meseta, als ich eine gewisse Beruhigung und Vollendung gefunden habe, indem ich der Engländerin den Muschelanhänger gegeben habe, überkommt mich eine Idee wie eine Eingebung. Ich frage Jelle, ob er mir einen Gefallen tun würde. Ohne zu wissen, um was es geht, sagt er sofort ohne zu zögern ja, und beginnt wild herumzuraten, um was es gehen könnte. Ich bin fast überrascht, auf was er alles kommt, und was er alles für  mich tun würde. Ich unterbreche seine lustigen Gedankengänge und erkläre ihm, worum es mir geht. Ich möchte meine Jakobsmuschel in Muxia im Meer versenkt haben. Normalerweise begleitet mich meine Muschel den ganzen Camino durch Höhen und Tiefen und ist mir wie ein Glücksbringer. Diesen Camino habe ich nicht so richtig Freundschaft mit meiner Muschel geschlossen, ich habe sie recht seelenlos schnell in Burgos gekauft. Dabei denke ich eigentlich, eine Muschel muss einen finden, so wie bei Harry Potter der Zauberstab sich seinen Besitzer aussucht. Ein Stück weit möchte ich diese nicht stimmige Muschel loswerden, und vor allem mit ihr all die Erkenntnisse und Abschiede, die ich auf diesem Camino gesammelt habe. Zu Muxia habe ich ein ganz besonderes Verhältnis, vom Gefühl her ist das genau der passende Ort. Ich kann dieses Mal leider nicht selber bis ans Ende der Welt laufen, aber Jelle wird dorthin gehen. Er fühlt sich sehr geehrt ob dieses Auftrags und möchte seine Muschel dann auch gleich dazubinden, als Zeichen der Bande zwischen uns. Mir ist das eher unrecht, zum einen soll er seinen Glücksbringer mal schön behalten, und zum anderen versenke ich damit doch einen Teil von mir, den ich hinter mir lassen möchte.

In Arzúa bin ich gespannt auf die Herberge, die ich noch nicht kenne. Wir finden die städtische Herberge, und ich bin sehr positiv überrascht. Es gibt einen riesigen Schlafsaal mit schönen Holzbetten, die ganze Herberge ist großzügig und mit viel Holz. Außer uns ist erst ein Deutscher da, sodass wir unsere doch rundum feuchten Sachen weiträumig ausbreiten können. Er ist in den Pyrenäen gestartet, und auf meine Frage, ob er sich denn nun nach so langer Zeit aufs Ankommen freut, bekommt er fast einen Tobsuchtsanfall. Offensichtlich nicht. Auch scheint er noch deutlich mehr unter den Pilgerneulingen zu leiden als ich. Ich finde es in manchen Momenten ein wenig schade für die Stimmung, aber er verwendet derart gesalzene Kraftausdrücke für alles, dass ich mich auch schon etwas verängstigt lieber wieder Jelle zuwende.

Heute sprechen wir ausnahmsweise eher über ihn. Wir sind schon sehr grundlegend verschieden. Während meine Gedanken die meiste Zeit wild Karussel fahren, ich alles durchdenke und mich wegen allem sorge und ängstige, findet er Sorgen und Ängste nicht sinnvoll. Wenn sich irgendein Zweifel in ihm regt, dann verbannt er ihn einfach willentlich, und schon ist da kein Zweifel mehr. Ich bin recht erschlagen von dieser Lebensphilosophie.

Ich nehme mir ein bisschen Zeit für mich, höre in mich hinein und schreibe drei wesentliche Ziele für mich nieder, die als positive Richtungsweisung mit in das Meer sollen. Dann übergebe ich die Muschel Jelle, es ist ein richtig feierlicher Moment, und er knotet sie mit einer Behutsamkeit an seinen Rucksack und zu seiner Muschel, als wären es die englischen Kronjuwelen.

Wir gehen in den schon bekannten tollen Supermarkt und essen im Foyer der Herberge an den dafür vorgesehenen Tischen. Auch hier gibt es wieder eine moderne, schicke Tür zur Küche – nur eine Küche selber natürlich nicht.

Ein junges Pärchen kommt an die Rezeption und beäugt erst einmal kritisch die Herberge. Die weibliche Komponente verzieht das Gesicht, sodass sie weiterziehen. Nach einer Stunde sind sie dann doch wieder da und checken ein. Ich komme mit dem jungen Mann ins Gespräch, es sind Studenten aus Deutschland. Ich habe sehr wenige junge Paare hier getroffen, ich stelle es mir aus eigener Erfahrung auch ungleich schwieriger vor. Das Kerlchen ist offensichtlich mit einer Lebenseinstellung wie Jelle ausgestattet, ihn kümmert und besorgt nichts. Weder die Tatsache, dass seine Freundin die Krise bei der Herberge hier kriegt, noch, dass die Freundin kaum mehr einen Schritt laufen kann. Sie kommt mitleidserregend die Treppe herunter, lässt sich auf eine Bank fallen und bleibt dort lethargisch sitzen. Ihr eines Bein ist vom Knie abwärts doppelt so dick, dem fröhlichen Geplapper ihrer besseren Hälfte nach tut es höllisch weh, sodass sie jetzt mal nach einer Apotheke schauen wollen. Die Arme schläft derweil vor Erschöpfung ein.

Eine halbe Stunde später steht er strahlend wieder im Foyer, die Freundin schleppt sich Minuten später hinterher. Ich gebe zu bedenken, dass sie zu einem Arzt sollte und dass sie nun wohl erstmal pausieren müssen. Er guckt mich an wie von allen guten Geistern verlassen, nein, morgen geht es weiter, 25 km, das ist ja wenig, da kann sie sich ja dabei erholen. Sie hängt derweil wieder mit dem Kopf auf der Tischplatte, und ich bin irgendwie geschockt von dieser Gesamtperformance.

Zum Abend hin trudeln auch noch Angelo und Aurélie samt Mutter ein. Sie versinken mit Jelle wieder in der Planung und Koordination des gemeinsamen Abendessengehens. Ich will zum Glück ohnehin in den Gottesdienst und bin froh, eine plausible Ausrede zu haben.

Ich esse noch schnell einen netten Thunfischsalat mit Mais und Oliven, bevor ich mir ein frühes Zubettgehen gönne.

Heute habe ich das Gefühl, einen großen Schritt weitergekommen zu sein.

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Offensichtlich habe ich ziemlich tief geschlafen, ich bin nicht einmal davon aufgewacht, dass Jelle zurückgekommen ist. Wir wachen wieder zeitgleich auf, und er erzählt flüsternd vom gestrigen Abend. Er hat allen Ernstes Angelo wiedergetroffen, samt Aurélie und deren Mutter. Sie wären nach La Faba in den besagten Schneesturm gekommen, es hätte absolut kein Durchkommen mehr gegeben, sodass sie in Fonfría stoppen mussten. Auch am nächsten Tag nach Triacastela hätte sie wieder ein Schneesturm erwischt. Schon lustig, nachdem wir beide ja ziemlich unbehelligt geblieben sind. Nur die zwei Dänen sind leider wirklich einen Tag hinter uns, denn sie müssen erst einen Tag nach uns in Santiago angekommen und hätten sich gesagt, wozu jetzt hetzen.

Das beste ist, Angelo logiert in der gleichen Herberge wie wir. Dank der vielen roten Vorhänge ist er nur etwas schwierig auszumachen. Ich linse überall dahinter, erspähe immerhin Aurélie, die mich ins Restaurant oben verweist, wo mein Philosoph dann auch wirklich ist. Ich freu mich aus unerfindlichen Gründen sehr, er strahlt auch, aber nachdem wir heute das gleiche Ziel haben und auch die gleiche Herberge ansteuern, belassen wir es bei viel wortlosem Strahlen.

