Das Gefühl, von Engeln getragen und begleitet zu werden, hat zum ersten Mal auch nach dem Camino nicht nachgelassen.
Als ich zu Hause meine Emails abgerufen habe, war der Camino direkt in meiner Wohnung.
Ganz besonders gefreut habe ich mich über eine Mail von Sanne. Als ich ihr zurückgeschrieben habe, wurde daraus ungewollt eine seitenlange Mail, und das Gleiche kam von ihr zurück. Auf dem Camino haben wir wortlos ein gewisses Verständnis gefühlt – und dass es kein trügerisches Gefühl war, hat sich hinterher bewahrheitet. Wir befinden uns wohl auf einer ähnlichen Suche.
Von Sanne weiß ich, dass Marco gleich nochmal einen Camino drangehängt hat. Immer noch auf der Suche nach der Antwort auf seine Frage. Und wahrscheinlich immer noch grashalmkauend und in sich hineinspürend. Es würde mich nicht wundern, wenn sich ihm die Antwort irgendwann in Form eines gemeinsam strahlenden Sonnenuntergangs zeigen würde. Ich denke, er wird mir irgendwann schreiben, wenn er seinen Flow gefunden hat. Und ich freue mich darauf; ich weiß, er wird ihn finden.
Von Kristian habe ich direkt danach eine kurze Mail bekommen, dass er nun gerade in Madrid ist und ihm erst dort aufgefallen ist, was der Camino an ihm bewirkt hätte, „wow“. Ich habe bis heute nicht erfahren, was ihm nun aufgefallen ist. Aber es wäre ja auch einfach nicht Kristian, wenn er nicht chaotisch, unberechenbar und etwas verplant wäre. Er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben, und ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er irgendwann sein girl und seine Kinder und seinen Platz im Leben findet.
Jelle ist nach wie vor mein Fels in der Brandung. Letztes Jahr hat er seine und meine Rucksackmuschel zusammengebunden und an meinem Lieblingsplatz in Muxía dem Meer übergeben. Er glaubt, dass uns das für immer eine besondere Verbindung haben lässt. Ich glaube nicht, dass wir dafür Muscheln brauchen.
Das Niederschreiben meiner Erlebnisse hier hat mich vieles nochmal durchleben lassen. Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich durch meinen Emotionenwust hindurchgearbeitet haben, vor allem für die lieben Kommentare und Mails. Es ist ein ganz wunderbares Gefühl, auch ganz ohne gemeinsamen Camino Soulmates zu spüren, Erinnerungen zu wecken und die Begeisterung für den Camino zu teilen.
Zu guter Letzt habe ich bei meiner Heimkehr auch von meinem Chef eine Mail vorgefunden – mit der etwas irritierten Frage, ob ich denn wie geplant wieder zum Arbeiten komme. Über die Homepage hätte sich jemand gemeldet mit „Schöne Grüße aus der Notaufnahme in Santiago, wollte mich nach dem Zustand der Patientin erkundigen“. Zwei Tage später hatte ich dann auch noch einen süßen handgeschriebenen Brief im Briefkasten, mit der Frage, wie es denn meinem Bein geht und wie ich die lange Rückreise überlebt habe. Mein Bein hat sich wunderbar entwickelt, aber ich schreibe immer noch täglich mit meinem Engel aus der Notaufnahme. Ich habe keine Ahnung, warum, aber es fühlt sich an wie Camino pur - bewegend, wunderschön und magisch…
Ich danke dir es war sehr sehr schön deine Erlebnisse zu lesen.
LG. Wolfgang
Ich lese seit ein paar Tagen kreuz und quer durch Deinen Blog.
Mich interessiert der Weg seit einiger Zeit und Dein Blog ist gut geschrieben.
Vielleicht gibt es keine Antwort – aber was suchst Du auf dem Weg den Du schon 4mal gegangen bist (wenn ich richtig aufgepasst habe).
LG
Heiko
Liebe Peregrina,
ich war selbst dieses jahr (april/mai) auf dem camino von sjpdp bis santiago. fast hätten wir uns dort getroffen..
danke, dass du uns hierüber an deinem camino teilnehmen lässt.
mich beschäftigt mein camino noch immer sehr und durch das lesen deines blogs bin ich nochmal richtig eingetaucht, gerade weil es einge parallelen gibt; nicht nur, dass wir fast gleichzeitig auf dem weg waren, gleich alt sind, auch kann ich deine gefühle zu kristian ganz gut nachvollziehen.
ich wünsche dir alles gute und vielleicht treffen wir uns ja mal auf dem camino
LG
Mela