Ich gehe mit Jelle zusammen los; nachdem er die letzten Tage wegen José zurückstecken musste, haben wir kommunikativen Nachholbedarf. Wie so immer ist das Wetter moderat, es nieselt und regnet, sodass wir wieder ohne Pause die 4-5 Stunden nach Palas de Rei durchlaufen. Dort steuern wie die private Herberge an, die Angelo empfohlen hat. Mit der öffentlichen Herberge verbinde ich vom Vorjahr keine guten Erinnerungen und bin daher froh über die Entscheidung.

Leider ist die Herberge geschlossen – und wir gehen doch in die Öffentliche. Allerdings ist der Raum diesmal ein viel hellerer, mit lauter großen Erkerfenstern zur Straße hin. Und ich habe Jelle und später Angelo.

In Kenntnis der merkwürdigen Duschen dusche ich ganz blitzschnell, bevor die restlichen Pilger sich mit dem Problem befassen, wie Männlein und Weiblein in höchst wenig abgetrennten Duschen miteinander auskommen sollen.

Anschließend fällt mir dann doch etwas die Decke auf den Kopf. Wie letztes Jahr auch sitze ich auf meinem Bett, viel anderes gibt es nicht zu tun, so satt wie es draußen regnet. Zudem ist Sonntag, kein Supermarkt hat offen, und meine Vorräte lachen mich wieder rein gar nicht an. Etwas, was mir immer sehr auf die Stimmung schlägt. Ich fühle mich zum Warten verdonnert, und beim Nachdenken kommen mir auch nur eher düstere Gedanken. Ich ziehe ein Resümee über meinen bisherigen Camino, der sich ja nun schon seinem Ende neigt, und wie sich schon mit José abgezeichnet hat, die großen Erleuchtungen und Eingebungen sind ausgeblieben. Wie ich in La Faba anfangs in einer Misa gehört habe, es braucht die Stille, um die Worte zu hören. Mit José hatte ich eine Menge Spaß (und eine Menge Wutausbrüche), und Jelle ist mir wie ein Bruder geworden, aber vor lauter Gequatsche, wo höre ich hier Gott?!

Wie so oft habe ich eine wenig souveräne Krise, ich heule Jelle im Treppenhaus die Ohren voll, und wie immer ist er verständig und zu nett, um wahr zu sein.

Schon wieder halb getröstet, frage ich spaßeshalber an der Rezeption, ob es irgendwas wie eine Bar oder so etwas gibt, wo man etwas kaufen kann. Die Dame erzählt überraschenderweise, es gäbe eine Bäckerei, die hätte recht viel, und gar nicht weit. Ich bin schon wieder extrem high und schleppe Jelle durch den Regen. Unterwegs machen wir das hellblaue Stirnband unter einem riesigen Regenponcho aus, der meditativ verträumt durch die Gassen schwebt. Angelo hat noch nicht bewusst wahrgenommen, dass es schüttet wie aus Kübeln und strahlt „ah!“. Für ihn ist heute die Welt wohl einfach wunderbar.

Für mich auch, als wir die Bäckerei betreten. Es hat nicht nur alle Arten von Schokocroissants, sondern auch Empanadas, mit Fleisch und Thunfisch. Dazu noch frisches Brot, und theoretisch hätte es sogar Früchte und Wasser und wirklich alles. Ich kaufe ein, als gäbe es bis Santiago keinen Laden mehr, und auf dem Rückweg bemerke ich auch nicht mehr, dass es regnet.

In der Herberge nimmt mich Angelo zur Seite, wir würden jetzt mal reden. Wir setzen uns auf den Boden an einem Erkerfenster, und ich bin gespannt, was kommt. Eigentlich kenne ich Angelo nur strahlend. Seine dunklen Augen erzählen natürlich auch immer sehr viel, sie sprühen und leuchten ganz unwahrscheinlich, aber ein richtiges Gespräch, das ist etwas Neues.

Er schält eine Mandarine, als würde er Yoga-Übungen machen, und beginnt nach ein paar Minuten Schweigen, mir ohne jeglichen Zusammenhang von seiner Frau zu erzählen. Dass er eine 14-jährige Tochter hat, weiß ich, aber dass er von der Frau dazu getrennt lebt, wurde nie thematisiert. Er erzählt, dass er sich wirklich Mühe gegeben hätte, aber sie hätte alles immer nur negativ gesehen, hätte alles immer falsch gefunden, wäre bei allem pessimistisch und depressiv gewesen. Und sie hätte versucht, ihn da mit hineinzuziehen, bis er einen Schlussstrich gezogen hat.

Es ist eine merkwürdige Unterhaltung, bzw. eher ein Monolog. Teilweise habe ich das Gefühl, Angelo verarbeitet damit selbst etwas. Ihm ist anzumerken, wie schwer es ihm als sehr gläubiger Christ gefallen ist, eine Ehe nicht retten zu können. Andererseits kenne ich ihn als derart philosophischen, nachdenklichen und hintergründigen Menschen, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass er es so ganz ohne Grund erzählt.

Und wirklich habe ich hinterher das Gefühl, als ob mir gewisse Erkenntnisse wie Schuppen von den Augen fallen. Hat er mit ein paar Blicken erkannt, dass meine Lebenseinstellung gerade auch nicht die alleroptimistischen Bahnen einschlägt?

Mit einem Mal habe ich auch das Gefühl, dass dieser Camino mir sehr wohl sehr viel gebracht hat. Vielleicht auf eine andere Weise als ein Camino in Stille, aber allein die vielen wunderbaren Freundschaften sind ein absolutes Geschenk. Manchmal zeigt sich Gott direkt, manchmal spürt man ihn nur, manchmal zeigt er sich in Boten. Wenn ich zurückdenke, habe ich jeden Tag so viele Boten bekommen; Menschen, die mir genau das gesagt oder gegeben haben, was ich gebraucht habe. Ich erinnere mich an die magischen ersten Begegnungen mit José, an Pers lapidare und doch so schöne Charakterisierung von mir, an Jelle, der in jedem Moment für mich da ist und an mich glaubt und mich stark findet, wenn ich mich absolut wie ein Häufchen Elend fühle. Und Angelo, der meistens nur ganz besonders strahlt und schaut und bei dem man immer das Gefühl hat, durch diese Augen strahlt noch jemand ganz anderes.

Wir gehen alle zusammen in die Kirche, Jelle, Angelo, Aurélie und ich. Irgendwie spüre ich, dass es für sie ungewohnt ist. So richtig in die Stimmung eintauchen kann ich nicht, und beim Umarmen als Zeichen des Friedens schaffen wir es fast, eine ganze Kirchenbank mit reichlich Lärm umzuschmeißen. Halleluja.

Die drei treffen sich noch mit zwei Ungarn, um essen zu gehen. Offensichtlich ist es immer sehr heiter und sehr weinselig und somit nicht das, was ich im Moment suche.

Ich verbringe noch einige Zeit allein in der Kirche und bin so dankbar, dass ich heute nach so einem durchwachsenen Tag doch wieder genau das spüren durfte, was für mich den Camino ausmacht.

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Heute fühle ich mich wieder nach einem frühen Start. Wie üblich regnet es und ist trüb und matschig, ebenso ist meine Stimmung. Die kommenden Etappen habe ich intuitiv nicht so gern. Es geht gegen Ende zu, zieht sich irgendwie sinnlos und unspektakulär, dazu kommen die Kurzstreckenpilger, die die besondere Stimmung etwas zermischen. Eigentlich will ich nur recht schnell nach Portomarín, wo José ja schon mit dem Auto hingefahren ist.

Ich freue mich mit jedem Tag mehr, Jelle irgendwie auf dem Weg zu treffen. Dass wir uns mittlerweile schon meistens nach der ersten Stunde treffen und ab da zusammen weiterlaufen, tut meiner Alleinlaufüberzeugung mittlerweile keinen Abbruch mehr. Wir haben exakt das gleiche Tempo und immer viel zu reden. Langsam verstehen wir uns ohne Worte und empfinden den Camino sehr ähnlich.

Heute hat er nur wieder meinen kleinen Spanier zu bemängeln. Er kann es nicht verstehen, dass ich einen fremden Mann berühre oder mit ihm Händchen halte, ohne mit ihm liiert zu sein. So etwas käme für ihn absolut nur mit seiner Frau in Frage. Ich verstehe die Problematik nicht so recht. Grundsätzlich bin ich auch eher „distanziert“ aufgewachsen, aber vielleicht gefällt mir auch deswegen Spanien so gut, weil ich die südländische Herzlichkeit schätze.

In Portomarín bereue ich, mich nicht genauer mit José abgesprochen zu haben, wo wir uns treffen sollen. Weit und breit weder er noch sein Auto, an das ich mich ohnehin kaum mehr erinnere. Wir laufen brav alle 3 Herbergen ab, ob er dort irgendwo wartet, geben es dann aber irgendwann frustriert auf. Diesmal wollte ich eigentlich die öffentliche Herberge nehmen, aber wie im Vorjahr bringen wir es dann doch nicht übers Herz. Drinnen hat sich eine Schulklasse niedergelassen, es herrscht Jugendherbergsatmosphäre mit viel Hallo und Gelärme.

Wir lassen uns in einer kleinen Herberge nieder, die eigentlich ganz hübsch, wenn auch ein bisschen komisch ist. Die kleinen Zimmer sind durch Vorhänge voneinander abgetrennt. Man hört eigentlich alles, sieht sich aber nicht. Ein bisschen ungewohnt ist das schon. Außer uns ist bisher nur ein deutsches Pärchen da, das hinter seinem Vorhang mit zwei Heizöfen versucht, die Wäsche zu trocknen. Auch unsere Sachen sind patschnass, und als ich frage, ob wir einen der beiden Öfen bekommen können, schauen sie ziemlich genervt und meinen, ihre Sachen wären noch nicht trocken, später dann. Auch das ist ungewohnt.

Wieder einmal bin ich rastlos und genervt vom Warten. Es gibt keinen Aufenthaltsraum, wir sitzen auf unseren Betten und starren uns oder die Wand an, belauschen unbeabsichtigt die Gespräche hinter dem nächsten Vorhang bzw. haben beim Reden das Gefühl, vom andächtigen Schweigen nebenan belauscht zu werden. Wieder einmal suche ich mein Heil in einem Mittagsschlaf.

Geweckt werde ich von einem strahlenden José. Ich bin noch ziemlich verschlafen und durcheinander und will wissen, wo er so spät jetzt herkommt, es ist immerhin schon 3 Uhr nachmittags. Er meint, er wäre nach Santiago zur Messe gefahren und hätte sich dann auf dem Rückweg verfahren. Er ist ja schon ein ganz schöner Spinner, was Autokilometer angeht.

Er hat in der Messe den Botafumeiro bekommen, was ich jetzt irgendwie ungerecht finde. Ich sage, dass man das nur bekommen sollte, wenn man den Weg wirklich gelaufen ist, und nicht, wenn man frischgewaschen mit dem Auto anreist. Auf meinen eher spaßig gemeinten Einwurf reagiert er ziemlich empfindlich und verärgert. Er erzählt, dass nun mal nicht jeder den Camino zu Fuss machen könnte, und dass er vor ein paar Jahren einer Freundin den Wunsch erfüllt hat, zusammen den Camino zu machen. Soweit ich sein Spanisch verstehe, war sie unheilbar krank und sehr schwach, allein der Camino mit dem Auto war schon anstrengend für sie. Danach ist sie gestorben. Mir wird ziemlich schlecht. Zum einen schäme ich mich für meine unbedachte Äußerung, zum anderen stelle ich mir vor, wie es sein muss, mit jemandem den Camino zu gehen, für den es der letzte Wunsch ist. Für mich ist das hier die große Freiheit und einfach ein großes Energietanken. Wie muss es für José gewesen sein, jeden Tag mit dem baldigen Tod der Freundin konfrontiert zu sein. Und natürlich für die Freundin selber.

Mit José in dem kleinen Zimmer ist es komisch. Er sitzt an meinem Bett, während Jelle auf seinem sitzt. Wir sprechen Spanisch und Englisch im Mischmasch, und auch sonst nicht gerade Themen, bei denen sich Jelle wohl einbezogen fühlen würde. Draußen ist es sehr kalt und regnet. Unsere Schuhe haben wir mit Zeitungen ausgestopft. Eine Seite berichtet interessanterweise von einem Schneesturm in den Bergen hinter O‘ Cebreiro. Es hätte bis 80cm geschneit. Vom Zeitgefühl her bin ich schlecht, aber ich glaube, wir sind genau am Vortag noch durchgekommen.

Wir essen Brot mit Chorizo aus meinem Rucksack; als Pilger ein alltägliches Mahl, so hier mit José auch wieder komisch. Jelle, der derweil einkaufen war, berichtet, dass er Angelo gesehen hätte. Ich bin völlig perplex, schließlich ist er doch einen Tag hinter uns. Er wäre gerade vor den Zimmern am Computer gewesen. Ich renne raus, aber von Angelo keine Spur mehr. Immerhin ist er demnach gleichauf mit uns, und ich werde ihn wahrscheinlich wiedersehen.

Wir bekommen zähneknirschend einen Ofen von den Deutschen – nicht ohne den Hinweis, dass wir ihnen „ihren“ Ofen später dann wieder geben sollen. Trotz des Wetters gehe ich mit José ein bisschen spazieren. Portomarín hat eine kleine Ladenstraße, die mit einem Arkadengang überdacht ist. So schlendern wir die 50 Meter auf der einen Seite hinunter, um auf der anderen Straßenseite wieder hinauf zu laufen. Als ich nach einer halben Stunde anmerke, dass José kein besonders einfallsreicher Spaziergänger ist, lässt er sich einen Richtungswechsel einfallen.

Wie gestern auch sind unsere Themen deutlich tiefgründiger als noch auf dem gemeinsamen Camino. José erzählt von seinen Sorgen und Zweifeln, von denen ich gar nicht gedacht hätte, dass sie existieren, so unglaublich gefestigt im Glauben wie er immer wirkt. Anscheinend macht sehr viel Glauben das Leben auch nicht einfacher. Er hat einen unglaublichen Drang, Gutes tun zu wollen, aber eben in einem größeren Rahmen, als es mir so einfällt. Ich fühle mich schon als guter Christ, wenn ich meinen Mitmenschen ein Lächeln entlocke oder ihren Tag sonstwie ein ganz kleines Bisschen besser machen kann. Ihn quält dagegen die Frage, wie er sein Leben am sinnvollsten nutzen kann – ob als Helfer in Indien oder Afrika, oder ob er lieber in Spanien bleiben soll, dort in der Politik groß herauskommen und dadurch in die Geschicke der ärmeren Länder eingreifen soll. Jetzt schon ist er im Vorstand von fünf wohltätigen Vereinigungen. Zudem sehnt er sich nach einer Frau und Kindern. Mich macht das Ganze ziemlich betroffen. Ich bin ja schon überfordert mit meinen Sorgen und Zweifeln, aber die sind durchaus einfacher zu lösen und von kleinerer Dimension. Ich verstehe so langsam, dass er es aufgegeben hat, eine Frau zu suchen. Zum einen müsste sie seine hohen Ziele verstehen, zum anderen müsste sie damit leben können, immer nur eine Randrolle in seinem Leben zu spielen und es nie in der Hand zu haben, ob er glücklich und erfüllt ist.

Bevor ich aus Anteilnahme in komplettem Weltschmerz vergehe, wechselt José zum Glück das Thema und erzählt von seinen Freunden und Kollegen. Da ist er wieder ganz der Alte, kichernd und quiekend und sich halb tot lachend. Er wäre das Maskottchen in seiner Clique und alle würden ihn aufziehen, dass er so schmächtig wäre. Seine Freunde wären alle so um die zwei Meter groß, und nachdem er seine Leibesfülle ja rätselhafterweise als schmächtig tituliert, will ich mir gar nicht vorstellen, was das erst für Gorillas sein müssen. Auch erzählt er, wie man die Abende in Madrid verbringt. Mit seinen Kollegen aus der Bank geht er in schickem Anzug in ein Café in der Nähe der Universität, und da laufen ja unglaublich junge und unglaublich hübsche und unheimlich leichtbekleidete Studentinnen herum, und die wollen dann alle nur Sex mit ihnen, weil sie gut gekleidet sind und reich aussehen. Ich bin beruhigt, dass sein Leben somit nicht nur ausschließlich aus entbehrungsreicher christlicher Nächstenliebe und ernsten Gedanken besteht.

Wir gehen in die Misa in der sehr großen, kalten Kirche. Man weiß sich hier zu helfen. Zehn Minuten vor Beginn wird ein riesiger Heizofen mit Ventilator vor den Altar geschoben. Es ist ein merkwürdiger Anblick, wie sich alles in den ersten Reihen sammelt und man mit wehenden Haaren im Gottesdienst sitzt, aber immerhin ist es warm, und mit Eintreten des Priesters wird der Ventilator dann doch auch wieder abgestellt.

Anschließend promenieren wir in Ermangelung von Alternativen noch ein bisschen die nun mehr als bekannten Arkadenwege auf und ab. Wir halten uns wie meistens an den Händen, als ich José erzähle, wie sich Jelle darüber aufgeregt hat und dass es in nördlicheren Breitengraden etwas ist, was man nur unter Paaren macht. José guckt konsterniert und meint, das wäre in Spanien auch so. Spanische Herzlichkeit und Umarmungen ja, aber die Hände wären was für Pärchen. Nun bin ich konsterniert und ziehe sofort meine Hand zurück. Warum er das denn erst jetzt sagt?! Er schnappt sie sich wieder und meint, das würde bei uns so gehören.

Umso schmerzlicher ist dann der endgültige Abschied. Morgen früh will er heimfahren, ich begleite ihn noch zu seinem Hotel. Ich denke, wir werden uns schreiben, aber diese spezielle Freundschaft gab es wohl nur auf dem Camino.

In der Kneipe über der Herberge treffe ich den Koch aus der Meseta wieder. Wieder habe ich reichlich Probleme mit seinem Spanisch, aber er erzählt mir, dass er jetzt seine Mutter getroffen hat, mit der er die letzten 100 Kilometer des Caminos geht. Deswegen hat er die letzten Tage auch gewaltig Gas gegeben, und seiner Mama zuliebe trinkt er auch nicht wie üblich. Irgendwie sehen die beiden sehr süss zusammen aus. Er sagt, er hätte mich mit José gesehen, wo der denn wäre. Ich erkläre ihm, dass er schon lange nicht mehr pilgert und nur zu Besuch hier war. Er hat ein komisches Leuchten in den Augen, als er nachdenklich sagt, dass er ein sehr besonderer, sehr guter Mensch wäre. Das sehe ich auch so, und in dem Moment fühle ich mich auch dem Koch ganz nah. Er besteht wirklich hauptsächlich aus Alkohol- und Drogenproblemen, und wir haben sehr wenig zusammen gesprochen, aber ich glaube, er spürt auch ein bisschen mehr als so manch anderer Mensch.

Obwohl es noch früh ist, ziehe ich mich ins Bett zurück. Irgendwie war der Tag heute emotional ziemlich schwer. Ich fühle mich irgendwie leer und erschlagen davon und ein bisschen wie ein dummer Anfänger. Mein Leben besteht viel aus „ich“ und den kleinen Problemen des Alltags. Heute fühle ich mich, als hätte ich Einblick in größere Dimensionen bekommen. Denen gegenüber fühle ich mich aber erst recht sehr klein.

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Ich wache in der noch stockdunklen Herberge auf und spüre, dass Jelle auch schon wach ist. Es ist ein etwas komisches Gefühl, nur zu zweit zu sein, und nachdem wir gestern doch ziemlich viel geteilt haben, wissen wir heute nicht so recht, wie wir miteinander umgehen sollen. Wir umgehen die persönlichen Thematiken und reden betont sachlich über z.B. das Wetter. Die ganze Nacht hat es ziemlich gestürmt, auch jetzt peitscht noch Regen in alle Richtungen. Wir trinken zusammen einen Automatenkaffee, dann mache ich mich auf den Weg. Im Moment brauche ich wieder ein bisschen Abstand, aber Jelle scheint es zu verstehen; er läuft heute ohnehin über Samos, ich die andere Wegalternative.

In der Herberge habe ich ein vergessenes Fleecehalstuch gefunden. Wie geschaffen für mich und meine ständig reinregnende Halspartie. Nun habe ich nicht nur warme Ohren und eine trockene Stirn dank meinem Stirnband aus Astorga, sondern auch einen warmen und trockenen Hals. Es läuft sich exzellent durch den mittlerweile schon Alltag gewordenen Dauerregen.

Der Weg führt kleine, verwunschene Wege entlang, wieder durch kleine Weiler wie vor La Faba. Das Malerische wird nur getrübt durch den Regen, der sich nach einer Stunde sogar in Schnee wandelt. Ich stehe mitten im Nichts, kein Pilger weit und breit vor oder hinter mir, ich kenne den Weg noch nicht, und plötzlich rieselt harmlos und leise feiner Schnee. Innerhalb von Minuten ist alles flächendeckend eingezuckert, und wie mir plötzlich bewusst wird, auch alle Markierungen sind leise und still verschwunden. Die Wege gabeln sich alle paar hundert Meter, normalerweise kein Problem dank gelben Pfeilen auf dem Asphalt oder an Bäumen oder auf Steinen. Es hört schon wieder auf zu schneien, es ist also bei weitem nicht so eine bedrohliche Situation wie bei dem eisigen Schneesturm in den Bergen von Manjarín, aber ich fühle mich trotzdem extrem hilflos. Dieses leise, harmlose Zuckern hat fast etwas hämisches. Siehst Du, ein kleiner Hauch Schnee und Du bist ein Nichts.

Auch als Nichts finde ich glücklicherweise meinen Weg, ich erreiche Sarria und die mir bekannte Herberge. Ich warte im Flur, und wieder keine Menschenseele weit und breit. Die recht jungen Herbergseltern wohnen in der Wohnung über der Herberge, ich höre ihre kleinen Kinder lärmen. Ich setze mich ziemlich patschnass auf einen edlen Stuhl und warte geduldig, bis zufällig die Oma über mich stolpert.

Auch hier wieder ein supertolles Badezimmer nur für mich, ich verweichliche total. Frisch gewaschen stolpere nun im Gegenzug ich über eine weitere Pilgerin – es ist die lockige Französin, die mich so lange jeden Tag „verfolgt“ hat (bildlich gesprochen). Heute gibt sie jovial zu, dass ich schneller war. So sehr sie mir auf den Geist geht, so tut sie mir auch leid. Sie wirkt irgendwie, als würde sie gern mit jemandem reden, aber nachdem es nur immer über ihr tollen Leistungen geht, ergreift absolut jeder die Flucht. Ich mache mir einen heissen Tee, als mir der Gedanke kommt, ihr auch eine Tasse anbieten zu können. Sie ist mir dermaßen unsympathisch, aber vielleicht ist ja gerade das „Nächstenliebe“. Und die sollte ein guter Pilger ja schließlich beherrschen. So frage ich freundlich lächelnd, ob sie gerne eine Tasse hätte. Und sie lächelt höchst überrascht und auch höchst glücklich zurück. Und auch mein glückliches Lächeln kommt plötzlich ohne Kraftanstrengung.

Ich gehe ins Internet; José hat geschrieben, dass er jetzt in Madrid losfährt und gegen 18.00 in Sarria sein sollte. Ich gebe zum ersten Mal die Adresse von Pers Blog ein. Ich habe ihn gestern verloren, vielleicht liefert der Blog eine Erklärung. Ich bin erleichtert, dass wirklich eine aktuelle Seite zu finden ist. Der Text ist auf Dänisch, viel verstehe ich also auf die Schnelle nicht, aber ich lese etwas von Angelo – und dass sie alle zusammen in Fonfría gestoppt haben, weit vor Triacastela, und dass sie dann erst als heutiges Ziel Triacastela haben. Sie sind einen kompletten Tag hinter mir, das heißt auf dem Camino fast schon, dass man sich nicht mehr begegnet. Ich bin geschockt.

Ich gehe einkaufen, für ein oppulentes Paella-Mahl und für das Chaos-Cooking mit José am Abend. Auf dem Rückweg laufe ich Jelle in die Arme. Er freut sich total, mich zu sehen. Obwohl es regnet, bleiben wir mitten im Regen stehen (ich in meiner trockenen Nachmittagsmontur und ohne Regenausrüstung). Er hat heute klar Camino-Blues, es geht ihm gar nicht gut. Er ist in einer anderen Herberge abgestiegen, einer noch luxeriöseren, und da wären lauter Touristen, die nur über Taxi-Abkürzungen reden würden und zum Essen ausgehen würden. Ich muss irgendwie fast lachen, er wirkt so verzweifelt über Dinge, die er vor ein paar Tagen selber noch als völlig normal angesehen hätte. Ich bin irgendwie stolz auf ihn und seine Fortschritte. Er überlegt, ob er einfach seine Sachen packen und zu mir kommen soll. Ich bin überzeugt, dass ihm dieser Tag sehr gut tun wird. Manchmal braucht man die Verzweiflung und Entbehrung und das verlorene Gefühl, um den Camino in seiner vollen Besonderheit erfahren zu können. Ich verstehe ihn nur zu gut, ich sehne mich auch immer nach irgendwelchen netten, bekannten Mitmenschen, die mir aus Tiefs helfen. Aber am beeindruckendsten sind zweifellos die Tiefs, aus denen man sich selber heraushilft oder bei deren Bewältigung man eine ganz besondere Hilfe erfährt.

In der Herberge mache ich einen kleinen Mittagsschlaf. Ich habe viel zu viel Zeit, bis José endlich kommt. Und warten fühlt sich auf dem Camino einfach nicht gut an.

Als ich wieder aufwache, packt gegenüber von meinem Bett eine recht beeindruckende Erscheinung ihren Rucksack aus. Die Dame ist in meinem Alter, optisch aber das totale Kontrastprogramm. Die beeindruckende schwarze Mähne ist zu einem noch beeindruckenderen perfekten Turm gebändigt, das Gesicht ziert trotz aktuellem Nieselregen ein beeindruckender (ebenfalls sehr perfekter) Lidstrich in Bleistiftdicke. An ihrem Rucksack nesteln überlange (perfekt lackierte) Fingernägel herum, und ich komme nicht umhin, geistig den Namen des Herren zu missbrauchen.

Leider detektiert sie mich auch noch zielsicher als Landsfrau und verwickelt mich in ein Gespräch, während ich mit meiner Paella in der Küche festgenagelt bin. Ich erhalte eine satte Lektion in Sachen Schubladendenken; den perfekten Fingernägeln hätte ich höhnisch maximal einen Tag gegeben, aber sie ist seit Saint Jean unterwegs, und das mit 30-35 km pro Tag. Sie ist ein harter Knochen, und dabei noch perfekt auszusehen, Respekt. Ebenso wie die etwas künstliche Fassade ist auch ihre Art; sie scheint zwar nett zu sein, aber so recht öffnet sie sich nicht. Sie blockt ziemlich viel ab oder wirkt hinter dem dicken Lidstrich vielleicht auch einfach erhaben unnahbar. Mit unnahbarer Mimik und ohne Lächeln fragt sie dann auch, ob wir nicht zusammen kochen wollen. Mir tut es leid, es ablehnen zu müssen, ich bin ja schon mit José verabredet. Sie wirkt doppelt unterkühlt und meint, das wäre kein Problem. Ich habe das Gefühl, dass sie mir nicht glaubt und das Gefühl hat, dass ich sie nicht mag. Das trifft es absolut nicht und hinterlässt ein mulmiges Gefühl bei mir.

Die Zeit bis zum Abend wird mir ewig lang. Die Herberge füllt sich, mein Schlafsaal ist schon voll belegt, allerdings nur mit Leuten, die ich nicht kenne. Und so richtig neu kennenlernen will ich heute auch niemand mehr, nicht, dass ich noch weitere gemeinsame Pläne ablehnen muss.

Ich setze mich ein bisschen in die Kirche, laufe ein bisschen ziellos durch die Stadt und bin schon ziemlich frustriert von der Warterei, als ich vor 7 beschliesse, jetzt einfach in die Messe zu gehen. Kurz vor der Kirche läuft mir dann wie auf Kommando mein strahlender kleiner Spanier in die Arme. Er sieht super aus, ganz ungewohnt ohne Pilgerklamotten, sondern in stylischer Jeans und Jacke. Ich will ihm schnell noch die Herberge zeigen, dass er noch vor der Messe einchecken kann, aber er meint ganz ruhig und leise, dass er nicht in die Herberge geht. Ich kapiere nicht so recht; er meint, er wäre ja mit dem Auto gekommen und kein echter Pilger. Ich sehe das Problem nicht, er kann sich dort sogar einen neuen Pilgerausweis machen lassen. Nein, er pilgert ja auch nicht. Auch ab morgen nicht. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Er meint ruhig, leise und beängstigend bestimmt und unumstößlich, dass das Pilgern ja meine Sache ist und er da nicht stören will. Ich kriege einen totalen Rappel; zwar habe ich ihm wirklich in Ponferrada geschrieben, dass ich es komisch fände, wieder mit ihm zu laufen, wo ich doch mühsam Abschied genommen habe. Aber der Abschied ist doch eh komplett für die Katz, nachdem er wieder da ist und in meinen Gedanken rumschwirrt. Ich rege mich furchtbar auf, am liebsten würde ich ihn grade wieder zurückgehen lassen, so wütend macht mich, dass er mich um zwei erhoffte Tage Pilgern mit ihm bringen will. Aber wie so oft ist er komplett stur, das merke ich. Er ist in allem ganz leise und entschieden und lächelt traurig. Im Endeffekt tut er es für mich, aber ich habe in dem Moment keinerlei Lust, das positiv zu sehen.

Wir gehen zur Messe, wobei ich das Gefühl habe, dass jeden Moment mein Kopf rauchend explodiert. Auf der anderen Seite sehe ich Jelle, aber er schaut immer stur geradeaus und trifft meinen Blick nicht.

Im Lauf der Messe werde ich wieder ruhiger und bin wieder ganz im Bann von Josés faszinierendem Glauben und seiner schlafwandlerischen Sicherheit in Gottesdiensten. Er weiss immer als allererster, wann aufzustehen oder hinzuknien oder was zu beten. Er strahlt so ein Zugehörigkeitsgefühl zu allen Kirchen aus, mit ihm kann man sich dort nur einfach völlig wohl und besonders fühlen.

Als alles gegen Ausgang strömt, bleibt Jelle in seiner Bank stehen. Ich vertröste José geschwind und robbe zu ihm hinüber. Ich frage, ob alles okay wäre. Er meint, er würde sich freuen, dass ich meinen Spanier wieder hätte. Merkt man kollosal. Er drückt mir noch einen Zettel in die Hand, den ich erst draussen lesen darf.

Ich rechne schon mit dem Schlimmsten, ohne zu wissen, was ich mir darunter vorstelle. Jelle schreibt mir, dass er sich den ganzen Tag ganz schrecklich gefühlt hätte, einsam, und dass er dann in die Kirche gegangen wäre und auf dem Vorplatz gesessen hätte und viele Stunden geweint hätte, zum ersten Mal in sehr vielen Jahren. Eigentlich ist es ein schöner Brief, ich habe ein Stück weit kommen sehen, dass er diesen Tag so erleben würde, und ich weiss auch, dass er diese Erfahrung hinterher sehr zu schätzen wissen wird. Trotzdem fühle ich mich total zerrissen, nicht kurz mit ihm darüber sprechen zu können, sondern mit einem schon wieder sehr selbstzufriedenen José zu seinem Hotel zu laufen.

Es windet und ist kalt, aber José findet, ich muss da kurz mit, schließlich will er ja möglichst viel Zeit mit mir verbringen. Ich spare mir hässliche Gedanken, ob ich mir deswegen jetzt den Tod holen muss, nur weil er tagsüber nicht mit mir pilgern kann, aber eigentlich bin ich schon wieder versöhnt mit ihm.

Er erzählt mir ganz wunderschön, wie seine letzten Tage auf dem Camino waren, nachdem wir uns getrennt hatten. Bereits am ersten Tag hätte es abends Probleme gegeben, einem Deutschen wäre Geld entwendet worden, und der hätte dann ihn verdächtigt. Ich sehe alles plastisch vor Augen, so emotional schildert José alles. Er hätte sich nicht erklären und verteidigen können, er hätte immer nur gedacht, wo ich denn wäre, um ihm zu helfen und dass ich alles hätte geraderücken können. Er wirkt auch jetzt noch ehrlich schockiert und verletzt, wie jemand ihn verdächtigen kann (wirklich schwierig, wenn man ihn kennt), wo er doch ein Bankdirektor und Christ ist. Zum Glück wäre der dänische Donner dann noch in die Herberge gekommen, der ihn ja gekannt hätte und der der aufgebrachten Menge versichern hätte können, dass es sich bei meinem armen Spanier um einen guten Menschen handelt. Vermutlich war auch einfach sein erklärendes Englisch hilfreich. José ist immer noch total erschüttert und traumatisiert von diesem Missverständnis, ich lache mich dagegen halb kaputt.

Wir buchen schnell Josés Zimmer, dann geht es endlich wieder Richtung warme Herberge. Wir stürmen euphorisch durch die Strassen, und ich bin erleichtert, dass alles wieder so unbeschwert und ungezwungen ist wie eine Woche vorher.

In der Herberge fragt José erstmal höflich, ob er überhaupt mit mir dort essen kann. Kein Problem, trotzdem legt er noch einen drauf und schäkert wieder eine halbe Stunde mit den Hospitaleras. Mir ist das ganz recht. Die perfekte Turmfrisur ist nämlich auch in der Küche zugange, und ich bin froh, nun doch noch ein bisschen mit ihr reden zu können und ihrer Fassade zu vermitteln, dass ich sie gern hab. Ob es zu ihr durchdringt, weiß ich nicht.

Die Herbergsmama läuft den Gang entlang, stockt auf dem Absatz und beäugt mich intensiv. Ob ich schon mal dagewesen wäre?! Mich überrascht ja nichts mehr.

Wie schon im Vorjahr gibt es auch dieses Jahr wieder ein uriges Kaminfeuer in einem kleinen Aufenthaltsraum. Wieder gibt es hauseigene Alkoholika zum probieren, allerdings bin ich mit den Gedanken diesmal ganz bei José. Er erzählt gelöster als auf dem Camino von seinem Leben und seinen Plänen und Träumen und Zweifeln; es ist ungewohnt und schön, ihn so viel von sich erzählen zu hören. Ich könnte ihm ewig zuhören. Wir halten uns wieder an den Händen, vielleicht fließt darüber ganz viel Energie. Oder durch seine Augen oder seine beeindruckende Präsenz. Wie bei unserem ersten Gespräch bin ich erfüllt von Freude, Hoffnung, Stärke und Glauben.

Das hält auch noch an, als er sich in sein Hotel verabschiedet und ich in mein Pilgerbettchen gehe. Ich bereue höchstens, dass ich nicht am Nachmittag schon etwas besser ausgepackt habe. Dafür, dass 9 andere schon tief und fest schlafen, mache ich für meinen Geschmack deutlich zu viel Lärm.

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Der morgendliche Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes – es geht da weiter, wo es gestern aufgehört hat, und zwar mit Regen. Glücklicherweise mit rundum trockenen Sachen, dank dem liebevollen Hospitalero-Ehepaar, das die Wäsche von der Außenleine nicht nur in den Vorraum verfrachtet hat, sondern dort auch noch mit einem Heizkörper versehen.

Dieser Pilgerluxus findet am Morgen seine Fortsetzung – die beiden sind schon wach und eifrig am Rumoren. Es gibt nicht nur Frühstückszutaten, sondern auch Frühstücksbetreuung. Der Tisch ist liebevoll gedeckt, die Hospitalera fragt nach Kaffee- oder Teewunsch, während der Ehemann für jeden persönlich nach jeweiligem Wunsch ein weiches Ei macht. Dazu gibt es selbstgekochte Marmelade und sogar selbstgemachte Salami sowie frisch geröstetes Brot. Normalerweise bin ich kein Frühstückstyp, am liebsten laufe ich morgens gleich los. Diese verschlafene, sich hinziehende Stimmung kann ich normalerweise nicht wirklich brauchen. Aber das hier ist ein wirkliches Paradies, ein Tag Auftanken und umsorgt Werden. La Faba eben, unbeschreiblich.

Jelle kommt wie neuerdings üblich recht zerknirscht daher. Er ist sehr still und deutlich zurückhaltender. Er macht sich vor mir auf den Weg, bedankt sich vorher aber überschwänglich bei den Hospitaleros und stopft 10 Euro als Donativo fürs Frühstück in die Spendenkasse. Ich bin positiv überrascht.

Gut erholt und irgendwie beflügelt mache ich mich vor dem Massenaufbruch auf den Weg. Die Dänen und Angelo wollen heute auch alle bis Triacastela, wir werden uns also wiedersehen. Nur mein liebgewonnener alter Herr mit der Donnerstimme möchte heute eine kurze Etappe einlegen, weil er sonst zu früh in Santiago ist. Unsere Wege werden sich damit trennen. Es ist ein komisches Gefühl, ich habe sehr selten während des Weges bewusst Abschied von jemandem genommen.

Meistens winkt man sich morgens im Vorbeigehen einen kurzen Gruß zu und nimmt wie selbstverständlich an, sich am Abend oder doch zumindest am Tag drauf wiederzusehen. Komischerweise klappt das auch fast immer wirklich. Erst in ruhigen Momenten, wenn ich über die bisherigen Begegnungen nachdenke, manchmal erst zurück in Deutschland, fallen mir dann all jene ein, die ich doch nicht wiedergesehen habe. Treffend aus einem englischen Lied „lost along the way“.

Heute also ein geplanter, bewusster Abschied. Helmut legt mir zum Abschluss eine Hand auf und wünscht mir Gottes Segen bei meiner Suche und auf meinen Wegen. Ich bin traurig.

Das Wetter passt perfekt zu meiner Stimmung, es nebelt irgendwie jegliche Geräusche verschluckend, dazu nieselt es. Den Wegstein, der den Übertritt nach Galicien markiert, erlebe ich schon mit Puderzuckerhaube, es schneit.

O Cebreiro präsentiert sich im regnerischen Nebel, und den weiteren Weg entlang der Strasse wird es nicht besser. Ich habe meine volle Regenmontur an, den Kopf gesenkt, damit mir die Brühe nicht in den Hals rinnt. Wer auch immer meine heiß geliebte Regenjacke konzipiert hat, er ist nie den Camino bei Regen gelaufen. Sollte ich jemals eine neue Jacke kaufen, dann eine mit einem kleinen Schild vorne an der Kapuze und mit dichter verschließbarer Halspartie.

Ich stapfe durch den Regen, schaue nur auf die Strasse und schiebe mir im Minutentakt mit schwammig durchweichten Fingern ein Exemplar aus meiner Nussmischung in den Mund. Auf eine ausgiebige Pause habe ich bei diesem Wetter keine Lust. Meine Gedanken wandern zu Jelle, ich bin etwas betroffen davon, wie meine Abneigung ihn getroffen zu haben scheint. Ich verstehe selber nicht, wieso ich so allergisch auf ihn reagiere. Eigentlich möchte ich doch als Pilger offen und tolerant sein, und in den meisten Fällen gelingt mir das doch auch – dabei gibt es wirklich schillerndere Persönlichkeiten als Jelle. Mir fällt plötzlich sehr viel ein, und ich habe mit einem Mal ein ziemliches Verlangen, ihn wiederzusehen und es ihm zu erklären. Schon seit gestern fühle ich mich ziemlich schlecht und schuldig. Gemessen an meiner selbst erstellten Messlatte von einem guten Pilger komme ich nicht sehr gut weg; ich habe definitiv überreagiert, und das noch nicht einmal, weil Jelle ein schlechter oder auch nur schwieriger Mensch ist, sondern weil er mich zielsicher an wunden Punkten getroffen hat. Die Vorstellung, ihn vielleicht nicht mehr zu treffen, lässt mich deutlich schneller gehen.

Und wirklich, mitten in diesen Gedanken, mitten in zunehmendem Schneesturm, treffe ich auf der ersten Passhöhe, dem Alto de San Roque, die große, dunkle Gestalt von Jelle wieder. Es ist zu viel Wasser zwischen uns, um länger zu reden, aber ich glaube, er versteht intuitiv, dass ich zerknirscht bin. Wir verabreden uns für Triacastela.

Bevor sich unsere Wege wieder trennen, machen wir gegenseitig Fotos vor der dortigen Statue – einer sehr beeindruckenden, sehr hohen Pilgerstatue, die sich, den Hut festhaltend, gegen den Wind stemmt. In welches Szenario könnte sie besser passen als in das heutige. Wenn schon meine Jacke kein Pilger entworfen hat; wer auch immer die Statue gestaltet hat, er hat es sehr gut getroffen. Das ist nicht nur eine Statue in Pilgermontur, das ist ein Pilger.

Ich gehe voraus, als ein paar hundert Meter später plötzlich wieder die Sonne hervorkommt. Ich bin total beschwingt und beseelt, vermutlich nicht nur wegen der Sonnenstrahlen. Ich muss mich direkt schon zusammenreißen, nicht zu hüpfen und zu springen.

Bis Triacastela holt mich dann doch wieder der trübe Regen ein. Eine aufdringliche Hospitalera versperrt mir richtiggehend den Weg und will mich in ihre Herberge lotsen, alle anderen wären schlecht. Finde ich eine ziemliche Frechheit; zum Glück kenne ich meine Zielherberge und laufe unbeirrt weiter.

Die Herberge liegt recht verlassen da, ist aber offen. Weit und breit sehe ich keine Menschenseele, und nachdem ich ziemlich nass bin, lasse ich meinen Ausweis am Empfang liegen und „komme schon einmal an“. Ich schäle mich aus den zahlreichen Schichten und dekoriere einen ganzen Schlafsaal mit meinen zu trocknenden Sachen. Ich stopfe meine Schuhe mit Zeitung aus und lege meinen Schlafsack und mein Schlafshirt zurecht. Immer noch tut sich nichts im Erdgeschoss. Ich fühle mich etwas seltsam, als ich dann eben ins Bad gehe.

Ich habe wieder den bekannten „ladies bathroom“, ein Bad nur für mich. Es ist ungewohnter Luxus, meine Sachen nicht aus und in zwei an einem Haken in einer engen Duschkabine hängende Einkaufstüten jonglieren zu müssen. Und es fühlt sich direkt ungewohnt an, nicht wie sonst üblich notdürftig abgetrocknet und halbnass in Unterwäsche möglichst schnell die Dusche für die wartenden Pilger nach mir zu räumen.

Auch im frisch geduschten Zustand wartet noch niemand auf mich, die Läden haben auch noch geschlossen, so setze ich mich in den ziemlich kalten Aufenthaltsraum und schreibe an meinem Tagebuch. So ein kleines bisschen macht sich langsam Leere in mir breit, ich sitze hier seit 2 Stunden ohne eine weitere Menschenseele, irgendwas stimmt hier nicht.

Irgendwann kommt dann immerhin die Madame des Hauses vorbei. Beim Eintragen meiner Personalien fragt sie, ob es mein erster Camino ist, und als ich verneine, schlägt sie strahlend auf den Tisch, dass ich fast erschrecke. Ich wäre doch schon mal da gewesen! Da hat sie recht. Ich habe sie zwar auch wiedererkannt, aber vermutlich ist es leichter, sich als Pilger eine Hospitalera zu merken als als Hospitalera 40 oder mehr Pilger pro Tag.

Auf meine Frage, ob es normal wäre, dass so wenig Leute kommen, zuckt sie recht gleichgültig mit den Schultern. Das könnte schon vorkommen. Noch bevor ich eine Sinnkrise bekommen kann, läuft in diesem Moment ein bekannter, großer, dunkler Schatten am Fenster vorbei. Ich springe auf und reiße die Tür auf – es ist wirklich Jelle. Wir sind beide absolut erleichtert und über alles glücklich, uns gefunden zu haben.

Jelle scheint den Nerv der Hospitalera zu treffen, wegen ihm schaltet sie sogar eine Heizung in unserem Schlafsaal und im Aufenthaltsraum an. Ich bin sehr erleichtert, denn meine Sachen sind ziemlich nass, und bei den Temperaturen trocknet sicher nichts von selber.

Gemeinsam gehen wir einkaufen, wir wollen zusammen kochen. Ich möchte Paella machen, endlich mal wieder, Jelle dagegen eine salad soup, unter der ich mir nichts vorstellen kann. Nachdem jeder auf seiner Idee beharrt, machen wir einfach beides.

Bevor wir kochen, ruft aber erst noch die Messe, die ich in Triacastela in besonderer Erinnerung habe. Ich werfe mich in meine kalten, nassen Stiefel, während Jelle sich für seine Badeschlappen ohne Socken entscheidet. Beides moderate Ideen angesichts der wenig erwärmenden Temperaturen.

Die Kirche ist ähnlich ausgestorben wie die Herberge; wir sind 7 Pilger, sodass uns der Pfarrer allesamt vorne am Altar vereint. Auch sonst scheint er angesichts der ungewöhnlich kleinen Runde auch ein ungewöhnliches Programm zu improvisieren. Jedenfalls finden wir uns nach ein paar Minuten als Zuhörer ein Diskussion wieder, die quer über den Altar hinweg zwischen den ansonsten spanisch sprechenden Pilgern vor sich geht. Soweit ich verstehe, ist die Fraktion rechts des Altars aus Galizien, meine Bank dagegen normal spanisch. Und offensichtlich scheiden sich die Geister daran, ob man in Galizien die Messen statt auf Spanisch auf Gallego halten sollte. Mir ist das sowas von wurst, aber ich fühle mich ziemlich unwohl. Die Herren der Schöpfung werden immer hitziger, ich habe jeden Moment das Gefühl, dass sie aufeinander losgehen wollen. Auch der Pfarrer strahlt nicht die erhoffte Ruhe und Besonnenheit aus, sondern diskutiert wild mit. Der arme Jelle versteht noch nicht mal etwas von der Diskussion und friert zudem furchtbar. Wir halten tapfer fast eine Stunde aus, überlegen dann aber ernsthaft, ob wir einfach gehen sollen. Irgendwie ist das doch kein Gottesdienst, sich über den Altar hinweg zu beschimpfen.

Glücklicherweise endet dieser merkwürdige Gottesdienst dann ohnehin. Zeit zum Ärgern oder Nachdenken bleibt eh nicht, wir rennen durch den Regen zurück heim, um wieder warm zu werden, und machen ziemlich zittrig ganz schnell etwas Warmes zu essen. Wir sind übrigens immer noch die einzigen in der Herberge.

Meine Paella köchelt friedlich vor sich hin, als Jelle in einem Topf einen schönen Salat anmacht. Kopfsalat mit kleinen Zwiebelringen und Tomatenscheiben, Essig und Öl. Diese leckere Komposition stellt er dann allen Ernstes seelenruhig auf den Herd und kocht ordentlich auf. Mir klappt der Unterkiefer herunter, aber Jelle ist überzeugt, dass man das so macht und es schmecken wird. Na ja, wahrscheinlich Belgiern, denke ich.

Es schmeckt wirklich besser als befürchtet, zumindest das Warme tut sehr gut. Als wir wieder ein bisschen aufgewärmt sind, möchte Jelle wissen, was ich ihm heute Mittag erzählen wollte. Er hört mir geduldig bestimmt eine halbe Stunde ohne Unterbrechung zu, meine Philosophien über das Pilgern, warum es mir so heilig ist, was ich unter einem guten Pilger verstehe, warum ich auch gerne so werden würde… es ist unglaublich, er ist still und verständig und beeindruckt. Kaum vorstellbar, dass ich hier dem gleichen Pilger gegenübersitze wie vor 2 Tagen. Auch Jelle hat nachgedacht, glücklicherweise versteht er mich. Und schon nach 3 Tagen Pilgern hat ihm der Camino vermittelt, dass das hier mehr ist als „Hotelurlaub, nur noch etwas mehr Entspannung“.

Nach vielen Stunden Quatschen gehen wir gegen 10 ins Bett. Vor dem Einschlafen denke ich dran, dass ich morgen José wieder treffen werde, der nur um mich wiederzusehen von Madrid nach Sarria kommt. Es ist ein komisches Gefühl. Vor einer Woche waren wir uns noch so nah, er war ständig präsent in meinen Gedanken, und jetzt bin ich irgendwie schon wieder in einer ganz anderen Welt und in einem ganz anderen Stadium. Irgendwie bin ich auch nervös und unsicher. Ich fühle einen gewissen Druck, habe das Gefühl, einer Erwartung entsprechen zu müssen, von der ich noch nicht einmal weiß, wie sie aussieht.

Jelle ist wieder ganz der besserwisserische Anti-Pilger, als er sich auf diese Thematik stürzt. Warum ich mich denn überhaupt mit ihm wiedertreffe, wo ich doch einen Freund habe, und überhaupt, das ginge doch nicht, die Art, wie ich ihn beschrieben hätte (ich habe im Lauf des Abends im Zusammenhang mit meinen Pilgeridealen wohl von meiner ersten längeren Begegnung mit José erzählt). Wie ich denn bei einem fremden Mann die Augen wunderschön finden könnte und die Stimme und bock-bock-boooook. Bei meinen Erklärungsversuchen landen wir unbeabsichtigt bei tieferen Einblicken in mein Leben fernab des Caminos. Etwas, was ich generell nicht sehr schätze, möchte ich doch hier gerade den Kopf davon etwas frei bekommen. Ganz abgesehen davon fühle ich mich auch deutlich wohler in meiner Rolle als „peregrina“. Das hier ist etwas, was ich voll im Griff habe und voll genieße. Wohl nicht nur Per sieht mich hier als „strong“, etwas, worüber ich hier auf dem Camino überrascht bin und worüber ich zu Hause bitter lachen würde.

Mit jedem entschiedenen „so ist das und nicht anders und wird auch nie so werden“ von Jelle aus der anderen Ecke des dunklen Schlafsaals verschwindet ein weiteres Stückchen peregrina, bis irgendwann nur noch Unsicherheit und Verzweiflung übrig bleiben. Ich habe das Gefühl, hier in dieser einsamen Herberge im Stockdunkel zu ersticken oder irgendwie unkontrolliert panisch zu werden.

Dass ich nicht ersticke, ist naheliegend, aber dass die erwartete Riesenpanik ausbleibt, grenzt an ein kleines Wunder. Mit einem Mal wird mir ganz licht; es ist zwar immer noch stockdunkel und ich rede in einen (bis auf Jelle) leeren Schlafsaal, aber es fühlt sich an, als ob in meinem Kopf eine Kerze angezündet worden wäre, die mir einen Weg aus seiner so erschlagenden Argumentation leuchtet. Plötzlich habe ich wieder die Stärke und Sicherheit der peregrina, diesmal sogar in Anbetracht meines Lebens abseits des Caminos. Mir ist völlig egal, was logisch und naheliegend und wahrscheinlich ist. Ich glaube an meine Visionen. Unwahrscheinlichkeiten schrecken mich nicht. Und selbst Unmöglichkeiten können lernen müssen, dass nichts unmöglich ist.

Ich habe mich noch nie so an der Hand genommen und geleitet gefühlt wie in dieser tränenreichen Nacht.

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